7 22

bis 30 Individuen anwuchsen. Wo kamen diese her, da doch den ganzen Winter über der ganze Inhalt des Aquariums vollständig mit Wasser bedeckt war ? Ich konnte diese Frage vorläufig nicht beantworten und war sogar geneigt zu glauben, die Käfer seien durch einen Zufall in den Raum gekommen, vielleicht durch jemand, ohne mein Wissen, hin­eingesetzt worden. Ich freute mich den ganzen Sommer hindurch über ihr munteres Treiben, bis sie wieder ver­schwanden.

Beim Beginn des Winters wurde wieder gleich verfahren, wie voriges Jahr, indem sämtliche Pflanzen unter der Oberfläche des Wassers abgeschnitten wurden, und im Frühling 1886 trat wieder dieselbe Erscheinung auf. Ich bemerkte nun gleich anfangs, dass sie, soweit dies möglich war, sich schon in Kopulation befanden, und im Mai beobachtete ich das Eierlegen. Sie hatten sich also in dem kleinen, wohlverschlossenen Räume selbständig erhalten und fortgepflanzt, und die Larven lebten in den Stengeln der Igelkolben. Wo brachten sie den Winter zu ? Man musste annehmen, dass beim Annähern des Winters die Larven sich im Innern des Stengels bis in die Wurzeln resp. unterirdischen Stengel zurückzogen oder durchfrassen, wo sie unter dem Schutze der Erde und der Wasserschicht, vor dem Froste geschützt, sich verpuppten und überwinterten.

Das Experiment bestätigte dies; denn auch im Spätherbste 1886, nachdem schon lange keine Rohrkäfer mehr ge­sehen worden waren, wurden wieder alle Wasserpflanzen unter der Wasserober­fläche abgeschnitten, und im Frühling 1887 konnte endlich mehrmals beob­achtet werden, wo die Rohrkäfer nun herkamen. Die Igelkolben waren an­fangs April in bester Entwicklung be­griffen, aber noch kein Rohrkäfer an­wesend, als am 12. April um die Mittags­zeit aus-dem Grunde des Wassers eine Luftblase aufstieg und an der Oberfläche platzte. Ein vollständig entwickelter Rohrkäfer kam zum Vorschein, der so­gleich seine Flügel öffnete, davonflog und sich an die schilfartigen Blätter des Igelkolbens setzte. Man konnte von

nun an diesen interessanten Vorgang öfters beobachten. Wenn die Luftblase an der Oberfläche des Wassers platzte, befand sich der Käfer nicht immer in der gleichen Lage darin. Oft war hier­bei der Rücken oben, und er stand dann auf der Wasserfläche und konnte leicht wegfliegen ; oft lag er auf dem Rücken, was ihn jedoch durchaus nicht hinderte, sofort die Flügeldecken und Flügel zu öffnen und an die Wasserpflanze zu fliegen. Der schöne Käfer war über­haupt sehr flüchtig und leichtbeweglich und flog, wenn man ihn in die Hand nahm, plötzlich ab, ohne vorher lange die Flügeldecken zu öffnen, wie es andere Käfer sonst im Brauch haben. So leicht ging dieser Vorgang vor sich, wie bei den Fliegen, die etwa auf unserer Hand herumlaufen und, wenn man dieselbe bewegt, abfliegen.

Bisam I.Mai war die Kolonie wieder auf 20 Individuen angewachsen, die ihr Möglichstes thaten, um sich fortzupflanzen.

Am 15. April dieses Jahres hatte sich einer der Käfer, jedenfalls bei dem beschriebenen Auferstehungs - Prozesse, indem die Luftblase beim Aufsteigen an einen Wassermolch (Triton alpestris Laur.) anstiess, an den Schwanz des­selben festgeklammert, und der Molch machte verzweifelte Anstrengungen, um den Käfer los zu werden, der seiner­seits in Todesangst festhielt. Es war nutzlos, der Käfer liess nicht los, bis er mit Gewalt gelöst wurde. Er würde wohl festgehalten haben, bis der Molch sich aufs Trockene gerettet und dadurch auch den Käfer aus dem Wasser befreit hätte.

Im Jahre 1888 stieg der erste Rohr­käfer am 16. April aus dem Wasser herauf, und bis zum 13. Mai waren etwa vier Stücke vorhanden, weniger als in den früheren Jahren, doch fanden wieder Begattungen statt. Hierbei machte das Männchen mit seinen Fühlhörnern, nach­dem es sich auf das Weibchen gesetzt, eigentümliche Bewegungen, und bei ge­nauer Beobachtung sah man, dass es mit denselben auf diejenigen des Weib­chens schlug, bis dieses willfährig ward.

Im Frühling 1889 waren nur wenige Rohrkäfer vorhanden, ebenso im Früh-