ERFURTER

Nützliche Blätter

für’s Ifliius, fei«! und Wald.

No. 2. Beilage zur Erfurter illustrierten Gartenzeitung. 1889.

Erscheint am 1. eines jeden Monats.

Druck und Verlag von J. Frohberger in Erfurt.

Die „Nützlichen Blätter 1 ' sind dazu 'bestimmt, über zweckmässiges Aulbewahren der durch den Garten- und Obstbau erzielten Ernten zu unterrichten, sollen lehren, aul welche Weise wir solche am zweckmässigsten aufbe­wahren, einmachen, trocknen können u. s. w. Sie bilden so einen ergänzenden Teil der „Erfurter illustr. Garten­zeitung“ und für sich betrachtet, ein abgeschlossenes Ganze. Ferner bringen sie auch noch allerlei andere, die Haus-, Land- und Forstwirtschaft betreffende Anweisungen, sind also bestimmt, auch nach dieser Seite hin Nutzen zu bringen.

Hauswirtschaft.

Eine neue und eigentümliche Methode der Konservierung von frischem Obst.

Herr Dr. Bersch, so lesen wir in den „Land­wirtschaftlichen Mitteilungen“ (Beilage zur Tilsiter Ztg.) empfiehlt für wasserreiche und da­bei zuckerarme Früchte, wie Erdbeeren und Him­beeren u. s. w. eine Lösung von Salicylsäure in Wasser (3 gr. in ein Liter Wasser). Da sich ge­nannte Säure nur sehr langsam löst, thut man sie gepulvert in einen leinenen Beutel und lässt denselben etwa 8 Tage lang im Wasser hängen. In je ein Liter dieser Lösung werden nun 250 bis 300 Gramm Zucker gelöst. Alsdann nimmt man die zur Konservierung ausgesuchten makel­losen Früchte, und zwar in einem Reifezustande, in dem sie noch einige Tage hängen könnten, um vollständig reif zu sein; es ist dies von Be­deutung, da die konservierten Früchte nach und nach etwas weicher werden. Man füllt dann die zur Aufbewahrung bestimmten Gefässe zum vier­ten Teile mit dieser Konservierungsflüssigkeit, legt- Früchte bis etwa 3 cm unter den Rand des Gefässes ein und füllt von der Flüssigkeit so viel nach, dass die Früchte vollständig durch die­selben bedeckt sind. Das Gefass wird hierauf einfach durch Aufkleben einer Scheibe starken Papieres verschlossen und kann im Wohnzimmer, am besten unter Lichtabsehluss, da sonst die Farbe sich leicht ändert, verbleiben. Bei diesem Verfahren hielten sieh die Flüchte verschiedener Art von Mitte Juni bis Mitte Mai des folgenden Jahres. Geschmack und Aroma waren in voller Frische erhalten, nur war bei den Birnen die Farbe ein wenig ins Lederbraune übergegangen. Die Konservierungsflüssigkeit zeigte neben dem

süssen Geschmack auch nocli den der darin auf­bewahrten Früchte und deren Geruch, so dass es gelang, durch Zusatz von bestem Sprit ausser­ordentlich feinschmeckenden Ratafias oder Frueht- liqueur daraus herzustellen. Ausser dieser dop­pelten Verwendung der Früchte und ihrer Kon- servationsflüssigkeit empfiehlt sich das geschil­derte Verfahren durch seine Billigkeit, da man nur wenig Zucker bedarf und doch seinen Zweck erreicht.

Sauerkraut aufzubewahren.

Wenn sich auf der Oberfläche des Bauer­krauts Schimmel zu bilden beginnt, giesse man auf die über den Kraut stehende Brühe langsam ein halbes Liter Branntwein, bevor man das Kraut aus dem Fasse nimmt. Wenn man dies Verfahren drei- oder viermal wiederholt hat, wird sich das Kraut nicht nur vortrefflich halten, son­dern es nimmt auch noch einen vortrefflichen Weingeschmack an.

(Häuslicher Ratgeber.)

Um alten Erbsen den Geschmack der grünen beizubringen.

Frau Emma Sommer in Breslau empfiehlt im häuslichen Ratgeber folgendes Verfahren:

Man übergiesse die Erbsen mit kaltem Wasser und lasse sie 12 bis 15 Stunden in diesem weichen (am Abend ist dies am besten); des morgens giesse man das Waser ab und stelle die feuchten Erbsen an einen mässig warmen Ort. In zweimal 24 Stunden fangen sie an zu keimen, der Zuckerstoff entwickelt sich und in diesem Zustande werden sie gekocht; sie