Teleplff 773

gp Vereinsorgan mehrerer Handelsgärtner-Verbindui

Telephon 773

Nr. 1.

Expedition: Frankfurt a. M Saalgasse 31. jj ball

Sonntag, den 5. Jannar 1902.

Dia Melonantreiberei.

Das Treiben der Melonen in den Mistbeeten.

(Fortsetzung.)

Nach einigen Tagen untersucht man die Erde, und wenn dieselbe erwärmt ist oder zu dampfen beginnt, wird sie umgestocben. Das UmstecheD muss 2 3mal wiederholt werden, weil dadurch die sich immer wieder ansammeinden Dämpfe abzieben; entziehen viele Dämpfe, so müssen die Kasten gelüftet werden.

Nach ungefähr 8 Tagen sind die Kasten zur Auf­nahme der Melonenpflanzen geeignet; man sticht die Erde noch einmal um, bepflanzt die Beete zunächst mit Salat und lässt nur in der Mitte der Beete den für die Melonen erforderlichen Raum leer.

Man bepflanzt immer nur ein Fenster, damit der ganze Kasten nicht zu lange aufgedeckt bleibt.

Nachdem der Salat in die Kasten gepflanzt ist und die Fenster aufgelegt sind, wird mit dem Pflanzen der Melonen begonnen. Man bringt unter jedes Fenster Dur zwei Pflanzen und macht für diese zunächst die nötbigen Löcher, worauf das Fenster wieder niedergelegt wird. Beim Pflanzen müssen zwei Personen verwendet werden, von denen die eine die Fenster hebt und die andere die Pflanzen aushebt uDd wieder einpflanzt.

Die Fenster werden während des Pflanzens niemals abgenommen, sondern nur in die Höhe gehoben, damit die Kälte nicht eindringt. Das Pflanzen darf Dur in der wärmsten Tageszeit geschehen und man muss immer einen warmen Tag zu dieser Arbeit wähleu.

Bei den späteren Pflanzungen im Frühjahr darf man nicht so peinlich sein.

Nachdem das Pflanzen beendet ist, werden die Kasten gut geschlossen, damit die während der Arbeit verloren gegangene Wärme wieder ersetzt wird, worauf die Pflanzen ungestört weiter wachsen.

Wenn die Melonenpflanzen das dritte Blatt ausser den Keimblättern gemacht haben, werden sie hinter dem­selben eingestutzt, d. h. man schneidet die Spitze der sich bildenden Ranke ab, worauf aus jedem der drei

Blattwinkel ein neuer Spross erscheint, welche 'Nviede&um hinter dem tüntten Blatte abgeschnitten werden'iwuss* worauf erst aus jedem Blattwinkel der drei Ranken die Fruchtrankea erscheinen. Lässt mau die Ranken unge- stutzt wachsen, so setzen sie entweder sehr spät oder gar keine Früchte an.

Die Melone hat in Bezug auf Fruchtansatz merk­würdige Eigenschatten, und wer dieselben nicht kennt, der wird bei der sorgfältigsten Pflege niemals gute Er­folge haben.

Nicht allein der Schnitt, sondern auch das Giessen hat einen wesentlichen Einfluss auf die Fruchtbildung; deün es kommt nicht selten vor, dass die Pflanzen ausser­ordentlich kräftig wachsen und massenhaft Ranken ab­wickeln, aber keine Früchte ansetzeo. Wenn daher dieser Fall eintritt, so muss den Pflanzen jede Nahrung entzogen werden. Man unterlässt das Giessen und Spritzen, und wenn es die Witterung gestattet, nimmt man die Fenster ab. Die Pflanzen werden so lange trocken gehalten, bis sie welk werden. Nachdem die­selben einige Tage welk gewesen, giebt man ihnen wieder einen tüchtigen Guss, worauf sie in kurzer Zeit massen­haft Früchte ansetzen. Ist der Fruchtansatz erfolgt, so wird das überflüssige Holz (wie die Ranken von nun an genannt werden) entfernt, damit die Nahrung mehr den Früchten zugebt.

Manche Melonenzüchter häogen noch immer an dem alten Zopf und behaupten, dass man den Melonenpflanzen, mit wenig Ausnahmen, nur zwei oder höchstens nur drei Früchte lassen darf; ich habe dies nie gethao, sondern habe den Pflanzen grösstenteils alle Früchte, welche sich an denselben entwickelten, gelassen (in der Regel 58) und dabei sehr grosse, schöne und wohlschmeckende Früchte erzielt.

Ich gebe allerdings den Melonenpflanzen viel Nahrung, wie ja schon die Erde und die Unterlage derselben be­weist, giesse sie wöchentlich mit Dungguss und gebe von dem Grundsatz aus, dass man voq einer Pflanze, der man viel giebt, auch viel verlangen kann.