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Massentod von Vögeln in Spanien durch bakteriologische Vergiftung
Wie vom Weltnaturfonds World Wildlife Fund bekanntgegeben wird, haben Wissenschaftler
festgestellt, daß Botulismus, ein bakteriologisches Gift, kürzlich den Tod von über 50 000
Vögeln im Donana Nationalpark Südspaniens verursacht hat.
Auf Ersuchen des WWF wurden die notwendigen Untersuchungen von 2 holländischen Wissen¬
schaftlern durchgeführt, und zwar von Prof. J. H. Koeman, Landwirtschaftliche Universität
Wageningen, und Dr. J. Haagsma, Zentrales Tierärztliches Laboratorium.
52 Vogelarten des Nationalparks waren betroffen und man schätzt, daß 80% der ansässigen
Löffler-Population zerstört worden ist.
Die Infektion ist auf das als „Las Nuevas" bekannte Sumpfgebiet beschränkt. Die spanischen
Behörden verbrennen die Kadaver der Vögel an Ort und Stelle, um das Umsichgreifen der
Infektion zu verhindern.
Die nationale Förderungsgesellschaft des World Wildlife Fund in Spanien (ADENA) hat das
Angebot der Behörden akzeptiert, in Gebieten, die von der Infektion verschont geblieben
sind, neue Wasserstellen für die Vögel zu bauen und die Vögel hier anzufüttern, um sie von
der infizierten Gegend wegzulocken.
Botulismus wird durch ein Bakterium namens „Clostridium botulinum" hervorgerufen, das
unter bestimmten klimatischen Voraussetzungen von Hitze und Trockenheit gedeiht. Das Gift
verursacht Lähmungen, die zum Tode führen. Andernorts ist es bereits zu ähnlichen Massen¬
sterben bei Vögeln gekommen. Wasser und tiefere Temperaturen unterdrücken die Infektion.
Der Donana Nationalpark, eines der tierreichsten Gebiete Europas, wurde 1969 gegründet,
nachdem der World Wildlife Fund in einer groß angelegten Aktion Land aufgekauft hat, das
durch industrielle Entwicklung bedroht war. Über eine Million Dollar waren in Europa und in
den Vereinigten Staaten gesammelt worden. Das Land wurde der spanischen Regierung
geschenkt und bildete die Grundlage für den heutigen Nationalpark.
World Wildlife Fund, Morges/Schweiz
Aus dem Bayerischen Landesbund für Vogelschutz
Flughafen-Projekt Kauerlacher Weiher
Im Mitteilungsblatt 72/2 berichteten wir bereits über die Bedrohung der Schwarzach-Wiesen
im Landkreis Neumarkt (Beilngries) durch Anlage eines Privatflughafens. Die Gefahr konnte
trotz Einschaltung aller einschlägigen Stellen zunächst nicht beseitigt werden. Eine Bürger¬
initiative, an der sich maßgebend auch unser Mitglied A. Reinsch beteiligte, erbrachte an die
3000 Unterschriften. Es gelang, den Bau zu verhindern. Wie wir erfahren, wurde aber zwischen¬
zeitlich ein Pressekrieg gegen die Naturschützer von Seiten der Flughafeninteressenten
gestartet. Die weitere Entwicklung läßt sich deshalb noch nicht absehen.
Ausgleichsbecken Altmühltal
Die Beteiligung des Landesbundes für Vogelschutz an den Planungen ist jetzt dadurch sicher¬
gestellt, daß er den Sprecher der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft in Nordbayern,
Tiergartendirektor Dr. M. Kraus, in Verbindung mit dem Bund Naturschutz und der Ornitho¬
logischen Gesellschaft in Bayern bevollmächtigte, bei der Planung mitzuarbeiten. Wir hören,
daß das Echo der davon informierten Stellen bis jetzt positiv ist. Die Verhandlungen beginnen
jedoch erst. Es wird sich zeigen müssen, ob unsere Vorstellungen für die Rettung der Vogel¬
welt in den Feuchtwiesengebieten zwischen Günzenhausen, Altmuhr und Ornbau sich ver¬
wirklichen lassen. Wir berichteten in unserem Mitteilungsblatt 71/2 von der Bedeutung dieses
Talsperrenprojektes für die Vogelwelt Bayerns.
Naturschutzgebiet Großer Rußweiher gefährdet
Die berühmte Vogelfreistätte in der Oberpfalz, deren vogelkundliche Betreuung u. a. Herr
Schmidtke übernommen hat, ist wieder einmal in Gefahr, vom Erholungsbetrieb überrollt zu
werden. Man scheint auch hier wieder die Meinung zu vertreten, Naturschutz = Naherholungs¬
rummel. Ferner müssen zur Erhaltung des wertvollen Lebensraumes dringende Pflegema߬
nahmen durchgeführt werden, da ein Teil des Gebietes verlandet. Naturschutz kann nicht
bedeuten, daß Gebiete sich selbst überlassen werden. Ohne planmäßige Eingriffe können die
Ziele des Schutzes nicht erreicht werden. Allzu konservativer Naturschutz hat diesen Umstand
oft übersehen, so daß später fast irreparable Schäden die Folge sein können.
Dr. E. Bezzel, D 81 Garmisch-Partenkirchen
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