614 Sprechsaal . — Personalien . [ Deutsche Garten - Zeitung .
für Guben höchstwichtige Frage : Welche
Sorten liefern den wohlschmeckendsten
Apfelwein ? Die Versammlung ist derselben
Ansicht wie die meisten dortigen Redner ,
dass über die einzelnen Sorten noch zu
wenig Erfahrungen vorlägen , weil auch
hier der beste und zugleich der billigste
Apfelwein durch Mischung aller als Tafel¬
äpfel oder zur Ausfuhr sich nicht eignen¬
den Sorten gewonnnen werde . Eine Her¬
stellung von Wein aus einer der dort
genannten Sorten sei zu theuer und nur
in kleinen Mengen von Liebhabern zu ver¬
suchen . Nur durch die Pressung solcher
Aepfel , welche schwer verkäuflich seien , sei
es möglich , solche unansehnlichen Früchte ,
die in reichen Obstjahren bekanntlich mas¬
senhaft gewonnen werden und beinahe
werthlos sind , mit genügendem Nutzen
noch zu verwerthen , deshalb sei die Obst¬
weinbereitung zur Hebung des Obstbaues
unentbehrlich . Ferner wurde in den Ver¬
sammlungen vielfach des Speierlings ( Sor -
bus domestica ) als eines den Obstwein ver¬
bessernden Mittels gedacht . Da dieser Baum
hier gänzlich unbekannt , so soll derselbe
hier auf seine Fruchtbarkeit geprüft wer¬
den und beschliesst die Versammlung , 5
solche Bäume aus der Muskauer Baum¬
schule , welche diese Sorte im Katalog
aufführt , anzukaufen und durch das Loos
im Verein zu vertheilen . Zum Schluss
theilt der Vorsitzende mit , dass nach einer
amtlichen Mittheilung der hiesigen Güter¬
expedition in diesem obstarmen Jahre
dennoch 390088 kg oder 7801 Ctr .
Obst ( Kirschen , Pflaumen , Frühbirnen )
während der 4 Monate Juni bis einschl .
September zum Versandt gelangt sind .
Da die Händler reichlich den 3 . Theil
als Passagiergut ausgeführt haben , so kann
das gesammte von Guben verfrachtete
Obstquantum auf 10000 Ctr . geschätzt
werden .
Sprechsaal .
Beantwortung der Frage 26 Seite 578
dieser Zeitung . Bei 8 tägigem Mähen des
Gartenrasens kostet der Hektar
a ) mit der Maschine zu mähen 18, — Mk .
b ) , „ Sense „ „ 31, — „
bei i4tägigem Mähen m . d . Sense 37,75 „
In beiden Fällen ist das gewonnene
Gras nur für den Komposthaufen zu ver¬
wenden , da es zur Fütterung für das Vieh
nicht gekauft wird . Das Tagelohn bei a )
berechnet sich für den Mann , welcher
mäht , auf 2,50 Mk . pro Tag , für die Frau ,
welche das Gras abharkt und fortschafft ,
auf 1,25 Mk . Bei b ) gelten dieselben Sätze ,
nur erhält der Mann für Vorhalten der
Sense , der Streichriemen und des Klep -
zuges 0,20 Mk . pro Tag vergütet .
Wird der Rasen nur 2 oder 3 Mal ge¬
schnitten , so werden für jeden Schnitt 10 Mk .
pro Hektar für das Mähen und eben so viel ,
also 10 Mk . für Heuen ( Abtrocknen und
Aufladen ) gezahlt .
Nur der zweimalige Schnitt liefert eine
wirklich ertragreiche Ernte ; bei dreimali¬
gem Schnitt stellt sich die Einnahme auf
' / , bis mehr geringer als bei zweimaligem .
Die Erträge wie Einnahmen sind sehr
schwankend . Die Erträge sind abhängig
von den dicht oder weniger dicht bestan¬
denen Rasenflächen , und von der Wahl
der Rasenmischung , von der Behandlung
des Rasens , also dem Düngen , Eggen ,
Walzen , dem Grad der Feuchtigkeit etc .
Man kann bei guten Rasenflächen 40 —
60 Ctr . pro Morgen , ja selbst bis 80 Ctr .
Ertrag rechnen , also für den Hektar 160
— 240 — 320 Ctr . Wie die Erträge , so diffe -
riren auch die Einnahmen . Bei direktem
Verkauf des Heus schwankte der Centner
zwischen 2 und 3 Mk . Bei Vergebung
des Grases auf dem Halm , wo also der
Käufer selber zu mähen und zu heuen
hat , werden hier in Berlin etwa 100 Mk . ,
auch weniger , selten mehr für den Hektar
pro Schnitt erzielt . Carl Hampel .
Personalien .
Der Kgl . Hofgarten - Direktor Jühlke ,
Potsdam , ist von einem schmerzlichen Ver¬
luste betroffen worden . Sein einziger Sohn ,
Dr . Carl Jühlke , der im Dienste des
Vaterlandes in Ostafrika thätig war , ist ,
wie durch die politischen Zeitungen bereits
bekannt , daselbst ermordet worden . —
Auch die Vereinigten Ausschüsse für Ge¬
hölz - und Obstzucht , welche gerade tagten ,
als die Nachricht sich bestätigte , sandten
dem schwer gebeugten Vater ein inniges
Beileidschreiben .
ErnstVirchow,der bisher in der Flora
bei Köln thätig war , hat sich mit Herrn
Deus vereinigt und eine Gärtnerei unter
der Firma Deus & Virchow in Rastede
( Oldenburg ) begründet .
Herr J . C . Beyrodt ist nach freund¬
schaftlichem Uebereinkommen aus der
Firma J . C . Schmidt in Erfurt , deren
Pflanzenkulturen er bisher geleitet hat ,
ausgeschieden .