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Abb. 3: Schwanz, Rücken und linker Flügel je einer ad. toten Brandseeschwalbe (links vom
24. 8. 1980) und Lach seeschwalbe (rechts, vom 4. 7. 1980), beide Meldorfer Bucht. Foto: P. Gloe
aber meistens nicht deutlich wird: Bei ähnlicher Dimension des Handflügels (Flügellänge der
Lachseeschwalbe 30,0 bis 33,2 cm, der Brandseeschwalbe 28,5 bis 32,5 cm; nach Kirchner
1968) ist der Armflügel der Lachseeschwalbe viel breiter als der der Brandseeschwalbe, näm¬
lich um etwa 20 % (s. Abb. 3).
Daraus resultiert ein für die Brandseeschwalbe größerer Handflügel-Index (s. Schüz 1971) als
für die Lachseeschwalbe (mit demnach weniger „spitzem" Flügel; vgl. Oehme 1959). Da beide
Arten von vergleichbarer Größe sind, könnte dieser Umstand auf unterschiedliches Zugver¬
halten hinweisen (z. B. Kipp 1958, 1961), andererseits reduziert aber der breitere Armflügel
(der Lachseeschwalbe) die Flächenbelastung. Damit geht eine größere Tragfähigkeit einher.
Dies läßt sich gut mit unterschiedlichem Gewicht von häufig transportierten Beutetieren in
Zusammenhang bringen. Nach Moller (1977) machen etwa 20 g schwere Erdmäuse (Microtus
agrestis) und Frösche (Rana spec.) 57,1 % Gewichtsanteil der Nahrung norddänischer Lach-
seeschwalben aus. Die von Brandseeschwalben eingetragenen kleinen Fische, z. B. Spierlinge
(Ammodytes spec), wiegen nur etwa die Hälfte.
In dieser Beziehung wird (eingedenk regional unterschiedlicher Situationen) das Verhältnis
zwischen Nist- und Nahrungsgebieten bedeutsam. Diese sind nach Poslawski u. Kriwonosow
(1978) — am Kaspischen Meer — bei der Brandseeschwalbe maximal genähert, während sie bei
der Lachseeschwalbe „dutzende km auseinanderliegen" können. Mit der für Lachseeschwalben
längeren Transportstrecke steigt deren Arbeitsleistung beim Nahrungstransport (für den
Nachwuchs offen in der Schnabelspitze, für sich selbst verschluckt) weiter. Der breitere Trage-
Flügel dürfte dem dabei steigenden Energieaufwand entgegenwirken.
Schrifttum
Creutz, G. (1954): Taschenbuch der heimischen Sumpf- und Wasservögel. — Jena.
Heinzel, H., Fitter, R. u. Parslow, J. (1972): Pareys Vogelbuch. — Hamburg
und Berlin.
Kipp, F. A. (1958): Zur Geschichte des Vogelzuges auf der Grundlage der Flügelanpas¬
sungen. — Vogelwarte 19, p. 233 bis 242.
—,— (1961): Flügelbau und Zugverhalten bei den Anatiden. — Vogelwarte 21, p. 28 bis 36.
Kirchner, H. (1968): Der Vogel im Fluge. 4. Lieferung: Seeschwalben. — Sammlung Zool.
Feldführer. Wittenberg-Lutherstadt.
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