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Eine Allee von mächtigen Exemplaren des Lebensbaumes (Thuja occidentalis) gebildet wohl mehr als 30 Stück geleitet uns am Ufer des Baches entlang nach unserem Eden, dessen Gründer, ein früherer Verwalter des Waldsberger Reviers, der biedere Forst­meister Winter war.

Es ist mir bis jetzt leider nicht möglich gewesen, das ganze vorhandene Material er­schöpfend festzustellen. Mehrjährige gründ­liche Untersuchungen und Beobachtungen sind dazu umsomehr nötig, als es sich in vielen Fällen um ziemlichkritische Sachen" handelt, bezüglich welcher sowohl die Knospen als die Blätter, und zwar jüngere und ältere, die Blüten und Früchte in den verschiedensten Stadien gesammelt und genau untersucht werden müssen. Bedauerlicher Weise ist es mir noch nicht möglich gewesen zu allen Jahreszeiten und so oft, als es für den kon­kreten Zweck nötig, am Platze sein zu können, weshalb ich gütige Nachsicht dafür in Anspruch zu nehmen habe, insoweit das Material noch lückenhaft oder sich sonst auch eine Unrichtigkeit eingeschlichen haben möchte. Letzteres war wohl um so weniger ganz zu vermeiden, als mit den gewöhnlichen Handbüchern gegenüber den hier ange­siedelten Kindern einer fremden Zone ab­solut nichs auszurichten war. Die gediegenen Werke, die zu qu. Behufe zur Verfügung standen, wie z. B. die Deutsche Dendrologie von Lauche, sind nun mit Bestimmungs­tabellen nicht versehen, und so bin ich ge­nötigt gewesen, auch zu anderen weniger umfänglichen Werken meine Zuflucht zu nehmen, möglicherweise nicht immer ohne Schaden für ein ganz zuverlässiges Resultat. Nun immerhin, auch ohne genaueste Nach­revisionen, die vorbehalten bleiben, und ohne völlige Erschöpfung des Stoffes kann ver­sichert werden, dass manches Interessante vorgeführt wird und es ist doch auch zu hoffen, dass durch diese meine Anregung die Aufmerksamkeit weiterer und auch vielleicht berufener Kreise auf diese Pflanzungen gelenkt wird. Auf der einen Seite wird mancher Botaniker etc. sein Herz erfreuen an dem Anblick dieser Raritäten, die wohl meistens mehr als G7 Decennicn überdauert haben, und auf der anderen Seite kann wohl auch erhöhter Schutz für dieselben erhofft werden und ein Impuls für diesen und ] jenen Forst­mann zur Vornahme ähnlicher Versuche, die nicht als eine blosse Spielerei anzusehen sein möchten, sondern die in einigen Fällen ge­wiss auch von praktischem Nutzen sein werden. Sind alle diese Seltenheiten durch ihr Vorkommen im Waldsberg in Folge früherer Anpflanzung auch noch nicht Ange­hörige unserer Thüringer Flora geworden, so meine ich doch, ein gewisses Schutzbürger- recht haben sie ganz entschieden erworben I und da wir Erforschung der Flora auf I

unser Banner geschrieben, so dürfen wir diese Sachen, die so lange, zum Teil als Waldbildner bei uns ausgehalten, nicht länger völlig ignorieren. Ein bescheidenes Plätzchen wird daher in jeder zukunftigen vollständigen Flora Thüringens diesen früher angebauten und nach Jahren immer noch fast wild auftretenden Sachen gewährt werden müssen.

Mit Rücksicht hierauf und behufs Erleich­terung etwaiger Nachträge sehe ich davon ab, die Aufführung nach einzelnen Stand­orten zu bewirken, ziehe es vielmehr vor, hierbei nach dem natürlichen System im Anschluss an Lauches Dendrologie (der Hauptsache nach Anlehnung an Kochs Den­drologie) vorzugehen.

Von den Konileren sind nun da zunächst zu nennen:

1) die schönen und zahlreichen Bestände von Pinus strobus L., welche in mädchen­hafter Zierlichkeit das Auge erfreuen. Wohl selten findet man schlankere und zahl­reichere Repräsentanten der aus Nord- Amerika (von Canada-Viiginien) stammenden Weimuts-Kiefer, welche bekanntlich an den 5 aus einer Scheide kommenden Nadeln leicht zu erkennen ist. Im Verein mit der­selben streben, eine anmutige Abwechselung durch helleres Grün schaffend,

2) prächtige Exemplare Larix europaea L. (Pinus larix L.) dem Lichte zu. Man kann hier offenbar sehen, wie die stolz in die Höhe strebende Weimutskiefer auch den sonst etwas bequemeren Lärchenbaum mit empor genötigt hat. Lärche und Weimuts­kiefer bilden das Hauptmaterial jenes edlen Domes; aufgebaut aus schlanken Säulen und eingezwängt dazwischen findet sich

3) Pinus picea L. auch Abies picea Lind- ley, Abies pectinata D.C., Abies alba Mill. unsere Edeltanne in stattlichen Exemplaren, sowie

4) Pinus canadensis L. oder Abies cana- ilensis Mchx., die Canadische Hemlocks- tanne, als stattlicher Baum von mehr als 20 m Höhe mit pyramidenförmiger oder aus­gebreiteter Krone, horizontal ausgebreiteten Asten und hängenden fein behaarten Zweigen. Die Nadeln der Hemlockstaunen stehen zwei­zeilig, sind jedoch viel kleiner als die unserer Kdeltanne, stumpf, oberseits dunkelgrün, unterseits neben den Mittelnerven beiderseits bläulich-weiss gestreift. Die Zapfen sind eirund, überhängend, 2cm lang und mehrere Jahre am Baume bleibend. Die Rinde der­selben dient in ihrem Vaterlande als ein vorzügliches Gerbmaterial.

5) Von unserer heimischen Fichte, Pinus abies L., Abies excelsa DC, Picea vulgaris Lk. finden sich verschiedene interessante Formen und Abarten im Waldsberge vor, so z. B. Abies excelsa viminalis Hort: Schlangen- fichte, eine Form mit langen, wenig ver-