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Die durch die Regenwürmer hervorgeheode Verbesserung der Aecker erstreckt sich nicht allein auf das Gartenland und auf den Feldacker, sondern auch in Wäldern und Büschen wird die Nützlichkeit anerkannt, indem durch das Vorhandensein der Verwesungsprozess der Waldstreu befördert und die Humusbiidung begünstigt wird. Durch diesen Vorgang wird der Wald- boden mit Nährstoffen gesättigt und trägt somit wesentlich zu einer kräftigen Bewurzelung und Bestockung der jungen Siämmlioge, namentlich den Kulturen in Pflanzen- schulen, viel bei.
Obgleich die Regenwürmer keineswegs schädlich sind, noch an Pflanzen und Saaten Schädigungen erzeugen, so werden sie vielfach in Frühbeeten und in Blumentöpfen für lästig erachtet, besonders, weno sie in grossen Mengen auftreten. Will man die Regenwürmer von diesen Stellen vertreiben, so genügt es, wenn man den Blumentopf, das Frühbeet oder eine andere Garten- fläche unter Wasser setzt. Sobald nämlich die Erde hinreichend mit Wasser gesättigt ist und das Eindringen der Luft versperrt, steigen die Regenwürmer an die Oberfläche, da sie ohne Luft nicht leben können. Auf diesen ganz natürlichen Vorgang beruht auch die Erscheinung, dass nach einem längeren Regen, der die Erde vollauf mit Wasser sättigt, Unmengen von Regenwürmern an die Oberfläche kommen. Fällt nach längerer Trockenheit ein heftiger, langanhaltender Regen, so kann man auf Wegen und Stegen Tausende von Regenwürmern wahrnehmeu, die vom Wasser an die Oberfläche getrieben wurden und hier den Hühnern und anderen Vögeln zur Nahrung dienen. %
Früher hatte man angenommen, — es habe Regenwürmer geregaet, — wenn sich nach einem heftigen Regen Unmengen dieser Würmer auf der Oberfläche zeigten. Auf den, auf die Regenwiirmer einwibkenden Vorgang der Nässe, beruht ferner die Erscheinung, dass auf nassen Aeckern und sumpfigen Wiesen keine Würmer vorhanden sind, da ihnen die stete Nässe den Aufenthalt verleidet. Derartige Aeeker geben geringe Erträge, da in Folge Fehlens der erforderlichen Kanäle die atmosphärische Luft nicht in die Tiefe eindtingen kann, worauf meist ein Versumpfen dieser Ackerstellen eiotritt.
Will man ein Gartenbeet von diesen Würmern befreien, ohne es unter Wasser zu setzen, so streue man beim Umgraben eine Kleinigkeit Kochsalz aus, worauf jeder betroffene Wurm eingeht. Statt Kochsalz kann auch Salzwasser verwendet werden, welches mittels der Giesskanne auf das ganze Gartenbeet gegossen wird.
Schliesslich sei bemerkt, dass die Regenwürmer nur in der Erde leben und sich mit Anbeginn des Winters bis 2 m Tiete zurückzieheD, spiralförmig zusammenrollen und in einen langen Winterschlaf verfallen. Die Frühlingssonne weckt den Wurm aus seinem Schlaf, worauf er sich nach der Oberfläche emporarbeitet.
Oil modsrna Sciinittbluminldiltur und ihre Rentabilität.
(Schluss.)
II Theil.
Den bisher angeführten Erörterungen über die Rentabilität der Scbnittblumenkultur schliesst sich, inbezug auf ihre Wichtigkeit, die „Blumenernte“ in direkter Weise an. Es ist keineswegs gleicbgiltig, wenn, wie und von resp, durch wen unsre zu luxuriösen Zwecken bestimmten Blumen geschnitten werden.
