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sein, dass ein weiteres Umsetzen nölhig ist. Der oben angegebenen Erde wird hierbei eia Theil recht kräftige Misterde zugesetzl. Doch darf die Erde nicht fein ge­rieben sein, sondern muss vielmehr recht stückig bleiben, damit das jetzt reichlicher gegebene Wasser leicht den Boden durchzieht. Nach diesem Umsetzen erhalten die Pflanzen einen Platz im Hause, wo sie eine Bodenwärme von circa 20 Grad haben und so frei gestellt werden, dass die Blattentwicklung nicht gehindert wird. Die Luft­temperatur im Hause kann 1825 Grad betragen, und bei schönen Tagen wird etwas gelüftet. Die Pflanzen werden nicht gespritzt, nur Wege und Wände, um eine recht feuchte Luft zu haben; schattiert wird nur bei starker Sonne, denn die Caladien lieben helles Licht.

Die natürliche Vermehrung erfolgt durch kleine Nebenknollen. Diese werden heim Einpflanzen der grösseren Knollen abgenommen und einzeln iu kleine Töpfe gesetzt. Die Behandlung ist wie die der Theil- stücke, nur geht die Entwicklung hierbei schneller vor sieb. Diejenigen Knollen, weiche von den Ntbenknollen belreil sind, werden gleichfalls einzeln in kleine Töpfe gesetzt und im Vermebrungsbeet eingesenkt, surerst wenig, mit fortschreitendem Antrieb aber mehr gegossen, und je nach der Entwicklung verpflanzt und so weit gestellt, dass ein Langwerden (Spindeln) der Blätter fciütritt. Ende April oder Anfang Mai kommen die Ca- ladien auf warme Kästen, die, wenn es sein kann, mit Dünger und Laub gepackt siDd, um eine möglichst lang anhaltende und nicht zu hohe Temperatur zu erzeugen. Sind die Kästen genügend gelüftet und beträgt die Boden- teüiperatur unter 32 Grad Reaumur, können die Caladien hineingestellt werden, natürlich entsprechend weit. Bei aufmerksamer Pflege geht dann die Entwicklung schnell vor sich. Ist die äussere Luitwärme 14 Grad, wird täg­lich von 10 bis 3 Uhr gelüftet während der Nacht ge­deckt. bei starker Sonne leicht schattiert und reichlich gegossen. Gespritzt werden nur die Wandungen der Kästen! Sind die Pflanzen in kräftiger Vegetation, kaDn man mit flüssigem Dünger (aufgekochtem Kuhdüoger) alle fünf bis sechs Tage giessen, wodurch das Wachs­thum bedeutend gefördert wird. So behandelt sind die Pflanzen von Mitte Juni ab versandtfähig.

Zu Cultur* oder Schaupflanzen wähle ich diejenigen Pflanzen aus, welche sich am kräftigsten in der Ent­wicklung zeigen, verpflanze sie fünf- bis sechsmal, aber immer mit grösster Schonung der Wurzeln. Der obere Theil der Erdlage wird abgenommen and durch eine neue ersetzt, auch wird die Erdmischung bei den grösseren Pflanzen entsprechend kräftiger und schwerer genommen. Ich betone hierbei ' noch ganz besonders, dass die Erde recht grobstückig sein muss und die feine Erde möglichst ganz zu entfernen ist. Sehr gute Resultate erziele ich, weno ich der Erdmischung frischen, zu Brei verdünnten Kuhdünger beimischte. Auf solche Weise ersparte ich dann das Giessen mit dem Dungwasser.

Im September, je nachdem man früher oder später mit der Cultur angefangen hat, und je nachdem man die Pflanzen durch Bodenwärme im Wachslhum erhalten bat, fangen dieselben aD, gelbe Blätter zu zeigen. Nun wird weniger gegosseü und bei schönem Wetter stark gelüftet, damit sich die Pflanzen zum Einziehen vorbe- reilen. Nach 4 Uhr nachmittags werden die Kästen ge­schlossen und während der Nacht gut gedeckt. Anfang Oktober fange ich dann an, die Knollen aus den Töpfen zu nehmen und die Wurzeln bis auf einige Centimeter mit scharfem Mssser von den Knollea abzuschneiden. Der noch fleischige Blatistrunk wird 24 Centimeter über der Knolle weggeschmtteD, und diese werden lagen­weise in Kästen oder Töpfe in trockenen Sand einge­schlagen und zwar so, dass die Knollen ganz im Sand hegen, sich nicht gegenseitig berühren und auch nicht

an die Wandungen der Töpfe oder Kästen anstossen. Der Aufbewahrungsplatz für diese eingeschlagenen Knollen ist unter den Heizrohren in der Vermehrung, wo sich eine Temperatur von 1825 Grad Röaumur beständig hält. Auf diese Weise überwintert man ohne Verluste.

