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Zur Ernährung des Sperlingskauzes
(Glaucidium passerinum) zur Brutzeit
Von Heimo Mikkola, Oulu (Finnland)
Der Sperlingskauz unterscheidet sich von allen andern Eulen, die ihre Nester in Höh¬
len anlegen, dadurch, daß er das Nest von allen Beuteresten sauber hält. Das Weibchen
wirft alle Rupfungen und Gewölle aus der Höhle heraus, wo sie unter dem Nestbaum
liegenbleiben und damit das Sammeln leicht machen. Doch man hat die Nahrung des
Sperlingskauzes während der Brutzeit wenig erforscht. In Schweden (Jansson 1964),
Norwegen (Munte-Kaas Lund 1951), Deutschland (Uttendörfer 1952, März 1964) und
Österreich (Bergmann & Ganso 1965) sind nur wenige Befunde veröffentlicht worden.
In Finnland hat man 10 Nester im Zeitraum von 1962 bis 1969 untersucht, insgesamt
912 Beutetiere (Kellomäki 1969, Mikkola 1970). Die Ergebnisse in Finnland sind im
folgenden zusammengefaßt.
Die Beutetierarten und ihre Individuenzahl wurden aufgrund der Beinknochen in den
Gewöllen bestimmt. Von den Vögeln befanden sich in den Gewöllen oftmals die Ober¬
armknochen, aber die meisten Vögel wurden aufgrund der unter dem Nestbaum ge¬
fundenen Federn bestimmt.
Die wesentlichsten Beutetiere waren Rötel- und Erdmaus und Wühlmäuse koll.
(= Rötel- oder Erdmaus) mit 59% und Vögel mit 37%. An den meisten untersuchten
Niststätten wurden außerdem Spitzmäuse gefunden (im ganzen Material durchschnitt¬
lich nur 2%).
In den einzelnen Jahren variiert die Nahrung des Sperlingskauzes erheblich. Die Jahre
1962 und 1966 waren in Finnland gute Mäusejahre (Linkola & Myllymäki 1969); in
ihnen nahmen Mäuse jeglicher Art über 80% der Futtermenge des Sperlingskauzes
ein. Andererseits mußte die katastrophale Abnahme der Mäuse in den Jahren 1963
und 1967 ihre sichtbare Auswirkung in der Nahrung des Kauzes finden. So kompen¬
sierte der Sperlingskauz den Ausfall der Mäuse durch den Fang von mehr Vögeln,
Spitzmäusen und anderen Kleinsäugern (Tabelle 1).
Niststätte 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Jahr 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1969 1969
o/o %> °/o °/o % °/o % % % %
Spitzmäuse ........ 1,7 25,4 8,9 1,6 2,9 — 1,9 — 6,4 1,8
Rötelmaus ........ 11,0 2,7 17,8 45,9 5,8 14,6 4,8 29,2 23,4 74,2
Erdmaus .......... 7,0 — — 26,2 8,0 14,6 1,0 17,5 29,8 —
Wühlmäuse koll. ... 64,0 21,3 22,2 — 75,3 — 27,1 11,1 8,5 —
Kleinvögel......... 16,3 50,6 51,1 26,3 8,0 70,8 65,2 38,3 25,6 22,2
Andere Tiere ...... — — — — — — — 3,9 6,3 1,8
Zusammen ........ 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100
Individuenzahl ____ 208 51 26 31 91 42 98 154 47 54
Tabelle 1: Anteil der wichtigsten Beutetiere an der Brutzeit-Nahrung des Sperlings¬
kauzes in Finnland 1962-69. 1. = Jalasjärvi, 2. = Jalasjärvi, 3. = Eräjärvi, 4. = Virrat, 5.=
Suodenniemi, 6. = Lappi Tl, 7.=Pihlajavesi, 8. = Oulu, 9.=Jämsä und 10. = Kuusamo.
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