Wir haben solche zu unterscheiden, die volle Aus- 4 bildung zu ihrem nutzbaren Schnitt verlangen, — also o totale Entfaltung ihrer Blumen zeigen müssen. Andere i wieder beanspruchen, kurz vor dem Aufbrechen der P Knospen oder mit halboffenen Blumen geschnitten zu j werden. An ersteren, die mit voll ausgebildeten Blumen I geschnitten werden sollen, sind zu aennen z. B.t Camellien, Orchideen, Nelken, Lilien, Myosolis, die meisten Sommer- - blumen u. dgl. mehr. Von denen, die mit balbausge- ; bildeten oder als aulbrechende Blumen geschnitten L werden müssen, führe ich als Beispiele an: Tulpen, i Narzissen, Bouvardien, viele Rosensorlen, als auch die t Seerosen (Nymphaeen), die ich in meiner ersten Ab- i handiung der Schaittblumen vergessen habe zu erwähnen, \ weswegen ich sie an dieser Stelle nacbhole. ;
Das Schneiden der Blumen erfordert, trotzdem es : als eine einfache Handlungsweise erscheint, Sorgfalt und i Geschicklichkeit. Die Erfahrung ist auch hier wieder 1 ein praktischer Lehrmeister. Die beste Zeit zur Ver- n ricbtung dieser Arbeit ist der frühe Morgen. Einestheils i] schon aus dem Grunde, weil sie sich zu dieser Zeit in !' strotzender Frische, also in bestem Zustande befinden : ,i, und anderseits während der Morgenstunden geschnittene [j Blumen aus ebengenannter Ursache längere Haltbarkeit y und Ausdauer aufweisen als etwa solche, die um die ]> Mittagsstunden geschnitten wurden. p
Nicht zu unterschätzea ist die Behandlung von ge- scbnittenen Blumen inbetreff ihrer Aufbewahrung; zu- ’
weilen kann es Vorkommen, dass schon bestelltes j Blumenmaterial einige Zeit, vielleicht nur wenige Stunden ]; oder, was auch öfters vorkommt, gar einige Tage lagern : muss, ehe es zur passenden Verwerthuug gelangt. Bei | grösseren Betrieben wird ein geeigneter Blumenkeller zur r Benutzung kommen, wogegen in weniger grossen oder j! kleineren Geschäften em passender Eiskasteo dieselben |
Dienste leisten kann. "
Wir müssen auch die verschiedenen Eigenschaften der geschnittenen Blumen, soweit es sich um ihre Empfindlichkeit handelt, ins Auge fassen. Die einen verlangen oder können eine stärkere Wasserbestäubung ertragen, wogegen sich wieder andere mit nur feuchter und kühler Lage begnügen und sogar Anspruch auf Schonung bezw. Benützung des Wasserzuführens erheben, um eine Benachteiligung der empfindlicheren Blumenfärbungen zu vermeiden. Unter den letztgenannten sind hauptsächlich Blumen mit matteren oder reinweissen Farhenlönen zu vermerken, wie weisse Rosen, Gardenien usw> — Künstliche, sogen, chemische Zusammensetzungen oder ErfrischungsmiUel, sind trotz ihres hohen Preises total zu verwerfen, da sie, genau genommen, zwecklos sind und vorteilhafter mit frischem, reinem Wasser und feuchtem Moos ersetzt werden können. Für langstieligere Blumen sind eigens zu diesem Zweck verfertigte Wasserbehälter zu benutzea, wie solche ia schon existierenden, grösseren Schnittblumengeschäften angetroffen werden.
Zusammenhängend mit der Behandlung und Aufbe- , Währung unsrer Scbnittblumen kann die Verpackung ! und Versandweise derselben besprochen werden. Sowohl die Verpackung, als auch die Versandweise hängt von dem Belieben des Bestellers, und auch von der Güte und Beschaffenheit, sowie Haltbarkeit der Blumen in geschnittenem Zustande ab. Wogegen sich die einen mit einer einfacheren Versandweise begnügen, erfordern die andern, mehr empfindlicheren, mehr Sorgfalt bei der Verpackung selbst und, was das zur Verwendung gelangende Verpackungsmaterial anbetrifft, ziemlich an- ' spruchsvoll sein können. Das zu verwendende Material I und die Art und Weise der Verpackung kann man dem {
