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Im Abstand von knapp 2 m standen zwei Amseln und sahen lautlos zu. Nach etwa 6 Hieben
ergriff die Elster ihre Beute und flog damit in ein 3 m entferntes Gebüsch. Dort blieb alles
ruhig. Nach knapp 2 Minuten flog die Elster ohne Beute davon. Ich fand dann unter dem Ge¬
büsch am Boden sitzend einen vollflüggen Jungstar. In seiner rechten Brust hatte er eine tiefe,
blutende Wunde, vermutlich war die Lunge verletzt. Er verendete bald darauf.
An dieser Zufallsbeobachtung ist bemerkenswert, daß die Elster ihr Opfer offenbar nicht zu
töten verstand. Ein kräftiger Schnabelhieb auf den Kopf hätte dem Star sicherlich sofort den
Garaus gemacht. Statt dessen hackte sie mehrmals auf die breiteste Stelle ein, die das vor ihr
liegende Opfer ihr darbot, nämlich die Brust. Völlig rätselhaft ist, weshalb sie das halbtote
Opfer aufgab. Eine Störung von außen scheidet aus.
Helga Schölzel, D 1000 Berlin 51, Thurgauerstraße 12
Auf Eis und Schnee schwarzmantelig erscheinende Eismöwen
Zum Thema optischer Täuschungen bei der Vogelbestimmung im Freiland
Das beigefügte Foto machte ich auf einer Kreuzfahrt im Juli 1978 in der Arktis im LiIliehöok
fjord in Nordspitzbergen (vgl. Orn. Mitt. Nr. 7/1981). Bei den schwarzmantelig erscheinenden
Möwen denkt man zunächst an Mantel- oder Heringsmöwe. Beide Arten kommen dort jedoch
— von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen — nicht vor. Es sind Eismöwen (Larus hyper-
boreus), deren Flügel infolge des Simultankontrastes auf den Eisbergen dunkel erscheinen.
Herbert Bruns
Bund für Vogelschutz schließt einen Naturfotografen aus
Laut Bericht in »Tier + Naturfotografie« 5/1981 schloß eine Ortsgruppe des Bundes für Vogel¬
schutz ein Mitglied aus, weil es eine Wasseramsel bei der Zwischenlandung auf dem Weg zum
Nest fotografiert hatte. In der Stellungnahme heißt es, daß dieses Foto keine Brutgefähr¬
dung darstelle und die Veröffentlichung eines solchen Fotos als Naturschutz mit der
Kamera anzusehen sei, wenn mit solchen Bildern Freude an der Natur und damit am
Naturschutz gefördert wird.
Das gleiche Vorstandsmitglied, das den Ausschluß bewirkte, hatte sich vorher einen Namen
damit gemacht, indem er Vogelhaltern Vögel abgenommen und freigelassen hatte. Hierzu wird
kommentiert, daß das Freilassen von Käfigvögeln für manchen Vogel das Todesurteil bedeute
und daß man mit dem bloßen Aussetzen den Vogelbestand nicht anheben könne.
Es ist erfreulich, daß es so viele Vereine für Vogelschutz und für Tierschutz gibt, es ist aber
auch zu bedauern, daß es oft an Kenntnis für eine fach- und sachgerechte Ausübung des
Vogelschutzes und des Tierschutzes mangelt. So wird z.B. viel Geld für falsche Vogel¬
schutzmaßnahmen vergeudet, z. B. für Zentner von Vogelfutter, während auf der anderen
Seite kein Geld vorhanden ist, um sich durch den Bezug von Fachliteratur sachkundig zu
machen.
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