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Botanischer Verein für Gesamtthüringen.
zahl Blüten eine eigentümliche Bildung zeigte. Besonders die Lippe war anormal gestaltet, näherte sich der Form der übrigen Perigon- blütter und entbehrte meistenteils des Spornes. Aufserdem 0 Achse waren in denselben Blüten 2—3 StaubgefäTse ausgebildet.
Es ist nicht zu bezweifeln, dafs man es hier mit einem im Pflanzenreich so selten vorkommenden Falle von Atavismus zu thun hat, und zwar läfst sich derselbe folgendermafsen erklären.
Vergegenwärtige man sich die Ableitung des Diagramms der Orchideenblüte aus dem der Liliaceenblüte. Letztere besteht aus 5 dreigliederigen Kreisen. Die beiden äufseren sind die Pe- rigonblätter, die beiden nächsten die Stamina, der innerste das Pistill. Die einzelnen Elemente der auf einander folgenden Kreise Deckblatt alternieren. Die Blüte steht zwischen der Achse und dem Deckblatt, und zwar so, dafs 2 Blätter des äufseren' Perigonkreises seitlich, das dritte zwischen Achse und Deckblatt, dicht vor dem letzteren steht.
Aus dieser Blüte leitet sich die der Orchideen bekanntlich dadurch ab, dafs man sich die Liliaceenblüte um 180° zwischen Achse und Deckblatt drehen läfst. Dann bilden das dritte Blatt des äufseren Perigonkreises , sowie die beiden ihm zunächst stehenden des inneren Kreises den oberen Teil, die beiden ersten Blätter des äufseren Kreises die Seitenteile des Helmes; das übrige dritte Blatt des inneren Kreises wird zur Lippe (mit dem Sporn).
Von den Staubgefäfsen ist nur ein einziges erhalten geblieben, nämlich dasjenige des äufseren Staminakreises, welches mit dem dritten Blatt des äufseren Perigonkreises alterniert. Von den beiden seitlich davon stehenden lassen sich noch Spuren erkennen, die übrigen sind völlig reduziert.
Aus dem Gesagten erklärt sich die Abnormität der in Rede stehenden Pflanze. Sie ist in ein früheres Stadium zurückgeschlagen, welches ihre Voreltern bei ihrer Entwickelung durchlaufen haben. Die 6 Perigonblätter sind ziemlich gleichmäfsig gebildet, wenn auch immerhin die Blüte noch bilateral symmetrisch ist; von den Staubgefäfsen sind aufser dem in normalen Blüten vorhandenen noch die beiden (oder eines der beiden) ihm zunächst stehenden des inneren Kreises der Stamina ausgebildet. Es sind dies diejenigen, welche in der phylogenetischen Entwickelung der Orchideen noch am längsten erhalten blieben
