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BUcherschau.

Das Mineralreich von Dr. Reinhard Brauns, ordentl. Professor in Gießen. Stuttgart: Fritz Lehmann, 1904. Vollständig in 30 Liefe- ferungen ä, 1,50 M.

»Dies Buch ist für die Freunde der Minera­logie geschrieben und dazu bestimmt, ihr Freunde zu gewinnen. Ein Lehrbuch ist es nicht, aber es wird auch mancher etwas daraus lernen können. Auf 73 Tafeln in Farbendruck werden die wichtigsten Mineralien in natürlicher Form, Farbe und Größe abgebildet, dazu kommen 14 Licht- (lrucklafeln, 4 Kunstdrucktafeln und viele Abbil­dungen im Text.« Also präzisiert der Verfasser selbst am Eingang seiner Vorrede die Aufgabe seines Werkes. Dem verhältnismäßig kleinen Kreis der Freunde der Mineralogie, speziell der eifrigen und kundigen Sammler von Mineralien unter den naturwissenschaftlich gebildeten Laien, entspricht die geringe Zahl der Lehrbücher der Mineralogie (im engeren Sinne) im populären Gewände. Als wirklich brauchbares Bach dieses Genres konnte m. E. bisher nur das bekannte Werk von Dr. Gürich »Das Mineralreich« (Bd. 6 des »Haus- Schatzes des Wissens«) in Betracht kommen. Das mir in seinen fünf ersten Lieferungen vorliegende Werk von Dr. Brauns scheint danach angetan zu sein, ihm die Vorherrschaft streitig zu machen, vorausgesetzt, daß der dem Werte des Buches durchaus angemessene, für die Geldtasche vieler Naturfreunde leider nicht immer erschwingliche Preis der Verbreitung kein allzu großes Hindernis in den Weg legen wird. Denn während in Gürichs »Mineralreich« die farbigen Tafeln nur eine an­genehme, für den Leser gewiß höchst schätzens­werte Zukost bilden, bedeuten diese in dem Werke von Brauns dargebotenen Tafeln sowohl durch die Qualität der Darbietung als auch und noch viel mehr durch die bisher in keinem anderen Werke erreichte Zahl den integrierenden Teil desselben, und gerade hierin liegt der ganz besondere Wert des Werkes begründet; denn gerade die Farben­tafeln sind dazu berufen, allen Naturfreunden, die bisher achtlos an dem »Aschenbrödel« im Natur­reiche vorübergingen, einmal die Augen zu öffnen für die formenreichen und farbenfrohen Schätze der anorganischen Welt. Es ist dies der einzige Weg, um auch Nichtsammler dahin zu bringen, daß sie mit wirklich ästhetischem Genüsse den kostbaren Schaustücken unserer mineralogischen Museen und Kabinette nicht nur, sondern dem ganzen, jedem denkend betrachtenden Besucher aufgeschlagenen Buche der Natur Seite bei Seite, will heißen Serie bei Serie, ihre Beachtung schenken. — Der Kenner und gar erst der Besitzer schöner Mineral­stufen bewundert vor allem die Technik, der es gelang, seine Freunde in so vorzüglicher Weise auf das Papier zu zaubern. Pflanzen (z. B.Thomes F'lora), Vögel (Naumann), Schmetterlinge und Raupen (Hofmann-Spuler), sonstige Tierdarstellun­gen (Kuhnert usw.) hatten lange ihre Meister ge­funden, als erst schüchterne Versuche farbiger, den Ansprüchen moderner Kunst wirklich genü­gender Darstellungen von Mineralien hervortraten. Und doch, wie schnell gehen auch diese ihrer Vollendung entgegen ! Prächtige Tafeln farbiger Edelstein-Darbietungen führt jetzt sogar schon der

V. Band des Meyerschen Lexikons (neueste Aufl.) in seinem Schilde. Sonderbar genug — aber ein Vergleich der einzelnen Tafeln in Brauns Minera­logie lehrt es — gelingt den Künstlern die Dar­stellung durchsichtiger, das Licht oft wirr und kraus reflektierender Mineralien (Topas, Turma- lin etc.) besser als die der dunklen, oft recht farbensatten Erze (Kupfer, Eisen, Blei). Ich weiß nicht, ob der Künstler, der die Tafeln mit den Erzen entworfen hat, und andere mit ihm, an die Grenze ihres Könnens gelangt sind; immerhin kann ich das Erreichte nicht genug bewundern, wiewohl die Kunst in diesem Stück noch eine er­hebliche Spanne hinter der Wirklichkeit zurück­bleibt. Es soll noch ausdrücklich erwähnt werden, daß es sich bei den Abbildungen in keinem Falle um Schöpfungen der Phantasie handelt, vielmehr hat eine große Zahl von Museen und Kabinetten das Beste, was sie in jedem besonderen Falle auf­zuweisen hatten, als Vorlagen für den Künstler (sein Name ist nicht genannt, oder ist es gar der Herausgeber selbst?) hergegeben.

Über den Text möchte ich mir heute noch kein abschließendes Urteil erlauben, weil der Ver­fasser in den mir vorliegenden Lieferungen nur um ein Weniges über den, wie es scheint »offi­ziell« gewordenen allgemeinen Teil hinausgekom­men ist. Statt dessen bieten wir dem Leser der »Nerthus« in diesem Hefte eine Textprobe.

Alles in allem: Brauns Mineralogie ist ein Werk, das wiederum, wie so manches andere naturwissenschaftliche Prachtwerk, Deutschland an die Spitze aller Nationen stellt. Wie sagte doch kürzlich unser Reichskanzler ? »Deutschland voran !« Die splendide Ausstattung gereicht dem Verlage zumal zu besonderem Ruhme. Des Verfassers Wunsch ist auch unser Wunsch: »So möge das Buch in die Welt gehen, den Freunden der Mineralogie zur Freude, den Kennern zum Genuß, den Lernenden zur Anregung, den Lehrern zur Vertiefung, den Männern der Praxis zum Nutzen, unserer Wissenschaft aber zur Förderung und Ver breitung in immer weitere Kreise!« Barfod.

Ernst Hteckel. Ein Bild seines Lebens und seiner Arbeit. Von Dr. Wilhelm Breiten»

nach, Odenkirchen. Mit einem Porträt Höckels und einer Handschriftprobe. Odenkirchen: Dr. W. Breitenbach, 1904. 107 S.; 8". Preis 2,00.U<. (Gemeinverständliche Darwinistische Vorträge und Abhandlungen. Herausgegeben von Dr. Wilhelm Breitenbach, Odenkirchen, XI. Bd.)

Das Buch ist gedacht als Festschrift zum 70. Geburtstage (16. Febr.) des bekannten Jenenser Zoologen und Naturphilosophen. Ilxckel, der »Affenprofessor«, hat sich namentlich durch das Erscheinen seiner »Welträtsel« vielerlei Anfein­dungen gefallen lassen müssen, und das Bedenk­lichste in diesem Widerstreit der Meinungen ist m. E. der Umstand, daß seine Gegner sich nicht gescheut haben, den blanken Ehrenschild dieses unerschrockenen Gelehrten, »der freierhobenen Hauptes seine Straße zieht und immer und überall das sagt, was er für wahr und echt hält, mag's einem Hohen und Höheren gefallen oder nicht«, zu beflecken. Nun, die Zeit wird lehren, was von Ilaeckels monistischer Weltanschauung bestehen bleibt und was im Meer der Vergessenheit zu