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geringere Auftreten desselben bedingt die Ertragsfähigkeit. Diese ist keineswegs unbegrenzt, wie man für das Wasser leicht anzunehmen geneigt ist. Folgender wirklich angestellte Versuch möge dies erhärten: In einen Karpfenteich des Gutes D. in der Nähe von Kiel wurden 30000 junge Karpfen gesetzt. Später fischte man die entsprechende Anzahl heraus und hatte ein Gewicht von 40000 Pfund. Ein andermal brachte man in denselben Teich eine grössere Anzahl; man fischte natürlich auch eine entsprechende Anzahl wieder heraus, erhielt aber nicht ein grösseres Gesamtgewicht, sondern nur, wie das erste Mal, 40000 Pfund — die einzelnen Karpfen waren kleiner geblieben. Die Lebensbedingungen, die der Teich den Karpfen bietet, waren schon bei der ersten Besetzung vollständig zur Geltung gelangt, gestatteten also trotz grösserer Anzahl der Karpfen nicht die Erzeugung eines grösseren Quantums Karpfenfleisch, gestatteten keine Steigerung.« (Junge, Dorfteich.) Auf Grund dieser Thatsache gelangte Professor Möbius zur Aufstellung des Begriffs B i ocoenose oder »Lebensgemeinde«, d. i. einer Gemeinschaft von lebenden Wesen, welche in ihrer Auswahl und Zahl der Arten und Individuen den durchschnittlichen äusseren Lebensverhältnissen entspricht, sich gegenseitig bedingt und durch Fortpflanzung in einem abgemessenen Gebiet dauernd erhält. « In seinem beachtenswertenWerke: »Die Auster und die Austernwirtschaft« führt Prof. K. Möbius als Beispiel einer Biocoenose folgendes an : »Eine Austernbank bringt eine gewisse Menge Austern hervor. Wird sie vernünftig, wirtschaftlich richtig befischt, so werden die leergewordenen Plätze durch einen verhältnismässigen Teil der Austernbrut wieder bevölkert (die übrige Brut geht verloren, wenn sie nicht anderweitig einen ihrer Entwickelung günstigen Ansiedelungsort findet). Wird die Bank aber unverhältnismässig stark befischt, so siedeln sich statt der Austern Miesmuscheln oder andere Muscheltiere an, die unter denselben Lebensbedingungen existieren. Die Bank bringt unter den vorhandenen Bedingungen die grösste Summe leben-
6. Daphiiia hyalina Ltyd.
der Individuen verschiedener Arten hervor.« Auch die Muscheln und mit ihnen die
Mehrzahl anderer festsitzender Tiere wie Seepocken, Seescheiden, Moostierchen, ferner gewisse Fische (Röhrenmäuler: Seenadel, Seepferdchen) sind Plankton- zehrer. Gerade die festsitzenden Tiere beweisen uns, wie verhältnismässig reich das Meerwasser an Nahrung sein muss; in dem organismenarmen Luftmeere wird ein an der Scholle klebendes Tier nicht existieren. Nahrungserzeuger sind aber, wie auf dem Lande so auch im Wasser, die Pflanzen, im Meere freilich weniger die Tange, Seegräser und Makro-Algen, als vielmehr die als Plankton namentlich an der Oberfläche freischwebenden Diatomeen und Peridineen. Allein die Pflanzen sind die Nahrungsproduzenten, denn nur ihnen, speziell den Chlorophyllpflanzen wohnt das Vermögen inne, zu assimilieren, d. h. aus unorganischen Stoffen organische aufzubauen. Das Pflanzen-Plankton, das dem W'asser zu Zeiten seine charakteristische, gelbliche oder grünliche Färbung verleiht, ist der Grasnarbe der Erde vergleichbar; ungezählte Scharen von Planktontieren grasen auf dieser Flur, wachsen und vermehren sich, fressen und werden gefressen. Der Schwächere fällt dem jeweilig Stärkeren zum Opfer. Ohne Plankton ist kein Tierleben im Meere, in Seen und Teichen denkbar.
Sehr hübsch weiss Professor Marshall in seinem köstlichen Werke: »Die deutschen Meere und ihre Bewohner« diesem Gedanken Worte zu verleihen, wenn er sagt: »Wenn wir uns freuen über die schönen, porzellanweissenFleisch- scheiben desSchellfisches auf derSchüssel, denken wir nicht daran, dass wir Plank-
