1886 No . 511
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Hauptschuld tragen allerdings an diesem
Umstände die deutschen Handelsgärtner ,
die da glauben , dass es bei einer Rosen¬
sendung nach Uebersee gar nicht darauf
ankommen könne , dass die Rosen richtige
Namen tragen . Ich habe bis jetzt un¬
gefähr 20 verschiedene Rosenarten aus
Deutschland kommen lassen , aber die¬
selben waren mit nur wenigen Ausnahmen
sämmtlich falsch bezeichnet . Und als
ich eine Partie schönbewurzelter Steck¬
lingspflanzen zu guten Preisen verkauft
hatte , und als meine Kunden sahen , dass
sie anders blühten , als ich angegeben ,
da war mein ganzer Rosenhandel für
immer verdorben , ich wurde die Pflan¬
zen nicht mehr los und obendrein lachte
man mich auch noch aus , weil sich
Sorten darunter befanden , die schon
vorhanden waren . Damit verging mir
natürlich die Lust zum weiteren Rosen¬
handel und ich habe seitdem auch nicht
eine einzige Rose mehr aus Deutsch¬
land bestellt .
Eigentümlich bleibt es , dass es bis
jetzt trotz mehrfacher Versuche noch
nicht hat gelingen wollen , Moosrosen
hier einzubürgern . Dieselben kränkeln
unausgesetzt , auch dann , wenn sie in
kerngesunden , gutbewurzelten Exem¬
plaren eingeführt wurden . Sie bilden
nur wenige Wurzeln , die vorhandenen
Augen bleiben , wie man zu sagen pflegt ,
sitzen , oder sie bringen nur verkrüppelte
Triebe mit elenden Blättern zum Vor¬
schein , bis sie nach kurzer Zeit gänzlich
zu Grunde gehen .
Ausserordentlich häufig und in man¬
nigfachen Formen treten durchwachsene
Rosen auf . Man findet deren oft eine
grössere Anzahl auf einem Strauche ,
was dann demselben ein recht hässliches
Ansehen giebt . Jedenfalls befindet sich
darunter viel werthvolles Material zu
pflanzenphysiologischen Untersuchungen .
Hat sich erst einmal in unserer Ko¬
lonie ein allseitig erfahrener Gärtner
mit genügendem Betriebskapital nieder¬
gelassen , was ja doch nur eine Frage
der Zeit ist , so wird derselbe , wenn er
die nöthige Intelligenz und die gehörige
Uebersicht in seinem Fache mitbringt ,
sicherlich auf den Gedanken kommen ,
Rosenkultur als Spezialität zu treiben
und sich namentlich mit der Züchtung
neuer Rosensorten zu befassen . Die
Befruchtung der Rosen geht hier spielend
vor sich . Die Samen keimen unter dem
belebenden Einfluss der feuchtwarmen
Witterung ungleich leichter als in Europa ,
die Sämlinge blühen schon am Ende des
ersten Jahres und die Vermehrung ist
geradezu ein Kinderspiel . Dazu kommt ,
dass tatsächlich die Blüthen edler Rosen
hier eine grössere Vollkommenheit er¬
reichen , als in Deutschland . Es würde
bei solch einer Rosenkultur nur darauf
ankommen , dass man die zu Samen¬
trägern ausersehenen Pflanzen unter
Dach kultivirte , damit dieselben von den
häufigen Regengüssen nicht zu leiden
haben . Das wäre das einzige Hülfs -
mittel , welches dazu nöthig sein würde .
Jedenfalls bin ich der Ueberzeugung ,
dass sich mit der Zeit ein lohnendes
Geschäft daraus entwickeln würde , denn
unsere grossen brasilianischen Städte sind
Hut zahlende Absatzgebiete für derlei
Sachen und es ist bedauerlich , dass sich
der Unternehmungsgeist deutscher Han¬
delsgärtner nicht längst schon in diesen
Gebieten fortgesetzt hat . Der Brasilianer
zahlt für Gegenstände seiner Liebhaberei
ohne Zaudern den höchsten Preis , weil
er der Meinung ist , dass immer nur das
Theuerste das Beste sei .
Gross ist im Uebrigen der Mangel
an Sträuchern in den hiesigen Gärten ,
obwohl hier alle jene zumTheil so pracht¬
vollen Straucharten sehr gut gediehen ,
welche man in Deutschland unter einer
Schutzdecke überwintern muss . Man
findet : Azalea indica , sehr selten und
nur in einer hellrothen und in einer
dunkelrothen Farbe vertreten , Dentzia
in einigen älteren Sorten , Evonymus
japonica , Laurus tinus , Phüadelphus
corouarius , Salix in einigen ganz ge¬
wöhnlichen Sorten , Sambucus nigra ,
Spiraea callosa fl . albo , Tamarix afri -
cana ( kommt nie zur Blüthe ) , VVeigelia
in einigen ganz alten Sorten , Hedera
helix , Magnolia acumiuaia , einige ganz
alte , einfach blühende Camellien , ganz
gewöhnliche Abutilon , Erica , Hibiscus
syriarun in etwa fünf verschiedenen Ab¬
arten , Ledum latifolium , ( ttyi ine chinen -
sis . Celastrusscandcns , Bongainvillcaspec -