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Nur fachgerechte und gezielte Kritik kann die Fehlerfaktoren beleuchten und versuchen sie
abzubauen, was allerdings eine eingehende Beschäftigung mit diesem Thema voraussetzt. Die
zweifellos vorhandenen Fehlerfaktoren dürfen aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, daß
nur annähernd exakte Zahlen immer noch besser sind als ungenaue pauschale Aussagen, die
nur von einer oberflächlichen Betrachtungsweise herrühren.
Anschrift der Verfasser:
Karl-Heinz Köhler, D 3123 Bodenteich, Im Kleifeld 3
Gunther Schnebel, D 3110 Uelzen, Ringstraße 9
Ungewöhnliche Bruttermine von Stockente (Anas platyrhynchos)
und Ringeltaube (Columba palumbus)
von Erwin R. Scherner, Göttingen
Stockente: Am 17. 8. 1967 ein ♀mit 5 wenige Tage alten pull.; am 30. 8. 1968 ein ca.
2 Wochen alter, führungsloser Jungvogel; am 17. 8. 1970 ein ♀mit 3 juv. (ca. ein- bis drei¬
tägig); am 20. 8. 1971 ein $ mit 6 höchstens einwöchigen pull, (alle Beobachtungen auf Ge¬
wässern in Wolfsburg).
Vollgelege der Stockente sind bis „Mai und Juni (- Juli)" festzustellen (Niethammer 1938).
Nach Lenz (1971) schlüpften Entenküken im Tempelhofer Park (Berlin) „zwischen dem 18. 4.
und 21. 7. (Extremwerte aus 6 Jahren)". Die späteste Brut am Bodensee „ist vom 18. 8. 1965
bekannt: ein ♀mit 6 zehntägigen Jungen" (Jacoby, Knötzsch u. Schuster 1970). „Es ist also so.
daß auch nach dem 1. August — dem Jagdbeginn auf alle nicht geschützten Arten — in einem
Jagdrevier noch unzählige Junge führende Enten anzutreffen sind. Bei Fangaktionen im
August an einer Mauserstation am Bodensee haben die Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell
von allen dort brütenden Entenarten regelmäßig flugunfähige Jungvögel in den Reusen ge¬
funden" (Eber u. Szijj 1972).
Ringeltaube: Am 7. 3. 1967 baute ein Paar sein Nest, das später aufgegeben wurde
(Wolfsburg).
In warmen Gegenden Mitteleuropas beginnt die Eiablage bereits Ende März, sonst im April
oder Anfang Mai (Klinz 1955, Niethammer 1942). Eine sehr frühe Brut beobachtete Brennecke
(1949): Vollgelege Ende Februar. Die Ringfundliste von Goethe u. Goertz (1968) erfaßt 287
Nestlinge, von denen nur 4 im April beringt worden sind. Diese dürften hinsichtlich des zu-
grundliegenden Bruttermins ebenso wie der Nachweis von Berndt (1950) zeitlich der o. a.
Feststellung entsprechen. Von 926 britischen Gelegen waren nur 0,5% im März gefunden
worden (Murton 1958); unter 1343 Londoner Gelegen entfielen 0,4% auf die zweite Februar-,
1,8% auf die erste März- und 2,6% auf die zweite März-Hälfte (Cramp 1972).
Literatur
Berndt, R. (1950): Frühbrut der Ringeltaube. Vogelwelt 71, p. 21
Brennecke, H.-E. (1949): Frühbrut der Ringeltaube. Ib. 70, p. 119
Cramp, S. (1972): The breeding of urban Woodpigeons. Ibis 114, p. 163—171
Eber, G., u. Szijj, J. (1972): Der Brutbestand der Entenvögel in der Bundesrepublik
und die möglichen Folgen der frühen Jagderöffnung. Ber. Dtschn. Sekt. Internat. Rat
Vogelschutz 12, p. 36-39
Goethe, F., u. Goertz, M. (1968): Ringfunde der Ringeltaube (Columba palumbus).
Auspicium 2, p. 364-383
Jacoby, H., Knötzsch, G., u. Schuster, S. (1970): Die Vögel des Bodensee¬
gebietes. Orn. Beob. 67, Beih., 260 pp.
Klinz, E. (1955): Die Wildtauben Mitteleuropas. Wittenberg Lutherstadt (Ziemsen), 48 pp.
(Neue Brehm-Bücherei 166)
Lenz, M. (1971): Zum Problem der Erfassung von Brutvogelbeständen in Stadtbiotopen.
Vogelwelt 92, p. 41-52
Murton, R. K. (1958): The breeding of Woodpigeon populations. Bird Study 5, p. 157—183
Niethammer, G. (1938/42): Handbuch der Deutschen Vogelkunde. 2, 3. Leipzig (Ak.
Verl.-Ges.), 545 + 568 pp.
Erwin R. Scherner, D 34 Göttingen-Geismar, Plauener Straße 7
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