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Kräftig bezeichnet solche Varietäten, die lange i Massig heissen die von mittlerem Wüchse;
Schosse bilden. i solche bilden gewöhnlich nette und dichte Büsche
Stark deutet auf diejenigen hin. welche sehr J oder Kronen, wenn sie auf Stömmchen sind, dicke Triebe von geringerer Länge als bei „kräftig" Schwach nennen wir Varietäten von geringem
bilden. ! oder zartem Wüchse.
Literatur.
Der Rosen freund von J. Wesselhöft in Langensalza, Mit einem Vorwort von H. Jäger. Grossherzogl. Sachs. Hofgärtner. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 33 in den Text eingedruckten Abbildungen. Vollständige Anleitung zur Kultur der Rosen im freien Lande und im Topfe, zum Treiben der Rosen im Winter, sowie Beschreibung der schönsten neuen und alten Sor
ten, nebst Angaben der Verwendung. Verlag von
Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1869.
Nachdem wir obiges Werk einer genauen Durchsicht unterworfen, können wir dasselbe den Herren Rosenliebha- bern als ein für ihre Zwecke nützliches Buch empfehlen und erwähnen noch besonders den fünften Abschnitt, der über den wichtigen Artikel »die Feinde der Rosen, deren Abwehrung und Vertilgung« in eingehender Weise verhandelt.
Wie die letzte Rose wcineu lelirt!
Als im Jahr 1828 die Trauerkunde vom Tode Wolff's, des Lieblings und Schülers Gothe's und Dichters der „Preciosa", von Weimar nach Berlin gelangte, wurden seine Freunde und Collegen aufs Schmerzlichste ergriffen. Alle Verehrer wahrer Kunst sprachen mit innigster Theilnahme von dem unvergleichlichen, edlen Künstler. Fast dreizehn Jahre lang war WolfT eine Zierde der Berliner Hofbühne gewesen. Nachdem er und seine Gattin, Amalie, geb. Malkolmi, zu Gothe's grosstem Kummer Weimar längst verlassen, sagte Göthe über ihn: „So viel ich auch in s Ganze gewirkt habe, und so Manches durch mich angeregt worden ist. so kann ich doch nur Einen Menschen, der sich ganz nach meinem Sinne von Grund auf gebildet hat, nennen: das war der Schauspieler Wolff." Wie liebenswürdig war Wolff in feinen Conversationsstücken, wie belebend wirkte sein Humor in Lustspielen, und wie meisterhaft in ernsten, edlen, dramatischen Aufgaben! Nie spielte er, um grosseren Beifall zu erringen- gegen
seine Ueberzeugung; er strebte unermüdlich nach Vollkommenheit und war gegen sich selbst am strengsten. Und dieser wahre, gewissenhalte Künstler musste im besten Mannesalter sterben. Vor der letzten Reise nach Ems war der Ausdruck seiner schonen, geistvollen Augen ein unendlich wehmüthi- ger. Er versuchte lächelnd „auf Wiedersehen" zu sagen, aber es klang hoffnungslos. Madame Wolff sprach gern von dem Entschlafenen: sie versicherte,
Mancherlei.
dass es sie beruhige und ihre Sehnsucht mildere, wenn sie so mit ganzer Seele der Vergangenheit gedächte und mittheilen könne, wie viel des Schönen und Guten ihnen Gott gewährt. Sie konnte nicht genug rühmen, wie sanft und fromm ergeben ihr Gatte gewesen sei, und wie dankbar für alle Sorge und Beweise der Liebe!
„Wolff sehnte sich immer, eine Blume in der fieberheissen Hand zu halten," erzählte Madame Wölfl', „er labte sich an ihrem Dufte. Einige Thee- rosen hatten den Kranken sehr erfreut, besonders bewunderte er die Grazie der Knospen.
„Ich wachte an seinem Todtenbette, befühlte seine Stirne und Wangen, nahm seine Hand und erblickte in ihr — eine verwelkte Rosenknospe. „Da nahm ich die Knospe und stellte sie in ein \ Glas Wasser; traurig senkte sie das Köpfchen. Ach, ich hätte weinen können! Nicht weinen zu können, war meine grösste Qual. Wie hätten Thrä- nen mein Herz erleichtert!
„Endlich gegen Morgen schlummerte ich vor Ermattung ein wenig ein, und als ich wieder erwachte, erblickte ich in jenem Glase eine herrlich erblühte Rose!
„Da war es mir, als ob ein Lächeln über das Antlitz des Verklärten ginge, das mir sagen sollte: ,Diess mein Gruss aus dem Jenseits. Beruhige dich, Geliebte — du verstehst mich ....!' Da konnte ich weinen . . .
