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Erde oder langem Mist bedeckt werden. Im Frühling entfernt man diese Decke nach und nach, damit sich die im Boden entstandenen Triebe an das Licht und die Luft gewöhnen. An den zurückgeschnittenen Wurzeln entstehen eine Masse Faserwurzeln, und wenn die Pflanze □icht bereits zu alt ist, gedeiht sie gerade so gut oder noch besser als ein Sämlingsstamm. Die meisten, die heute den Waldwildliog wegen seiner Kurzlebigkeit verwerfen, übersehen, dass auch der aus Samen erzogene Rosenwildling keine längere Lebensdauer hat, ja natur- gemäss haben kann. Beobachten wir die Wildrose im Walde etwas genauer, so sehen wir, dass dort aus dem Wurzelstock alle Jahre neue Triebe entstehen, und die älteren im Laufe weniger Jahre zu Grunde geben. Die Rosa eaaiaa ist eben ein wirklicher Strauch, sie bildet eine Art Uebergangsfurm von den Stauden zu den eigentlichen Holzgewächseü. Nabe Verwandte der Rose, die Himbeeren und Brombeeren bilden alljährlich Holztriebe, die im folgenden Jahre Früchte tragen und dann emgehen. Die alljährlich entstehenden Rosentriebe tragen ersi im dritten Jahre Früchte, können aber auch im vierten oder fünften Jahre noch solche bringen, dann aber werden sie von jüngeren, aus dem Wurzelstock entstandenen Trieben überholt, kränkeln und gehen ein. Verwenden wir die Rose nun als Unterlage, so unterdrücken wir sorgfältig jeden Versuch, den die Pflanze macht, sich durch Ausläufer zu erneuern, wir leiten alle Nahruug, welche die Wurzeln aulbringen, künstlich in die edle Krone und können so das Rosenstämmchen, das im Naturzustände höchstens acht Jahre lebt, zehn bis fünfzehn Jahre erhalten; dann ist dessen Kralt erschöpft, und der erste kalte Winter macht seinem Leben ein Ende. Ganz dasselbe Verhältnis besteht aber auch bei den Sämlingsstämmen, und die Behauptung, dieselben wären dauerhafter, ist nicht richtig.
„Illustr. Flora.“
lieber Meltau.
In dem Bericht über Mr. Arthur Pauls Vortrag in der Königl. Gartenbaugesellscbaft über Rosen hört man das alle Klagelied über das Ueberbandnehmen des Meltaues m den letzten Jahren. Aber der Garten von Edge Hail war auch bisher bekannt als die Brutstätte des Meltaues. Von hier aus wurde zuerst die Fleckenkraok- beit der Lilien beschrieben, ebenso 2 oder 3 verschiedene Formen des Meltaues, die früher in England ganz unbekannt waren; ich bedaure, sagen zu müssen, dass dieser Garten noch beute seineu hohen und tadellosen Ruf bei. behalten bat. Was in Gardeners Chronicle an Heilmitteln und Vorbeugungsmassregeln gegen Meltau erschienen ist, ist gründlich dort angewendet worden, aber selten mit Ertolg. Rosen und Rosenkrankheiten werden von so zuverlässigen, erfahrenen und sorgfältigen Leuten behandelt, dass ich davon nur sagen kann: Mein Gärtner hat getunten, die Bespritzung von Veltba Emulsion ist beim Beginn des Meltaues das beste Mittel, das wir bis jetzt haben. Veltba ist ein Gebräu, dass die meisten Händler in zwei Formen verkaufen, als Pulver in der Form von grobem Sande, oder flüssig; dabei wird stets eine Gebrauchsanweisung roitgegeben, so dass ich beide Mittel in ausgedehntem Masse probieren konnte. Aber trotzdem sind in den letzten 3 oder 4 Sommern die Rosen und die Margareten durch Meltau scheusslich vernichtet worden. Der Meltau scheint die Pflanzen ganz äusserlich anzugreifen und tritt zuerst bei grosser Hitze «ul, bei trockenem Wetter im Juli. Die Pflanzen sehen
aus wie mit ganz feinem Mehl bestreut, und wenn das auch nicht tödlich ist, so sehen sie doch schlecht aus, blühen schlecht und verwelken vorzeitig. Ob der Meltau aus der Atmosphäre stammt oder aus dem Boden, das weiss ich nicht. In heissen, trockenen Sommern sehen wir oft die Blätter ganzer Rübenfelder mit einem ganz ähnlichen Pulver bedeckt. Ich habe im letzten Winter alle meine Margareten ausgegraben und jeden Ballen vor dem Versetzen mit einer Lösung von schwefelsaurem Kali durchlränkt, eine halbe Unze auf eine Gallone. Die Oberfläche der Pflanze babe ich mit Velthapulver bestreut; wenn die Pflanzen wuchsen, mit Bordeaux-Brübe begossen. Welches Mittel am besten gewirkt bat, kann ich nicht sagen, aber ich bin den Meltau los geworden. In demjenigen Teile des Garlens aber, der diese Behandlung nicht durcbgemacht hat, besteht er fort.
