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Berlin.

3eilage.

Wochenschrift

f ii r

Gärtnerei und Pflanzenkunde.

Professor Dr. Karl Koch,

General-Sekretair des Vereins zur Beforri. (I. Gartenbaues in den Königl. Prenss. Staaten.

Herausgegeben von

and

Gr. A. Fintelmann,

Königlichem Hofgärtner auf der Pfaueninsel bei Potsdam.

M 45.

Berlin, den 10. November

1859.

Preis des Jahrganges 5y Thlr., sowohl hei Bezug durch den Buchhandel, als auch franco durch alle Post-Anstalten

des deutsch-österreichischen Post-Vereins.

Inhalt: Jonopsis pulchclla H. B. Kth, eine neue treffliche Garten-Orchidee. Die Araliaceen im Allgemeinen und Aufzählung der in den Gärten kultivirten Arten. Das Arboretum des prinzlichen Parkes zu Muskau (Fortsetzung).

Jonopsis pulchclla II. B. Kth,

eine neue, treffliche Garten-Orchidee.

Von dem Professor Dr. Reichenbach fil. in Leipzig.

Es giebt vielleicht wenig Orchideengattungen, die so schwierig sind, wie Jonopsis. Aus Lindley's Bearbeitung kann man nicht eben viel Belehrung holen, was sicher daher kommt, dass der vielbe- beschäftigte Autor sich begnügte, je eine Blüthe zu untersuchen. Ich habe vor mir Zeichnungen zahlreicher Blüthen, so wohl von vielen, am natür­lichen Standort gesammelten Formen, als solchen, die ich aus Gärten empfing. Noch bin ich aber nicht ganz einig mit mir über den Werth der Merkmale. Und zwar, weil mit einziger, rühm­licher Ausnahme des Schiller'schen Gartens, die Orchideen immer nur einmal Einem zukommen, alle Gelegenheit also abgeschnitten bleibt, die wei­teren Entwickclungen in Folge verschiedener Kul­tur- und Jahres-Einflüsse ordentlich zu studiren.

Alles, was ich bis jetzt frisch empfing, war immer Jonopsis tenera oder paniculata, deren Ori­ginale ich gut kenne. Neulich aber traf eine präch­tige Rispe einer noch ungesehenen Form ein. Blü­then so gross, wie bei einer recht grossen, wilden Viola hirta. Die Art macht dem Namen Jo­nopsis (Veilchenschein) alle Ehre. Die Hülle ist freilich zusammengeneigt, allein sie hat doch einen kecken Sporn. Die Lippe erweitert sich vom kur­zen Nagel in eine grosse, fast viereckige, vorn ausgerandete Platte, auf derem Grunde fünf in einander überfliessende, schön-violette, samintige

Flecke, der Nagelgrund gelb, der Rest weiss mit violetten Adern durchzogen.

Ich gewann die Ueberzeugung, dass ich Recht hatte, Wagen er's Pflanze zu J. pulchella zu ziehen, deren Abbildung Turpin ganz abscheulich verdorben hat. Die jetzt vorliegende stammt aus Brasilien. Das gleichzeitige Vorkommen einer Art in Brasilien und Neu-Granada und Caracas ist gar nicht auffällig: der fixen Idee beschränkter Ver­breitungsbezirke verdanken wir nur zu viele schlechte Arten.

Eine Beschreibung wäre so zu fassen:

Folium lineuri-ligulatum, acutum, 67 pollices longum, dimidium pollicem latum. Panicula maxima, valdc effusa. Sepalum impar ligulatum, acutum, sepala lateralia ante basin connata, ibi in calcar coinbinata. Tepala oblonga, obtusa, retusa cum api- culo, sepala bene excedentia. Labeilum a basi un- guiculatum, subito in laminam transverse quadratam, obtusangulam, emarginatam dilatatum. Laminae obtusae, triangulae supra unguem, calli quadrati antice intra illas; discus antepositus velutinus. Co- lumna clavata. Androclinium immersum. Fovea rhombea, obtusangula. Anthera pyriformis, antice uncinato-decurva. Pollinia pyriformia, in candicula linearis-ligulata. Glandula linearis. Flos albus, nervi tepalorum labellique violaceo-purpurei. Ma­culae violaceo-purpureae, quinae, ante unguem fla- vum labelli.

Eingesendet wurde die schöne Pflanze von Rougier-Chauviere, Horticulteur, 152 Rue de la Roquette, Paris.

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