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die Beurtheiler dieses zu einer Ungeduld hinzureissen. — Id der Hauptsache bei den gegenwärtigen gärtnerischen Bauten käme vor allem das nöthige, passendste und doch weniger teure Material zur Geltung. Grosse Veränderungen bezw. Verbesserungen nehmen wir wahr in der Glasbedeckung, in Lüftung und Schattierungsvorrichtungen, iD Art und Weise der Bauart gegen früher, sowie ganz besonders im Heizungswesen. Darüber kann der einzelne Gewerbetreibende weniger urtheilen, und ist dieses auch mehr die Sache eines Fachmannes (in diesem Falle eines Gartenbautechnikers), sich in Erörterung genannter Punkte einzulassen. Nur das Eine möchte ich noch hinzufügeD, dass unsre neueren Kulturanlagen mit Vorliebe an sonnig gelegenen Abhängen plaziert werden, soviel ich schon bemerken konnte. Obwohl in einer, an einem Abbange gelegenen Gärtnerei auch Nachtheile zu finden sind, so werden solche doch wieder durch die Vortbeile, die sieb schon durch die Lage ergeben, wieder aufgewogen. Die Spezialisierung von Häuseibauten, für Schnittblumengewäcbse wie Rosen, Nelken u. s. w. wird auch hinlänglich bekannt sein. Selbst die inneren Einrichtungen wurden in hohem Grade verbessert, was wir hauptsächlich in ausgedehnteren Schnittblumengeschäften bemerken könuen. ich verweise hier auf die noch nicht allzulange eingelührten Bankbeete, Stellagenbauten, Drai- nierungsvorriebtungen u. dgl. mehr.
Was ich bei der Schnittblumenkultur im freien Lande bemerkte, ist auch hier zumtbeil bei der Kultur unter Glas massgebend, leb meine hiermit die Vorbereitungen, die getroffen werden müssen, um günsiige Aussichten und Resultate bei einer gewerbsmässigen Aus- nutzuDgsweise möglichst sicher zu stellen.
Wenn eine Vorbereitung zu allen Kulturen eine Bedingung ist, so ist eme solche wotil kaum irgendwo nothwendiger. als eben bei der Schnittblumenkultur unter Glas, oder aoeh näher bezeichnet, bei der Treiberei. Jeder, der schon einigermassen sich mit diesem Zweige befasste, weiss sehr wohl zu beurtheilen, wie sehr eine angemessene Vorbereitung das Ergebniss des Produktionsprozesses begünstigt, und selbst zuweilen ganz davon abhängig sein kann. Auch die gärtnerische Zeitrechnung darf nicht unerörten bleiben. Der rechnende, geschäftige Praktiker hat danach zu trachten, seine Waare zu einer Zeit abzusetzen, wo solche noch die höchsten Preise erzielt, aber nicht, wenn jeder andere mit derselben Waare auf dem Markte erscheint und um jeden annehmbaren Preis seine Artikel los sein will.
(Allg. D. G.-Ztg.)
(Schluss folgt.)
Einige neuere und erprobte, meist englische Rosentreibsorten,
Clio (W. Paul & Son 1895). Eine sehr grossblumige, schön gebaute Blume mit länglicher, zugespitzter Knospe. Die Farbe ist weisslich fluischrosa mit zart nelkenrosa Mitte. Im Freien nur wenig remontierend, dabei- keine Gruppensorte oder eine Rose für den Rosenfreund, jedoch, sogar ziemlich früh getrieben, an jedem Triebe KnospeD ansetzend, die, da sie lange Stiele bilden und die Blumen wohlriechend sind, den Vorzug vor Capt. Chrisly verdienen. Leider ist die Bedornung, wie bei Testout, ziemlich stark. Die Pflanze verzweigt sich bei zweijähriger Kultur im Freien nur mässig und ein
Pincieren ist durchaus nothwendig. Die Triebe sind lang und stark.
