gefangene Würger noch jung, vielleicht einjährig, so gewöhnt er sich leicht an das Käfigleben und entwickelt sogar einen ganz unheimlichen Appetit. So verzehrt der grosse Raubwürger an einem Tage IOO Mehlwürmer und ver­tilgte noch mehr, wenn er sie kriegen könnte; doch vertragen sie auch rohes Fleisch resp. Fleischabfälle ganz gut.

Der Star ist einer der originellsten und unterhaltendsten Stubenvögel und auch ziemlich leicht einzugewöhnen. Fängt man ihn im Frühjahr, so bringt man ihn am besten zum Fressen, wenn man frische, kleine Regenwürmer oder sonst recht zappelige Maden oder Larven zur Verfügung hat. Einer solchen Lockung kann er nur schwer widerstehen, und hat er einmal angebissen, so frisst er auch ruhig weiter und nimmt bald alles, was vor seinen Schnabel kommt. Sehr gerne frisst er auch Fleisch, Beeren, süsses Obst, in Milch geweichtes Weissbrot, frischen Quarkkäse, Käfer aller Art, Motten, Semmel mit Fleisch gemischt und Ueberreste der menschlichen Mahl­zeiten. Natürlich ist gut darauf acht zu geben, dass diese Sachen nicht zu stark gesalzen oder -gewürzt sind.

Die Meisen gehören wieder zu den selten gehaltenen Vögeln, und das mit Recht, denn sie sollten nur unter ganz besonderen Bedingungen als Stubenvögel gehalten werden. Will man an ihre Hal­tung herangehen, so sorge man für einen recht grossen Käfig. Hat man ein grosses Fenster frei, so schliesse man die Nische auf das Zimmer zu mit recht engmaschi­gem Drahtgeflecht, tapeziere die Seiten mit Baumrinde, lasse dürre Aeste weit vorspringen, stelle ein paar harte Stauden, etwa Stechpalmen oder ein paar abge­triebene Topfobstbäume hinein, sorge für frisches Wasser und lasse die ge­fangenen Meisen frei durch diesen grossen Raum fliegen, dessen Boden noch mit Steinen, Sand, Moos und Rasenstücken bedeckt wird.

Die frisch hineingebrachten Meisen verstecken sich, solange sie scheu sind, treiben später aber ihr munteres Spiel gerade wie im Freien. Dazu füttere man höchst sparsam Ameisenpuppen und verstreue dieselben so, dass die

Meisen sie mühsam zusammen suchen müssen. Dagegen stelle man ihnen täg­lich eine mit frischem Laub und Moos gefüllte Kiste hinein, in welche man alle Insekten hineinwirft, die man eben erhalten kann. Dieselbe wird von den Meisen mit Vorliebe besucht; eine An­zahl Tiere fällt ihnen sofort zur Beute, eine noch grössere Anzahl aber kriecht an den Wänden und Pflanzen in die Höhe, wo sie dann von den Meisen ab­gelesen werden. Im Sommer erhalten sie Zweige mit Blattläusen, kleine Raupen­nester u. s. w., im Winter natürlich mehr Ameisenpuppen und Mehlwürmer. In kleinen Bauern und Käfigen gehen die meisten Meisen durch Mangel an Be­wegung und zu grosse Fettigkeit ein. Die Meisen dürfen sich nicht an einem Napf sattfressen, sondern sie müssen sich auch in der Gefangenschaft ihr Futter zusammensuchen. Hat man kein Fenster frei, so wähle man einen recht grossen Kistenkäfig, der sich auch schon herrichten lässt.

Die noch übrigen Körnerfresser, wie Hänflinge, Finken, Zeisige u. s. w. sind leichter einzugewöhnen, da sie schnell an Sämereien gehen und sich bei den allbekannten Futterarten auch sehr leicht eingewöhnen. Wildfänge sind sogar viel leichter durchzubringen, als Nestvögel, da die jungen Tiere sehr zahlreich ein­gehen. Unter den Jungvögeln verstehe ich Tiere, die noch nicht gemausert haben. Ich glaube, wenn jeder einmal über seine Zuchterfolge oder Misserfolge nachdenkt, so wird er gestehen müssen, dass die Sterblichkeit unter den jungen Körnerfressern eine sehr grosse ist, wo­gegen die älteren vermauserten Exem­plare sich viel besser halten.

Ich warne auf Grund jahrelanger Erfahrungen, besonders in der Vogel­stube eines Freundes, der zugleich Vogel­handel betrieb, jeden Anfänger vor jungen Körnerfressern. Will er trotzdem welche kaufen, so lasse er höchste Vorsicht walten und kaufe kein Tier, welches im gering­sten zu trauern scheint. Zum Schluss will ich noch ein einziges Beispiel an­führen, welches nach meiner Ansicht Beachtung verdient und das oben Ge­sagte bestätigt.