Illustrierte Wochenschrift für Tier- und Pflanzenfreunde

für Sammler und Liebhaber aller naturwissenschaftlichen Zweige. Organ des Verbandes der Aquarien- und Terrarien-Freunde und vieler anderen Vereina

no. 45. 5 Sonntag, den 9. November 1902. 1 4- Jahrgang.

Die Nester der Vögel und das Sammeln derselben.

Von H. Krohn.

/ L - rosse, auf Bäumen stehende Horste l ) \ der Fischreiher und anderer Vögel \<Zy schafft man zur Erde, indem man eine Schnur unter ihnen hindurch zieht und diese so befestigt, dass sie in einer Schlinge hangen, worauf sie an der über einen etwas höher sitzenden Ast ge­schlagenen Leine leicht herabgelassen werden können. Für den Transport stellt man, falls eine entsprechende Kiste nicht zur Hand ist, solche grossen Nester auf ein aus Zweigen geformtes Kreuz, deckt ein zweites, ebenso hergestelltes darüber und verbindet beide mit einander, ohne zu grossen Druck auszuüben.

Alle offenen und einigermassen festen Nester füllt man vor dem Nachhause- schaffen mit entsprechenden Stoffen an, kleine am besten mit einem Papier­knäuel, grosse mit sonstigem Material: Stroh, Heu, Gras u. s. w., nachdem über die Mulde ein Bogen Papier gebreitet ist. Man erreicht dadurch einmal, dass die oft recht lose sitzende Polsterung nicht herausfällt, dann aber, dass die Wandung nicht eingedrückt wird. Her fernere Versand geschieht in einer Holz­kiste. Die Ecken und der sonstige leere Raum werden dabei gut ausgestopft, nur nicht mit Sägespänen oder anderem sehr Weinteiligen Material, welches gewöhn-

(Schluss.)

lieh nicht wieder oder doch nur schwer aus dem Nest zu entfernen sein würde. Kleine Nester rollt man einzeln in Papier.

Die letzteren sind thunlichst genau in der ursprünglichen Art ihrer Anhaf- tung an den Standort zu belassen. Man schneide also einen Zweig wenigstens so ab, dass das Nest immer noch von einem Stück desselben weiter getragen wird oder speziell ein Rohrsängernest gleichzeitig mit allen Stengeln, die es halten. Schwalbennester trennt man mit einer flachen Messerklinge von der Wand und tränkt sie inwendig mit Leimwasser.

Die meisten der in Baumlöchern vor­kommenden Arten haben nur dann An­sehen und Wert, wenn auch das eben oberhalb des Flugloches und unterhalb des Bodens der Höhlung abgeschnittene Stammstück mit zu erhalten ist, was sich freilich nur selten ermöglichen lässt. Es ist dieses für die Nester der Spechte sogar unerlässliche Bedingung. Die Stammabschnitte durchsägt man, die Mitte des Flugloches treffend, in verti­kaler Richtung; das Nistmaterial wird nötigenfalls eingeleimt.

Mit einigen Nestern trägt man eine Menge kleiner Tierchen nebst deren Eier und Brut heim: Käfer, Spinnen und Fliegen, auch wohl Zecken, Milben und