Die Sandsteppen Serbiens.

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Im zweiten Jahre sieht die Landschaft ganz anders aus. Das im vorigen Jahre vorherrschende Element [Polygonum, Veronica etc.) tritt allerdings auch diesmal wieder auf, aber es hat seine Wichtigkeit für die Charakteristik der Zusammensetzung der Formation schon eingebüßt, da es von großen Polstern der nunmehr überall ungemein reich auftauchenden Euphorbia Gerardiana unterdrückt und bedeckt wird. Die Büsche dieser Wolfsmilchart sind dicht und gedrungen, fast halbkugelartig. Ihre gelben, reichlichen Blütenstände und die graugrünen Blätter prägen der Steppe einen eigentümlichen Ausdruck auf. Auch ein Gras, Festuca vagvnata, bildet ähnlich dichte, buschige, maulwurfshügclartige, bläulichgraue Polster, aus welchen die nicht zahlreichen, schlaff stehenden und der Windrichtung nach gebogenen Halme emportauchen. Diese zwei Pflanzen sind die wichtigsten Leitelemente der Sandsteppe in ihrer zweiten Phase. Gregar sind dabei Blattrosetten und blühende Individuen von Tragopogon floccosum, Rasen von Andropogon Ischaemum, Andropogon Gryllus, Thymus pannonicus, Cynodon Dactylus und Carduus nutans zu finden, was uns die bereits erwähnte Abbildung Nr. 1 (rechts) veranschaulicht. Der weitere Verlauf der Entwickelung der Vegetation auf den Sandsteppen wird bei der Be­sprechung der einzelnen Formationen besondere Berücksichtigung finden.

Auf die Entwickelung der Steppe übt auch der Mensch einen sehr be­trächtlichen Einfluss aus. Seine Thätigkeit begünstigt einerseits die Ver­breitung der Steppe (durch Vernichtung der Wälder und durch die Weide­wirtschaft), andererseits setzt er der Ausdehnung derselben (durch Bepflanzung und Anbau) große Schranken. Die einst vorhandenen Bäume milderten die Kraft der Winde, hemmten den Transport des Sandes, zogen der Umgebung mehr Feuchtigkeit zu und verwandelten allmählich auch die umliegenden Sandwüsten in grüne Oasen. Das weidende Vieh, welches recht zeitig im Frühling jahraus, jahrein auf die Steppe getrieben wird, vernichtet sehr viele Pflanzenarten dadurch, dass es dieselben noch vor der Samenerzeugung benagt oder gänzlich abgrast. Daher kommt es auch vor, dass sehr große Strecken nur von derartigen Pflanzen bedeckt werden, welche vom Vieh geschont und gemieden werden. Zu solchen gehören z. B. sämtliche Euphorbia-kvien , ferner Paeonia, Heilshorns, Thalictrum, Ranunculus, Nigella, Linaria, Verbascum, Vinca, Onosma, Echium, Mattia, Anchusa, Salvia, Marrubium, Inula, Heiichrysum, Artemisia, Xeranthemum u. v. a. Auf die höheren Stauden und Halbsträucher übt das Vieh einen Verkrüp- pelungs-Einfluss aus, der infolge der Benagung und der vom Klima und Terrain schwach begünstigten Regeneration sich einstellen muss. In neuerer Zeit hat man sehr fleißig zur Bepllanzung der Sandwüsten eingegriffen. Zu diesem Behufe werden zunächst Weiden, Akazien und Pappeln ver­wendet. Große Strecken sind auch in Weingärten und Äcker umgewandelt, welche durchweg gute Ernten tragen.

Botanische Jahrbücher. XXXIII. Bd. 36