Eine andere Art Meltau hat meine Schwertlilien und Montbretias-Hybriden vernichtet. Ich wandte mich an einen Fachmann, dem ich Blätter übersandte und erfuhr, dass die Krankheit, so verschieden sie auch aufträte, doch die gleiche sei. Braune, verwitterte Flecken erscheinen auf den Blättern, gewöhnlich in der Mitte, dehnen sich überallhin aus und zerstören die Pflanze, sobald sie den Boden erreichen. Auf Schwertlilien herrscht der Meltau gegenwärtig im ganzen Lande. Mehr oder weniger habe ich ihn in jedem Garten angetroffen, aber in gesunden Gärten schreitet er langsamer vor und scheint nur einen Teil der Pflanzen zu befallen. In Kew und in Holland behandelt man diesen Meltau mit pulverisiertem Kupfervitriol, das man auf die Oberfläche stäubt, diese Behandlung scheint nicht gründlich genug zu sein.
Am allerschlechtesten steht es mit denjenigen HybrideD, die man gewöhnlich deutsche Schwertlilien nennt; drei Viertel dieser Pflanzen grub ich aus und verbrannte sie; den Rest behandelte icb wie die Astern, indem ich Pulver von Kupfervitriol aufstäubte. Der Erfolg war nicht in allen Fällen zufriedenstellend.
Die Montbretias sind leichter zu behandeln. Schwertlilien sind immergrün und die Krankheit scheint in dem Blattgewebe zurückzubleibeh; tiefer scheint sie nicht hinabzusteigen. Taucht man die Pflanzen aber in eine Lösung von scbwefelsaurem Kali und pflanzt sie dann in gesunden, teilweise beschatteten BodeD — volle SoDne scheint die Krankheit zu verschlimmern — so bin ich überzeugt, wird man Herr der Krankheit werden. Aber man lernt nie aus, uüd ich lerne in jedem Sommer etwas Neues in der Kultur dieser schönen Pflanzen; ich für mein Teil l abe sie nie so gut gesehen, wie in diesem Jahre in meinem Garten. Die Regeln tür ihre vorteilhafte Kultur sind nicht zahlreich, sondern einfach, wenn ich auch sehe, dass verschiedene Kollegen in diesem Punkte anderer Ansicht sind, als ich.
Eine andere merkwürdige und verhängsnisvolle Art des Meltaus hat mir einen ganzen Stock einer Saxifraga- Hybride zersiört oder vielmehr wird ibn zerstören.
gez. C. Wolley Dod, Edge Hall, Malpas.
The Gardener’s Chronicle, Okt. 1901.
(Rosen-Zeitung.)
Der Lichtdurst dir Bllithan.
Licht und Wärme sind die Herrscher uDd Ernährer im Reich des Lebens. Von der niedrigsten Pflanze bis zum Menschen wird die Lösung der Frage, wie das einzelne Wesen in seiner Versorgung zu Licht und Wärme gestellt ist, von entscheidender Bedeutung für seine Entwicklung und sein Ergehen. Die meisten Thiere haben vermöge ihrer Bewegungsfreiheit die Fähigkeit, das Licht