Zum Schluss gebe ich noch eine Liste von 25 ganz vorzüglichen SorteD; für welche ich auf der Hamburger Ausstellung die grosse Staatsmedaiile erhielt.

Albo- luteum (Bleu), mittelgrosse, gelblich-weisse Blätter. Baren Adolphe de Rothschild (Bleu), Blätter rosa, mit vielen helleren kleinen und grossen Flecken. Cacapava (Lietze), grosse rahmgelbe Blätter mit breiten rothen Adern. Comte de Germiny (Bleu), Zwergsorte vollständig rot mit goldigem Widerschein und zahlreichen weissen Flecken. D. Neubronner (Lietze), milteigrosse Blätter, weissgelb mit rosa und braun-roth gefleckt und getüpfelt. Faust (Bleu), die lackrothen Lippen, bronze­grün eingefasst, der bronzegrüne Grund rosaweis gefleckt. Gaston Cbandon (Bleu), grosse, cremeweise Blätter, die -oft mit Grün marmoriert sind, eigenartig. Gerard Dow (Bleu) gelbgrüo, fein dunkelroth geader'. die Haupt- rippm nrnmg-karmm. Guaralingueia (Lietze), feurigrotb, mit grünem Rand, auffallend. Ibis Rose (Bleu), ge­drungene Pfl»nze mit rosafarbigen Blättern. I. C. Schmidt (Lietze), dunkelrolh mit Meiallglanz. LAutomne (Bleu), gelblich weis, mattrosa gefleckt. LInsolite (Bleu), gelbgrün mit hell-lachsrotber Mitte und hellen und dunk­leren Flecken. Maria Mitjana (Bleu), lebhaft roth mit regenbogenfarbigem Widerschein. Mad. Imb. Köchlin (Bleu), gelblieh-weis mit grossen, dunkelmennigrothen Flecken. M. Leon Say (Bleu), gelblich-weiss mit grossen, vio'ett - rosarothen Flecken. Michael Büchner (Bleu), goldig-glänzend violettroth. Palmengartendirektor Sieben (Lietze), starkwüchsige Sorte mit dunkelrothen Blättern. Pintado (Lietze), langgestreckte Blätter, gelblich-weiss mit rosa Flecken. Raymond Lemomier (Bleu) karroin- zinoober, mit breiter ctömeweiser Einfassung. Reine de Dänemark (Bleu), zartes Rosa, dunkelgrün genetzt; Rippen karmmroth. Rio de Janeiro (Lietze), grosse, zart-dunkelrosafarbene Mitte, der grüDe Rand ist mit weis eingefassten, perlenartigen rosa Flecken durchsetzt; oft sind die Blätter ganz durchsichtig rosa. Saücbo- nianton (Bleu), leuchtend, lackroth, hellgrüD eingefasst, dunkelgrüner Raod. Souvenir de Dr. Bleu (Bleu), Centrum scharlach, äusserer Umkreis mattgrün, wo beide Farben sich treffeD, netzartig gemischt. Ville de Mul­house (Bleu), grünlich-weiss, granatroth getuscht, mit schmalem, grünen Rand.

(Allg. Oestr. G. Ztg.)

Die der Rosen.

Eine Preisaufgabe der National Rose Society.

Die Tbatsache, dass ein Preis auf eine Arbeit über Rosenbefruchtuog gesetzt worden ist, beweist zur Genüge, dass die grossen Erfolge, welche von bedeutend n Gärt­nern durch die Befruchtung oder Kreuzung der Orchi­deen, osiindisebeo Rhododendren, Chrysanthemen, Nelken* Narcissen, Erbsen, Erdbeeren u. s. w. erreicht worden sind, die Rosenzüchter aufmerksam gemacht haben auf die grossen Erfolge, die durch dieses Verfahren gewonnen werden können, die Rose zu verbessern.

Ohne Zweifel giebt es Gründe, warum die Rosen­züchter dies Verfahren bisher wenig geübt haben; ein besonderer Grund ist wohl der, dass die Mehrzahl unserer erstklassigen Rosen nicht künstlich, sondern zufällig durcq die Hilfe von Insekten gewonnen worden srnd. Ein an-