Die Sandsteppen Serbiens.

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Hauptwurzeln auszuweichen. Ob diese Streckung der Wurzeln hauptsächlich als eine Anpassung gegen Windgefahr oder vielmehr gegen Dürre hervor­gerufen wird, möge vorderhand dahingestellt werden. Durch Cultur- versuche sowohl in feuchtem als in trockenem Sande erzielte ich bereits dieselben Resultate.

Dem Einflüsse der Winde ist ferner die Verkrüppelung des Stengels und der Zweige vieler Sträucher und Stauden, insofern dies nicht durch Tierfraß entstanden ist, zuzuschreiben. Da die Blätter vieler Pflanzen durch Windbeschädigung zu frühzeitig austrocknen und verdorren, so leidet da­durch die normale Entwickelung des Holzes, die Triebe bleiben daher klein oder ihr Holz reift nicht rechtzeitig aus, erfriert daher im Winter und bringt die Verkümmerung der Pflanze mit sich. Hier sei abermals hervor­gehoben, dass die compacte, maulwurfshügelartige oder halbkugelförmige Gestalt mancher Pflanzen, nach dem bereits Auseinandergesetzten, kaum dem Windeinflusse zuzuschreiben sein dürfte.

Der Hauptschaden aber, der durch den Wind entsteht, ist der, dass die Blätter infolge allzustarker Transpiration, zunächst stellenweise, dann allmählich gänzlich austrocknen und verdorren. Das Verdienst gebührt Hansen, dies ausführlich beobachtet und bewiesen zu haben. Er berichtet dass die Beschädigung durch den Wind darin besteht, dass kleinen Zell- complexen das Wasser durch Transpiration so schnell entzogen wird, dass keine Zeit zur Zuleitung von den benachbarten Zellen her bleibt; der ohne Unterlass wehende und verzehrende Wind verursacht daher, dass die Blätter allmählich absterben. Ich bin im stände, durch folgende Be­obachtungen diese Meinung zu bekräftigen. Am 10. Juni stand um Kladovo Antkemis ruthenica schön in Blüte mit schneeweißen, unversehrten Rand­blüten. Während der Nacht wehte ein starker Wind und am Tage hierauf bemerkte ich, dass sämtliche Randblüten dieser Anthelms wie abgebrüht aussahen. Die Zungenblumcn waren nämlich nicht mehr weiß, sondern entweder über die Hälfte oder wenigstens dem Rande entlang bräunlich gefärbt. Es ist jeder Zweifel ausgeschlossen, dass diese Erscheinung nur dem Windeinfluss zuzuschreiben ist. Dass aber alle Pflanzen nicht in gleichem Maße für Windstörungen empfindlich sind, möge durch folgendes Beispiel bekräftigt werden. Zwischen der erwähnten weißblühenden Art trat überall die gelbblühende Anthemis ünetoria auf, und merkwürdiger­weise blieben ihre Blüten rein gelb auch nach der windigen Nacht. Im anatomischen Bau finde ich keinen wesentlichen Unterschied (den Farbstoff abgerechnet) zwischen diesen zwei Arten. Die zarten Epithelzellen sind im allgemeinen gleich groß, polygonal. Die Cuticula zeigt bei A. tinetoria mitunter eine Längsstreifung. Der Hauptunterschied besteht eigentlich nur

1) A. Hansen: Die Vegetation der Ostl'riesisehen Inseln. Darmstadt 1901. p. :ii u. ff.).