4
In gloichor Weise erinnerte er sich seiner Freunde und Schüler in Nahe und Ferne, insbesondere der vor ihm in's Grab gesunkenen Professoren Möller und Benecke. Und noch höre ich sein Wort: „Wio würde sich mein Schwiegervater Alexander Braun gefreut haben, wenn er Gelegenheit gehabt hätte, den kloinen Amtssee in Schloohau zu untersuchen, der ein reiches Magazin der prächtigsten Characeon ist, insbesondere für die Ohara jubata!"
Jeder neue Fund von Lobelia, Isoetes, Najas und sonstigen seiner Lieblinge hatte ihn auf der letzten Reise mit immer wiederkehrender kindlicher Freude erfüllt. Diese war so charakteristisch bei ihm, wio seino grosse wissenschaftliche Arbeit über die Nymphäen, durch welche ihm mehr und mehr erwiesen wurde, dass dio Darwinsche Theorie, so sehr sie auch anregend und fördernd gewirkt hat, durch nichts wirklich erwiesen worden, dass hingegen, soweit unsere Versuche und Beobachtungen reichen, dio Constanz der Arten nimmst össlich ist.
Doch seine wissenschaftlichen Arbeiten zu würdigen, haben wir weder die Aufgabe, noch auch dio Kraft. Ks kann uns freilich das Gefühl des Schmerzes nicht verlassen, dass er trotz seiner 70 Jahre für dio Wissenschaft zu früh gestorben ist, in aller Kraft und Frische des Körpers und dos Geistes, mitton in der Lust am Arbeiten und Forschen. Dass Gott ihn schmerzlos hat hinübergehen lasson wie oinst Kloobis und Biton zum Lohne ihres kindlichen Sinnes, hinübergehen in die ewige Heimat, als er sich rüstete, heimzukehren an die Stätte seines Wirkens, dafür müssen wir Dank sagen und den llatschluss der Vorsehung preisen. Danken müssen wir mich ihm. unserm Meister und lichrer, für die in diesen 25 Jahren durchgeführten Vorarbeiten zu einer Feststellung unserer heimischen Flora. Diesen Dank erlaube ich mir auch allen Denjenigen auszusprechen, welche dazu in irgend oiner Weise mitgeholfen haben.
Für uns aber hoisst es nun um so mehr handeln, damit sein Werk nicht untergehe, damit mit jedem neuen Frühlinge, der die Blumen wie üborall aus der Erde, so auf seinem Grabe hervorzaubern wird, auch immer von Neuem gearbeitet werde an der Erforschung der heimatlichen Provinzen nach seinor Absicht und in seinem Geiste. Die Zusammenfassung der genügend untersuchten Kreise zu einem Gesamtbilde, wovon er noch in seinen letzten Lebensstunden sprach, wird unsere erste Sorge sein müssen. Zoigen wir, dass sein Lieblingsgedanke richtig war, dass die Weichsel keine Grenze bildet für dio botanisch wissenschaftlichen Arbeiten, welche der Verein sich vor 25 Jahren zur Aufgabo gesetzt hat. Zeigen wir, wie unser verehrter Meister, dass nicht persönliche, sondern sachliche Gründe uns bestimmen, die beiden Provinzen Ost- und Westpreussen zusammen zu fassen und zusammen zu halten wio bisher, wenn auch nur der ostpreussische Landtag in dankenswerter Woise unsoro Zwecke unterstützt. Dieses Gelübde lassen Sie uns ablegen in dieser ernsten Stunde und zum Zoichen dossen und zur Ehre unseres hingeschiedenen Vorsitzenden
Herrn Prof. Dr. Robert Caspary bitte ich Sie, Sich von den Plätzen zu erheben!
Am 4. Oktober morgens um 8'/ a Uhr eröffnete der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Professor Praotorius aus Könitz, im Artushof die Versammlung, begrüsste zunächst die Anwesenden und gedachte dann der schweren Verluste, die der Verein durch Todesfälle erlitten hatte. Es starben im Vorjahre ausser Professor Caspary die Herron: Apotheker Weiss der Aeltefe in Caymen, Professur Lentz-Königsberg und Amtsrat i! I ed c ■• Margen. Der Vorsitzende fordert die Versammlung auf, zu Ehren dieser geschätzten und hochachtbaren Mitglieder, sich von den Sitzen zu erheben.
Trotz der bedauerlichen Verluste hat der Verein an der bisherigen Stärke wenig eingebüsst, da durch nouo Beitrittserklärungen die entstandenen Lücken ausgefüllt worden sind, so dass der Verein augenblicklich über 450 Mitglieder zählt. Die Lösung der wissenschaftlichen Aufgaben, die sich der Verein gestellt hat, wäre jedoch fast unmöglich gewesen, wenn nicht auch in diesem Jahre dein Verein von Seiten des oslprcussisehon I'rovinziallandtages !>00 Mark guiigst bewilligt worden wären, was der Vorsitzende mit vielem Dank erwähnt.
Hierauf wurde vom Vorsitzenden ein freundliches Schreiben des Herrn Oberbürgermeister Seiko verlesen, welcher durch eino Reise nach Elbing verhindert worden war, an der Versammlung teil zu nehmen. Es werden Briefe verlesen von denjenigen Mitgliedern, die durch Krankheit in der Familie oder durch geschäftliche Angelegenheiten verhindert waren zur Versammlung zu erscheinen. So hatte in einem Brief unser langjähriges auch botanisch sehr thätiges Mitglied, Herr John Reitenbach -Oberstrass-Zürich eine Sendung von Pflanzen aus der Schweiz in Aussicht gestellt. Leider war ihm die Einladung zur Vorsammlung zu spät zugegangen, sonst hätte er die Schweizerpflanzen schon
