Einleitung".

Im Beginn des Jahres 1874 bot mir Herr Bergrath Professor F. W. Fritzsche in Freiberg eine grössere Suite von Versteinerungen zur Beschreibung an, die sein Schwiegersohn Bergingenieur Fi. D. M. Verbeek bei seinem Aufenthalt in Borneo dort gesammelt und zur Bestimmung nach Europa gesandt hatte.

»Diese unglückseligen Fossilien«, schrieb mir damals kurz darauf Verbeek, »habe ich in einer wirklich entsetzlichen Hitze im Schweisse meines Angesichts zum grössten Theile selbst gesammelt Dann wurden sie nach Buitenzorg geschickt und da aus- und zum Theil wieder eingepackt und dann an Dr. M. Hörn es nach Wien gesandt, der bei Ankunft der Kiste leider schon verstorben war. In Wien ist die Kiste lange Zeit stehen geblieben und endlich durch die gütige Vermittlung des Herrn Fr. Ritter von Hauer und meines Schwiegervaters wieder aufgefunden worden und so schliesslich in Deine Hände ge­kommen. Dass die Versteinerungen durch dieses ewige Hin- und Herreisen gelitten haben werden, ist sehr wahrscheinlich, besonders diejenigen, welche sich in den Thonsteinen und in den weichen Mergeln (Gruppe ß) befinden. Ich hoffe aber trotzdem, dass sie noch der Bestimmung und Veröffentlichung werth sein möchten. Interessant sind sie jedenfalls, erstens weil von Borneo, wie von Niederländisch-Indien überhaupt, bis jetzt nur sehr wenig Petrefacten bestimmt worden sind, und zweitens, da sie aus unserer technisch so wichtigen kohlenführenden Eocänformation stammen.«

Trotz der in der That höchst ungenügenden Erhaltung der Fossilien habe ich mich denn auch an die Arbeit gemacht und vorläufig die Konchylien einer eingehenden Bearbeitung unterzogen. Herr Dr. Th. Geyler in Frankfurt a. M. hat die wenigen Pflanzen, welche der Sendung beigelegen hatten, genauer untersucht und wird ihre Publikation in einem gleichzeitig erscheinenden II. Theile niederlegen, der im phytopalaeonto- logischen Theil dieser Zeitschrift erscheint. Auch hat Herr Bergingenieur R. M. D. Verbeek in einem unten folgenden einleitenden geognostischen Beitrag die Lagerungsverhältnisse der Gesteinsschichten, aus denen die bearbeiteten Versteinerungen herrühren, klar gelegt.

Die Krebse, Seeigel und Korallen hat Herr Professor Dr. C. von Fritsch in Halle zur Beschreibung übernommen. Sie sollen in einem III. Theile dieser Abhandlung folgen und gleichzeitig noch die Beschreibung einiger Rhizopoden und Bryozoen von mir angefügt werden.

Eine historische Entwicklung der nach und nach greifbarer sich gestaltenden Kenntnis» der Tertiär­formation in Niederländisch-Indien, sowie die Schlussfolgerungen, die aus den gemeinsamen Arbeiten zu ziehen sein dürften, sollen diesem Theile ebenfalls beigegeben werden.

Wenn ich nun schon in der Einleitung für mich und meiie Mitarbeiter um gütige Nachsicht bitte, so geschieht dies aus dem Grunde, weil wir mit dem besten Willen nicht derart objectiv zu arbeiten im Stande waren. wie das bei Untersuchungen im Tertiärgebiet Regel und Gewohnheit ist.

Die Koeänformation von Borneo etc. 1