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Oft läßt sich aber einem solchen Stein nicht ansehen, ob er ein Einzelwesen oder ein Gemenge von solchen, ein Mineral oder ein Gestein ist. Da hilft die mikroskopische oder die chemische Untersuchung; ein Mineral erweist sich bei der Prüfung mit dem Mikroskop als gleichartig in allen seinen Teilen, als homogen, ein Gestein als ungleichartig, aus verschiedenen Mineralien zusammengesetzt. Entscheidend in allen Fällen ist die chemische Untersuchung; die Mineralien enthalten entweder nur einen Stoff, ein Element, oder mehrere solcher, dann aber diese immer in einem durch einfache, ganze Zahlen ausdrückbaren Verhältnis miteinander vereinigt, als chemische Verbindung; die Gesteine enthalten immer mehrere Elemente, und diese sind nicht in einem solch einfachen Verhältnis mit einander verbunden, die Gesteine sind keine chemischen Verbindungen, sondern Gemenge von solchen.
Unsere vorher aufgeworfene Frage, was ist ein Mineral und was ein Gestein, können wir nun dahin beantworten:
Mineralien sind die in der Erde sich findenden Elemente und anorganischen chemischen Verbindungen, Gesteine sind Gemenge von Mineralien.
Verbindungen, die der Chemiker in seinem Eaboratorium darstellt, sind demnach keine Mineralien, auch wenn sie sonst deren Eigenschaften besitzen, weil sie sich nicht in der Erde gebildet haben. Mineralien sind immer Naturprodukte.
Ein Mineral ist das in der Erde vorkommende Kupfer, es ist ein Element für sich; kein Mineral aber ist das aus seinen Erzen ausgeschmolzene Kupfer, weil es durch Zutun der Menschen gewonnen ist. Ein Mineral ist Schwefelkies, er enthält die beiden Elemente Eisen und Schwefel in dem einfachen Verhältnis i : 2, kein Mineral aber ist Obsidian, obwohl er oft in sich gleichartig ist, denn er ist keine chemische Verbindung, sondern ein Gemenge; kein Mineral ist chlorsaures Natrium, obwohl es eine chemische Verbindung ist, denn es findet sich nicht in der Erde. Keine Mineralien sind Perlen und Korallen, weil sie von lebenden Tieren erzeugt
und Produkte der organischen Welt sind; kein Mineral ist Bernstein, weil er von Pflanzen abstammt; aber die Pflanzen sind ausgestorben, und Bernstein findet sich frei in der Erde, darum wird er oft für ein Mineral angesehen und nach altem Brauch den Mineralien angereiht.
Eine besondere Wissenschaft, die Mineralogie, hat sich die Erforschung der Mineralien zur Aufgabe gestellt. Ohne Rücksicht darauf, ob ein Mineral irgendwie verwertet werden kann, will sie alle seine Eigenschaften ermitteln, sein Vorkommen in der Erde, sein Werden und Vergehen verfolgen.
Jedes Mineral hat seine besonderen Eigenschaften, an denen es immer wieder erkannt und von anderen Mineralien unterschieden werden kann. An den Mineralien, die wir als Bestandteile des Granits genannt haben, können wir uns schon hiervon überzeugen. Von den dunklen Glimmerplättchen lassen sich mit einem Messer dünne Blättchen abheben, diese lassen sich weiter spalten, die Trennungsfläche ist glatt und zeigt starken Glanz, wird aber durch das Messer leicht geritzt und verletzt. Die rötlichen Feld- spatkörner sind im Gestein ebenfalls oft glatt durchgebrochen, es kostet aber schon einige Mühe, ein Stückchen parallel zu dieser Bruchfläche abzusprengen, und so dünn wie ein Glimmerplättchen wird es nicht, vom Messer wird es dabei kaum geritzt. Von dem grauen Quarz bekomme ich im besten Fall nur kleine Splitter, die wie Glassplitter aussehen, scharf und kantig, ohne ebene Bruchflächen sind; von dem Messer werden sie dabei gar nicht geritzt, eher bricht das Messer ab oder wird stumpf. So besitzen diese drei Mineralien verschiedene Teilbarkeit und verschiedene Härte; prägen wir dazu uns ihr Aussehen recht genau ein, so werden wir sie nach ihren Eigenschaften immer wiedererkennen. Noch besser gelingt uns dies, wenn die Mineralien nicht im Gestein mit einander gemengt sind, sondern jedes einzelne sich frei ausbilden konnte und als Kristall uns vor Augen tritt.

