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ästelten, herabhängenden Zweigen und anliegenden Nadeln, die meines Wissens wiederholt in Wäldern gefunden wird, wenn ich nicht irre in besonders schönen Exemplaren auch in der Nähe des Schlosses Remhards- biunnen. Von Pinus alba Poiret (niclit zu verwechseln mit Abies alba Mill. — Edeltanne —) habe ich im Waldsberge nichts bemerkt, während bekanntlich im iiiesigen Forste mehrere kräftige Exemplare dieser Weissflchte (zum Unterschied von Weisstanne) — vorhanden sind.
Ausserdem sind mir noch Exemplare einer Pinus-Art zu Gesicht gekommen, bezüglich welcher ich zunächst nicht endgültig entscheiden möchte, ob es sich um eine Form von Pinus abies (vielleicht die Abies mon- strosa Hort:) Triebe kurz, sehr monströs, oder um eine der vielen Formen, in denen Pinus montana Aiton, speziell die var: Pinus mughus Scop. auftritt, handelt. Das Endresultat meiner bezüglichen Untersuchungen ist noch nicht erzielt, ich hoffe jedoch darüber bei anderem Anlasse in nicht zu ferner Zeit referieren zu können. Jedenfalls ist es rätlich, in dieser Beziehung ein wenig vorsichtig zu Werke zu gehen, um nicht in ähnliche Irrtümer wie G. Woerlein mit seiner Pinus obliqua Saut. var. centrapedun- culata (centripeduneulata) zu verfallen und eine Abfertigung wie die durch unseren hochverehrten Dr. Willkomm in Prag (Deutsche Botan. Monatsschrift IV. Jahrg. No. 2.) zu provozieren.
Nach dieser Abschweifung kehre ich wieder zu meiner Aufzählung zurück und da ist es zunächst ein Repräsentant der Familie Olea- ceae zur Ordnung der Rainweidenartigen (Ligustrinae) gehörig, der mit Recht unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Ich meine
6) Fraxinus ornus L., oder Ornus europaea Pers., die gemeine Blütenesche oder Mannaesche, von der äusserst ansehnliche Bäume am Ufer des Lütschebaches neben der gemeinen Esche (Fraxinus excelsior L.) sich finden- Dieser in Südeuropa und im Orient heimische Baum verlangt in Norddeutschland schon einen geschützten Standort, wenn er zu solcher Mächtigkeit, wie hier, gedeihen soll. Ich möchte hierbei erwähnen, (wie den Teilnehmern an der heutigen Exkursion bereits bekannt geworden), dass auch im hiesigen Forstreviere in Folge früherer Anpflanzung eine Anzahl und zwar meist sehr starker Exemplare dieses schönen Baumes fröhlich gedeiht. —
Neben den gewöhnlichen Vertretern der Familie der Caprifoliaceen wie z. B. Loni- cera perielymenum L., caprifolium, L. und xylosteum, die ja auch in unserem Walperholze teilweise wild, teilweise verwildert sich so massenhaft vorfinden, tritt uns im Waldsberge speziell in der sog. Plantage auch ein
, Kind Neufundlands — Karolina — entgegen, welchem hier in so üppiger Verwilderung zu begegnen wohl kaum vermutet werden möchte, zumal wir es selbst in unseren Park-Anlagen nicht allzuhäufig finden. Es ist dies Lonicera diervilla Mill. oder Diervilla canadeusis Willdeuow. Dieser buschige Strauch ist hier seinem Charakter, um dessentwillen er vom Landschaftsgärtner zur Bedeckung kahler Stellen unter Gehölzgruppen gern verwendet zu werden pflegt, treu geblieben. Die kriechenden Wurzeln haben zahlreiche Ausläufer getrieben und so eine Weiterver- breitung begünstigt. Von der Gattung Vi- burnum habe ich ausländische Vertreter nicht vorgefunden, sondern nur unsere heimische Viburnum lantana L. und vereinzelt auch Viburnum opulus L.; auch die Gattung Sam- bueus ist nur durch die unserer Flora ange- hörigen Glieder vertreten. Darunter zeichnet sich wie überall im Thüringer Walde der auch für Parkanlagen viel verwendete Sambucus racemosa aus, dessen hellrote Beeren mit der grünen Belaubung immer schön kontrastieren.
Nach der glaubhaften Versicherung des jetzigen Herrn Revierverwalters ist früher auch ein Glied der Familie der Storaxge- wächse (Styraceae) in der sog. Plantage des Waldsberges vertreten gewesen, allein jetzt als in Abgang gekommen zu verzeichnen.
Es ist dies die Ilalesia tetraptera L., die vierflügelige Ilalesia. Dieselbe soll — vermutlich mit Genehmigung!? — früher auf Wunsch an die Herzogliche Gartenverwaltung in Gotha abgegeben worden sein, wie denn überhaupt manche Raritäten weniger dem Klima, als dem Spaten (gewinnsüchtiger Händler) unterlegen sein mögen.
Reichlichere Repräsentanten hat die Ordnung der Kätzchenblütigen (Amentaceae) unter den Seltenheiten des Waldsberges zu verzeichnen. Da ist zunächst die Familie Betulaceae — Birkengehölze — mit
8) Alnus incana Du, graue Erle, durch mächtige Stämme vertreten, Bäume, die an Grösse und Stärke unserer gewöhnlichen Erle (Alnus glutinosa) durchaus nicht nachstehen. Ein Beleg dafür, dass zu jener Zeit unser Winter diesem Baume seine Aufmerksamkeit mit Recht schon zugewendet. Damals mag er in dieser Gegend als eine neue Einführung haben gelten können, während er jetzt durch häufige Anpflanzungen au Flussufern etc. oft ilie einheimische Erle in die Minderheit gebracht hat.
Sodann verdient von der Gattung Betula eine Erwähnung
<)) Betula ulmifolia Set. Z., ulmenblättrige Birke, Betula costata Tranto, welche am Waldraude oberhalb des Fclsenkellera durch eine Anzahl älterer Bäume vertreten ist, dagegen habe ich die Betula nigra L., Betula rubra Mch., Rotbirke, bezüglich welcher