Marchiouess of Londonderry (Dickson & Sons 1894.) Die sehr grosse und dicht gefüllte, schön gebaute Blume ist fa3t weiss. Diese Sorte ist, wo es darauf ankommt, Schaustücke in der nicht zu frühen Treiberei zu erzeugen, nicht hoch genug zu schätzen. Die Triebe sind stark und wenig bedornt. Die junge Pflanze ist jeloch bei zweijähriger Kultur nicht mehr zum VerzweigeD geneigt, darum ist Pincieren und Veredlen auf starke Unterlagen nothwendig.
Im Freien während der Blüthe sehr effektvoll, da ein kräftiger Strauch ziemlich viele, auf festen Stielen aufrecht stehende Blumen liefert, remontieri aber sehr
Pauls Early blush (Paul & Son 1894), gross und dicht gefüllt, schön gebaut, sehr zart fleischfarbig. Getrieben sicher Knospen ansetzend, und in dieser Farbe eine der feinsten Treibsorlen für Schnitt- und Topfverkauf. Die Sorte muss jedoch auf starke Unterlagen veredelt werden, um zur Einpflanzung in Töpfe bei zweijähriger Kultur starke Pflanzen zu erzielen. Im Freien sehr gut remontiereud, doch reichen Boden verlangend.
Mrs. R. G. Sharman Crawford (Dickson 1895), gross und dicht gefüllt, herrlich nelkenrosa mit silberigem Widerschein. Getrieben sicher Knospen ansetzend, und da sich die Blumen gut aufrecht tragen uad sehr haltbar sind, besonders zum Topfverkauf geeignet. Die Blume ist bedeutend edler als Baronne de Rothschild. Verlangt im Freien gute Kultur und nahrhaften Boden. Sehr gut remontierend und gleichmässig im Wuchs.
Mrs. F. W. Sanford (Sanford 1899), eine als weisser Sport von Mrs. J. Laing in deD Handel gebrachte Sorte, die jedoch fleischfarbig, sogar oft fast mattrosa ist, getrieben, jedoch meist blässer. Der Wuchs ist schwächer als der der Stammform, aber ebenso leicht zu treiben wie diese. Wo viele belle langgestielte Rosen gebraucht werden, sehr zu empfehlen. Mrs. J. Laing ist hier zweijährig aus dem Lande eine der am meisten gezogenen und verkauften Sorten, woraus hervorgeht, dass sin in den meisten Gegenden als Treibsorte hochgeschätzt wird. Hier am Platze werden jedoch getriebene Blumen von den Blumenhändlern nicht immer gern gekauft, während sie von Ende September an eine der wenigen Sorten ist, die viel langgestielte Blumen liefern und die leicht Absatz finden.
Helen Keller (Dickson 1896); gross und dicht gefüllt, prächtig rosenrot. Von dieser Sorte bilden starke Pflanzen in Töpfen infolge ihres regelmässigen Knospenansatzes und Wuchses prächtige Verkaufsstücke, da sie sich infolge der starken Füllung auch sehr lange halten. Auch diese Sorte muss auf starke Unterlagen veredelt werden, um zweijährige hinreichend starke Pflanzen zur Topfkultur zu geben. Auch hoch- und balbstämmig veredelt, lassen die zweijährigen Kronen oft an Stärke zu wünscheu übrig. Gut remontierend.
Mad. de Wettstein und Paul Delamailleray verdienen noch zu den rothen Treibsorten hinzugefügt zu werden. Erstere des straffen aufrechten Wuchses und der grossen Haltbarkeit der Blume halber, schöne gedrungene Pflanzen bildend, die gut ansetzen und Farne halten.
Diese angeführten Sorten gehören sämmtlicb der Gattung hybrida bilera an und werden getrieben und im Freien wenig vom Schimmelpilz befallen.
H. Raue, Strehlen.
(Rosen-Zeitung.)
