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Jahres-Bericht

In der Sitzung vom 13. October hielt Herr Dr. Rosenthal einen Vortrag

über Nutzpflanzen.

Der Volksinstinct hat schon seit den ältesten Zeiten allerorts eine grosse Anzahl von Pflanzen zu ökonomischen, technischen, medicinischen und sonstigen Zwecken in Gebrauch genommen; es ist nun Aufgabe der Wissenschaft, zu erforschen, inwieweit dieser Gebrauch sich nach den Lehren der Chemie, sowie der natürlichen Verwandtschaft rechtfertigen lasse. Eine sorgfältige Feststellung der in Gebrauch genommenen Pflan­zen erhebt ihre Zahl auf circa 13,000 Species, die sich fast auf alle natürlichen Familien vertheilen, so dass höchstens von 20 Familien kein Gebrauch bekannt sei. Der Vortragende erläuterte einige der wichtig­sten Familien in Bezug auf ihren Gebrauch, indem er dabei das von ihm herausgegebene Buch: Plantae diagnosticae, systematische Ueber- sicht der Heil-, Nutz- und Giftpflanzen aller Länder" zu Grunde legte, von dem soeben der erste Band bei Enke in Ertangen erschienen ist.

Herr Geh. Rath Prof. Dr. Göppert sprach sich über dieses Werk des Herrn Dr. Rosenthal in nachstehender Weise aus:

Eine Zusammenstellung aller zu irgend einem Zwecke in den ver­schiedensten Theilen der Erde gebräuchlichen Pflanzen ist nicht bloss von botanischem, sondern von allgemein kulturhistorischem Interesse, und zu bedauern, dass hierin noch so wenig geschehen ist. Angaben dieser Art erhöhen die Theilnahine an der svientia amabilis und gewähren zugleich wichtige Aufschlüsse über ethnographische Verhältnisse der Völker. Auch für den Unterricht erscheinen sie von grosser Bedeutung, von welchem Gesichtspunkte ausgehend ich schon seit vielen Jahren mich bestrebte, eine möglichst grosse Zahl lebender Pflanzen dieser Art im hiesigen bo­tanischen Garten zusammenzubringen, über welche ich vor einigen Jah­ren eine Schrift:Die officinellen und technisch wichtigen Pflanzen unserer Gärten, insbesondere des botanischen Gartens in Breslau, Görlitz 1857", veröffentlichte, die wohl als die zur Zeit vollständigste Sammlung der in deutschen und zum Theil auch in europäischen Gärten überhaupt vorhandenen Nutzpflanzen anzusehen ist. An 3000 enthält der hiesige Garten, die auf die in jener Schrift erwähnte Weise etiquettirt sind, d. h. unter andern auch mit Angabe ihres Gebrauches, wie ich hier anführe, um hiermit mehrfachen Anfragen zu genügen, da man endlich auch anderweitig sich von dem Nutzen die­ser Einrichtungen zu überzeugen anfängt und Aehnliches einzurichten gedenkt.

Der Verfasser des vorliegenden Werkes hat sich ein umfangreiche­res Ziel gesteckt, nämlich eine am Eingange erwähnte Zusammenstel­lung alier bekannten Nutzpflanzen im weitesten Sinne des