291

Sind die Pflänzchen gut ausgebildet, so pikiere man dieselben auf einen warmen Kasten oder in leichte Hand­kästen. Hierin werden sie so lange in Kultur behalten, bis die Zeit gekommen ist, wo sie an ihren Bestimmungsort ge­pflanzt werden können. Bei dem Aus­pflanzen sämtlicher Sommerblumen hat man besonders darauf zu achten, dass sie mit gutem Wurzelvermögen heraus­gehoben werden ; man pflanze sie ordent­lich aus, drücke und giesse sie tüchtig lieh und man wird jederzeit einen reich­lichen Flor haben.

Was nun die Verwendung derselben anbelangt, so kann man sie entweder gemischt auf Rabatten pflanzen oder verschiedene Sorten, welche sich auf einzelnen Gruppen eignen, in solchen verwenden.

Der Einzug des Frühlings am Bosporus.

Von Fritz Braun.

(Schluss.)

Äuch die Feigenbäume werden sich allmählich dessen bewusst, dass es Frühling wird und regen und heben kleine Blättchen empor. Die gelbe Bachstelze, die vordem auf ihren Zweigen ausruhte, ist ihnen untreu geworden und grüsst vielleicht wieder die breitgestirn­ten, glatten Rinder, die auf einer deutschen Trift dahinschreiten. Da ist auf den Zaunkönig doch mehr Verlass; er sitzt noch immer auf seinem Feigenstrauch und singt sein helles Lied in die Früh­lingsluft. 'Versiegte der Quell seiner Lieder selbst im Winter nicht, so muss er jetzt um so freudiger und lebendiger rauschen.

Auch die Veilchen hören sein locken­des Lied; dennoch lassen sie sich in unserem schattigen Schulgarten recht lange nötigen, erst mit den letzten Tagen des Februar öffnen sich ihre duftenden Blüten, wenn Krokus und Hyazinthen schon verblühten. Darüber leuchtet noch

immer der helle lichte Frühlingshimmel und schaust Du in den ersten Tagen des März öfters auf zu dem lichten Gewölbe, so müsstest Du ein besonderer Pechvogel sein, wenn Dein Auge nicht einen Flug weisser Störche erschaute, die der Heimat zustreben.

Zugvögel erwecken gar oft sehn­süchtige Gedanken in der Brust des langsamen Menschen, des Sklaven der Erde. »Wer mit euch wanderte, mit euch schiffte.« Viel freundliche Grüsse geben wir ihnen mit in die nordische Heimat, aber wir beneiden sie nicht und gedenken manch froher Stunde, die wir am Ufer des Bosporus verlebten, an stille Sommernächte mit ruhigem Mond­schein, an süss vertraute Stimmen und stille Dörfer im grünen Bergland Asiens.

Stiller und stiller wird es auf den Wogen des Bosporus. So manche Möve, so mancher Kormoran, die hier den Winter verbrachten, sind fortgezogen nach nordischen Breiten und die Wasser­hühner und Enten, welche die Strand­seen desMarmarameeres belebten, machen es vielfach nicht anders. Nur die Mittel­meersturmschwalben huschen nach wie vor über die blanke Fläche, über die rasche Kajks neben dem Delphin, dem »menschenliebend, sinnigen Tier« vor­übergleiten.

Ja, jetzt in der Mitte des März ist es wirklich Frühling geworden. Die Knospen der Kastanien können sich jeden Augenblick öffnen; bald giebt es auch blühenden Flieder, Zaungrasmücken schlüpfen durch das Gebüsch der Gärten und suchen ein Plätzchen, wo sie un­gefährdet vor den wildernden Katzen ihre Familienwohnung aufschlagen können. Frau Elster hat sich längst entschieden und trägt dürre Reiser auf den Gipfel der höchsten Cypresse. Wenn ihr nur der schwarze Milan den Platz nicht streitig macht. Auch diese Räuber sind wieder da und begrüssen mit hellem hi, hi, hi, hi — äh die Stätte, wo sie geboren wur­den, wo auch für sie jetzt die Zeit der Minne beginnt. Ruhig und majestätisch schwimmt das Männchen in der klaren Luft. Unverwandt schauen wir ihm zu, bis der Sonnenglast uns blendet und wir das schmerzende Auge niederschlagen.