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Botanischer Verein für Gesamtthüringen.

deren Produtte schliefslich fruchtbar werden und als Varietäten er­scheinen. Unzweifelhafte Verbindungen der genannten beiden Arten, also C. Jacea >< nigrescens, beobachtete ich an Wald- und Wiesen­rändern bei der Fröhlichen Wiederkunft. Während bei C. nigrescens die Hüllschuppen einander dicht decken und regelmäfsig kammförmig gefranst und gewimpert sind, erscheinen dieselben beim Bastard von sehr unregelmäfsiger Gestalt. Die untersten sind meist deutlich, aber weit kürzer kammförmig gefranst; die Fransen hängen oft noch zu mehreren zusammen oder sind unregelmäfsig tief eingeschnitten; die mittleren sind noch weniger tief eingeschnitten und zeigen an man­chen Stellen nur gezähnte Eänder; die oberen sind nur sehr unregel­mäfsig mehr oder weniger breit geschlitzt. Die rauhen Erhöhungen, mit denen Stengel und Blätter bei C. nigrescens besetzt sind und die sie leicht von den Formen der C. Jacea unterscheiden lassen, sind bei dieser Verbindung in einem weit schwächeren Grade vorhanden; auch sind die Blätter schmäler und kürzer und weniger schlaff als bei C. nigrescens; die Samen sind sämtlich steril.

Weit näher an C. nigrescens W. stehende Formen beobachtete ich auf Luzerneklee-Feldern am Ettersberg und etwas abweichende auf ebensolchen bei Tiefurt in Gesellschaft der Altern. Auf Feldern bei uns eingeschleppte C. nigrescens hat im Vergleich zu der südeuropäi- schen Pflanze meist gröfsere Blütenköpfe mit hellbraunen Kelchschup­pen. Jedenfalls bezieht sich C. decipiens Thuill. Fl. Par. auf C. nigrescens Willd., die ich in der Umgebung von Paris häufig be­obachtete , z. B. bei St. Germain en Laie, welche letztere aber von Thuill. nicht erwähnt wird und also jedenfalls unter seiner C. decipiens mit verstanden ist. Von einigen Floristen wird C. pratensis Thuil. mit C. nigrescens Willd. verwechselt, z. B. von Prantl in seiner Ex- curs. flora v. Baiern (1884). Da aber Thuill. den Samen seiner Ptianzo ausdrücklich einen schwärzlichen Pappus zuschreibt und er dieselbe nur als wahrscheinliche Varietät der C. nigra ansah, so ist die Iden­tifizierung mit der haarschopflosen C. nigrescens W. nicht angebracht. Nach von mir in der Flora v. Paris gesammelten Exemplaren halte ich Thuilliers C. pratensis vielmehr für eine C. Jacea X nigra, während die C. decipiens der deutschen Floristen wohl zum gröfsten Teil sich auf Formen der C. Jacea X nigrescens bezieht.

Eine weit auffallendere Verbindung beobachtete ich an Bahndäm­men zwischen Weimar und Kromsdorf. An denselben hatte sich C. sol- stitialis in grofser Menge angesiedelt und sich Jahre laug daselbst er­halten. Zu meiner Überraschung fand ich nach einigen Jahren Exem­plare einer Pflanze darunter, die sich von weitem schon durch die eigentümliche Blütenfarbe und den abweichenden Habitus kenntlich machten. Bei näherer Untersuchung war es nicht schwer, in ihr eine C. Jacea >< solstitialis zu erkennen.

Aus der perennierenden Wurzel erheben sich zahlreiche, an der Basis niederliegende Stengel mit zahlreichen, reichlich mit Blüten ver­sehene Zweige. Stengel und Blätter sind mit einem weifslichen, spin­newebigen Filz überzogen, der im Vergleich mit C. solstitialis kürzer