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A. Merensky,

und ebensowenig durften wir die nötige Wäsche und Kleidungsstücke zum Wechseln vergessen; auch nahmen wir unsere Revolver und außer unseren Gewehren auch noch einige andere Mausergewehre mit. Unsere Sachen waren in wasserdichten Blechkoffern untergebracht, und uns selbst schützten Schirme und Regenmäntel vor den täglich drohenden und fallenden Regengüssen. Vier unserer ältesten Arbeiter bildeten unsere Leibgarde, außerdem gingen 15 Leute Makatungilas als Träger mit unter der Führung Mampikis, des Bruders von Ma- katungila; letzterer begleitete uns mit mehreren seiner Freunde bis zur oberen Furt des Lufira, Stunde weit. Von dort stiegen

wir am Ostabhange des K i r y o - Berges aufwärts. Der Regen war nicht so stark, daß er unsere Freude an der schönen Gebirgsland­schaft hätte stören können. Ganz besonders malerisch lag ein Dörf­lein in einer Höhe von etwa 5000 Fuß, welches an europäische Ort­schaften erinnerte. Die niedlichen Ställe und Häuser waren noch nicht von Bananen verdeckt. Zum nicht geringen Erstaunen der Eingeborenen nahmen wir hier den Kochthermometer aus seinem Futteral und brachten den Apparat in Gang. Mit stummem Ent­setzen sah man uns zu, denn man glaubte, daß wir irgendwelche Zauberkünste trieben. Weiter ging es durch tiefe Schluchten bis zu dem Dorfe des Häuptlings Makascara, wo wir das Zelt auf­schlugen, um die Nacht über zu bleiben.

Hier hatte man noch niemals einen Weißen gesehen, deshalb waren das Zelt und sein Inhalt, wir selbst und alles, was wir thaten, ebenso interessant für die Leute, als für uns das Thun und Treiben von Sulus und Eskimos ist, die man in Europa den Schaulustigen vorführt. Vor dem Zelt stand ein Haufe von Neugierigen, welcher immer wieder neuen Zuzug erhielt von einer großen Gesellschaft, die das Ereignis in unmittelbarer Nähe, beim Schall einer großen Pauke mit Sang und Klang feierte. Leider zeigten sich die Leutlein diebisch; die Hinterviertel eines von uns geschlachteten Bockes wurden von dem Baume gestohlen, wo sie aufgehängt waren; ein Sperrholz der Hängematte wurde fortgeschleppt, und unseren Leuten wurde ein Speer und am Morgen von einem Manne, der sie anscheinend freundlich begleitet hatte, eine Hacke entwendet, die bestimmt war, in Mereres Land verkauft zu werden.

Am 30. Dezember brachen wir früh auf; um der Regen willen, welche fast regelmäßig um die Mittagszeit einsetzten, hielten wir die Ordnung auf der ganzen Reise fest, schon um 6 oder 7 Uhr den Marsch zu beginnen und nach einer einmaligen, längeren Unter­brechung um 2 oder 3 Uhr nachmittags das Lager zu beziehen. Früh tranken wir Kaffee und aßen etwas Zwieback oder Brei; um 10 Uhr ließen wir Fleisch braten, wenn es thunlich war, und am Nachmittage fand die Hauptmahlzeit statt. Es zeigte sich, daß wir sehr gut daran gethan hatten, die Bettrahmen mitzunehmen. War das Zelt aufgeschlagen, so konnten wir uns bald auf trockenem Lager in der nötigen Höhe über dem durchnäßten Erdboden ausstrecken und die durch das anhaltende Bergsteigen ermüdeten Glieder aus-