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Für die eigene Wirtschaft, nicht als Han­dels- sondern als Futtergewächs gebaut, ist die Runkel, wie allgemein bekannt, ein vorzügliches Milch- und Mastfutter für das Rindvieh und die Schafe; sie muss aber dem Vieh nur in rich­tigem Verhältnis, in Abwechselung und mit Ver­ständnis gereicht werden. Näheres über diesen Punkt hier erörtern zu wollen, kann wohl füg­lich unterbleiben, indem jeder einsichtsvolle Land­wirt so viel weiss, dass das Füttern mit Runkeln allein auf die Dauer dem Vieh mehr schädlich als nützlich sein würde. Es soll hier nur auf den Wert dieser Futterpflanze hingewiesen und nur noch betont werden, dass der Anbau der Runkel, wenn er nicht auf Kosten anderer Kul­turgewächse geschehen soll, in richtigem Ver­hältnis zu der ganzen Wirtschaft stehen muss. Die Runkel verlangt das beste und vorziiglichst gedüngte Land und auch nur auf solchem ist ihr Anbau wirklich lohnend. Es ist vorteilhafter, man baut nur 1 Morgen auf bestem Lande, als 2 oder 3 Morgen auf nicht oder schwach ge­düngtem. Bei guter Düngung darf ma'n auf eine gute und lohnende, bei ungenügender Diin-

Runkel-Rübe, Oberndorfer.

Mm.

gung auch nur auf eine ungenügende Ernte rechnen. Man muss berechnen können, ob es der GesammtWirtschaft dienlich ist, den Dünger auf den Runkelacker zu konzentrieren oder wie weit man hier gehen darf, ob es zusagender ist, wenn man den Dünger zum Kartoffelbau verwendet, um Schweine zu mästen, oder ob es zweckmässiger ist, Milchwirtschaft und dieserhalb mehr Runkelbau zu treiben. Auf jeden Fall gehört aber die Runkelrübe mit zu einer gutgeführten Landwirtschaft und verdient die Beachtung eines jeden denkenden Landwirts. Solches hat mau ja wohl in neuerer Zeit hin­länglich genug erkannt und ist dieserhalb auch bemüht gewesen, die Runkelrübe selbst immer mehr zu verbessern und zwar sowohl in Form und Grösse als auch in Qualität ihres Fleisches. Noch vor 30—40 Jahren baute man in manchen (fegenden eine Runkelsorte, welche lang und krumm über die Erde wuchs und auch jetzt noch begegnet man ihr noch hier und dort. Man kannte fast keine andere Sorte und be­gnügte sich mit ihr. Weil ihre Rübe zum grössten Teil über der Erde wuchs, so war dieselbe grob­fleischig und zeigte einen langen, grünen und

holzigen Blätterhals und reichen Blätterwuchs. Sie ist nicht zu verwerfen und passt jetzt noch gut für weniger tiefgründigen und feuchten Bo­den. In besseren, tiefgründigeren Bodenarten hat sie aber weichen und anderen Sorten Platz machen müssen, so z. B. der Pfahl- und der olivenförmigen oder Flascheurunkel, auch diese suchte man zu verbessern und es entstand die Walzenrunkel, welche Sorten mit zu den besten und edelsten zählen, doch eine gute Kultur be­dingen. Weniger fein im Fleisch, doch gut im Ertrage, zeigt sich die Mammuthrunkel. Diese alle wachsen mit ihren Rüben mehr oder weniger halb in und halb über der Erde. Ausser den genannten giebt es auch noch Zwischenformen, welche zum Teil noch nicht flxirt sind und unter einander wieder in sich über- oder zurück­gehen. Von runden Sorten war früher die Wiener Tellerrunkel allgemein bekannt; sie bil­dete ein plattrunde, tellerförmige Rübe, ist aber später von der Oberndorfer, deren Rübe sich mehr der Kugelform näherte und grösser wurde, verdrängt worden. Man begegnet ihr in keinem Samenverzeichnisse und auf keiner Ausstellung mehr und doch hätte sie verdient, dem Runkel­sortimente erhalten zu bleiben; wenigstens die grösseren Samenhandlungen hätten sie mit bei­behalten sollen. Die Oberndorfer gilt als eine der vorzüglichsten runden Sorten und wohl mit Recht. Aus ihr mögen dann wohl die Kugel-, Dobitös und Wroxton’s goldgelbe Kugelrunkel, so auch Champions yellow hervorgegangen sein. Es wird angenommen, dass die langen Sorten mehr für die tiefgründigen, die runden aber mehr für flachen, doch guten Boden geeignet seien ; im Allgemeinen mag solches zutreffen, doch nicht für jeden einzelnen Fall und der Land­wirt wird immer wohl thun, wenn er alle vor­handenen Sorten anbaut, diese einer Prüfung unterzieht und sich dann die ihm für seine Ver­hältnisse am geeignetsten scheinende Sorte aus­wählt und weiter baut.

Was die Kulturweise hinsichtlich des Säens des Runkelsamens betrifft, so kommt es auf Klima und Boden und so auch die Säezeit mit an, um zu entscheiden, ob es vorteilhafter sei, wenn der Samen gleich auf den Acker oder erst im Garten zu säen ist, um die Pflanzen später aufs Feld zu pflanzen. In Bodenarten, welche bis im Mai sich schon dicht mit Unkräutern be­decken, tliut man besser, wenn man den Samen im Garten säet und die Pflanzen im Mai oder Juni auf das frisch umgepflügte Land pflanzt. In Boden aber, wo das Unkraut bis im Mai oder Juni noch klein bleibt, ist die Aussaat an Ort und Stelle wieder vorzuziohen. Gewöhnlich hat aber eine Kunkel, welche nicht verpflanzt zu werden braucht, vor einer verpflanzten, was das Wachstum betrifft, den Vorzug; doch aber giebt es Ausnahmen und zu einer solchen zählt der oben erwähnte Fall, welcher sagt: Es ist besser, ehe man aufs Feld säet und die Pflanzen im Grase ersticken lässt, lieber im Garten zu säen und dieselben auf frisches, neues Land zu pflanzen.

Verantwortlicher Redakteur Fiiedr. Huck. Druck und Verlag von J. Frohborger in Erfurt.