für sich die Gelegenheit gehabt, solche Sachen zu verfolgen und zweitens wird, wenn etwas durchaus gross oder alt sein soll, leicht Übertreibung geübt.

Nach vereinzelt vorliegenden Ermit­telungen muss angenommen werden, dass bei den verschiedenen Vogelarten das Alter auch ein recht verschiedenes ist, dass manche wohl eine verhältnismässig sehr hohe Lebensdauer haben, im Ali­gemeinen aber die diesbezügliche Kennt­nis nur eine geringe ist.

Per gefangene Vogel ist wegen der vielen Zufälle und ungünstigen Beein­flussungen, denen er ausgesetzt ist, im Allgemeinen nicht besonders geeignet, als Massstab zu dienen. Dennoch müssen die meisten Kenntnisse aus dem Ge­fangenleben, das übrigens unter Um­ständen von dem Freileben sich nicht ungünstig unterscheidet, geschöpft wer­den. Ohne Zweifel ist das Leben der kleinen und zarten Insektenfresser unter allen Vögeln von kürzester Dauer. Es mag bei manchen 6 bis 8 Jahre nicht überschreiten. Mit solchem Mass schätzt auch der Wiener Vogelhändler Mathias Rausch den Gartenlaubsänger ein, mit dem Hinzufügen, dass diese Art als Käfigvogel auch wohl 9—12 Jahre aus­hake, obschon das eine seltene Aus­nahme sei.

Uebertroffen wird der eben genannte Vogel von der Nachtigall, unserer ge­feiertsten Sängerin, nur um ein Geringes, denn diese erfreut ihren Pfleger in der Gefangenschaft im Höchstfalle nur fünf­zehn Lenze.

Die verhältnismässig viel phlegma­tischeren Körnerfresser, die auch leichter und naturgemässer erhalten werden können, hängen schon zäher am Leben, besonders der Kanarienvogel, welcher nicht selten 18 Jahre erreicht. Es ist vorgekommen, dass ein Stieglitz 23 und eine Feldlerche 24 Jahre lebten und es demnach, um einen Vergleich anzuführen, an Langlebigkeit mit den meisten Pferden aufgenommen haben. Mit der nächsten Grössenzunahme scheint ein entsprechen­des Fortschreiten der Lebensdauer nicht stattzufinden, denn Stare, Drosseln und andere einheimische Arten dieser Grösse, die beliebte Käfigtiere sind, thun sich

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den eben genannten nicht oder nicht wesentlich zuvor. Einen Fichtenkreuz­schnabel hielt ich 5, zwei Eichelhäher 6 Jahre in der Gefangenschaft. Ueber die Länge des früheren Freilebens dieser, als sie eingebracht wurden, ausgewach­senen Tiere liess sich natürlich nichts ermitteln und allerdings gingen sie durch Unfälle in Verlust, erreichten also nicht die natürliche Altersgrenze. Ein Seiden­schwanz wurde von einem Hamburger Vogelfreund 11 Jahre lang gepflegt und eine noch lebende Heidelerche von dem­selben 10 Jahre. Zwei andere Vogel­wirte desselben Ortes hielten der eine eine Singdrossel 17 und eine Nachtigall 12 Jahre, der andere eine Tannenmeise und drei Blaumeisen je 5 Jahre in der Gefangenschaft, wo sämtliche Tiere noch leben.

Mein Vater besass eine Schwarz­drossel 6 Jahre, die, als er sie erhielt, bereits 18 Jahre im Käfig zugebracht haben soll und ein böhmischer Händler stellte 1899 in Hamburg eine Blaudrossel aus, die zwar nur 4 Jahre in seinem Besitz gewesen, aber angeführt werden mag im Hinblick darauf, dass sie bei uns kein allgemein bekannter Käfig­vogel ist.

Es sind dies nur wenige Beispiele von an kleineren Stubenvögelngemachten Beobachtungen. Sicher sind jedem Leser weitere bekannt, sofern es sich um ein­heimische Arten handelt.

Die Exoten dürfen als Massstab nicht herbeigezogen werden, denn diejenigen, welche Insektenfresser sind, gehen man­gels entsprechenden Futters leider sehr bald zugrunde, und solche, welche man Körnerfresser nennt und die wie jene gewöhnlich ebenfalls aus heissen Zonen stammen, erfreuen sich, trotz grösserer Widerstandsfähigkeit, bei uns ohne Zweifel keiner so langen Lebensdauer, wie sie ihnen in ihrer Heimat zugemessen wird, wo alle Vorbedingungen für gutes Gedeihen und bis an die Grenze der Möglichkeit ausgedehnte Existenzzeit geboten sind.

Ein sehr hohes Alter wird dem Kolkraben zugeschrieben. Einige geben dafür 50 Jahre an und J. H. GURNEY (Ibis VIII Vol. 5, 1899) weiss sogar von