2tHe Buchhandl. u. Pvsianst. nehmen Bestel­lungen an. Monatlich erscheint I Heft.

für das

Der Jahrg. von 12 Hftn. kostet 3 Lhlr. 18 Sg. pr. Court. Inserate pro Zeile 2 Sgr.

gcsammtk Pflanzenreich.

Redacteur:

Daniel Hooibrenk

in Hietzing bei Wien.

Ihr wißt, Minerva kann ja nie vergehen,

Da sie aut Jovis Haupt entsprungen war; Laßt Steine uns zu ihrem Tempel hauen,

Es mögen Andre drauf dann weiter bauen.

Verleger:

Appun's Buchhandl.

in Ounzlau.

Drittes Heft.

Beiträge, so wie Schriften, deren Besprechung gewünscht wird, sind an den Herausgeber oder die Verlagshandlung zu richten.

März 1853.

Ueber englische, vielmehr japanesische, Garten- Anlagen.

Da in jüngster Zeit alljährlich viel große und kleine Gärten in englischem Styl angelegt worden und man der Behandlung und Auspflanzung der Gewächse und Pflanzen durch Gärtner und Garten-Architekten im All­gemeinen wenig Aufmerksamkeit schenkt, so daß ich un­umwunden gestehen muß, daß der größte Thcil dieser Anlagen ohne Kenntniß entworfen und ausgeführt worben, ja daß man daraus hinlänglich ersieht, wie man noch gar nicht weiß, was eigentlich eine sogenannte eng­lische Garten-Anlage erfordert und sein soll, theile ich hierüber Folgendes mit.

Ich habe auf meinen mannigfachen Reisen nicht nur hundert, sondern tausende englischer Anlagen gesehn, daher Gelegenheit gehabt, mir über die Fehler, die in denselben Vorkommen, gründliche Kenntniß zu sammeln. Offen muß ich behaupten, daß die schönsten englischen Anlagen, welche in Europa existiren, nnr in Holland zu finden sind; ich habe England von Norden nach Süden, von Westen nach Osten durchreist, überall, wo englische Garten-An­lagen waren, selbe in Augenschein genommen und sie einer genauen Prüfung unterworfen, um namentlich alles kennen zu lernen, was sich eines europäischen Rufes erfreut; leider aber wurde ich in meinen Erwartungen vollkommen ge­täuscht. denn die Gärten alle, welche ich besucht, verdien­ten nicht den Namen englischer d. h. japanesischer Anlagen.

Daß Holland die schönsten englischen Gärten besitzt, liegt vorzüglich darin, daß es sebr reich an Wasser ist, daher jede Anlage die unumgänglich nöthigen Wasser- Parthieen besitzt, denn ein englischer Garten ohne Wasser gleicht einem Körper ohne Leben, dieses giebt der Anlage erst den Reiz, die Schönheit, die belebende Kraft. Da Holland ohne Waldungen, so liegen die Gärten in der

Fläche und jeder Baum darin ist von Anbeginn mit Fleiß und Umsicht gepflanzt, denn auch der holländische Grund und Boden ist für alle amerikanischen Holzarten, Bäume und Gesträuche günstig. Daß Holland vor mehr denn hundert Jahren schon die schönsten Baumschulen besessen, ist hinlänglich bekannt, eben so daß dort die Vorliebe für Pflanzen und Gesträuche weit früher heimisch geworden, daß dem Vergnügen, Blumen in ihrem herrlichen Farben­schmuck zu sehn, weit früher als bei uns nachgestrebt wurde, das beweisen uns Liriodendron tulipiferurn, Magnolia u. a. m., die Nadelhölzer, die amerikanischen Eichen und Eschen, welche dort zuerst eingeführt und sich zu Riesenbäumen heraugebildet; diese Prachtexemplare sind die sprechendsten Beweise, daß sie dort früher als in an­dern Theilen Europas mit Eifer gepflegt und cultivirt worden.

Holland hat bis jetzt drei Garten-Architekten be­sessen, die stcb einzig und allein mit Anlage englischer Gärten beschäftigt und mit diesem Fache vollkommen ver­traut gemacht, d. h. sie lieferten nicht, wie anderswo Architekten, welche Häuser, Villen, Paläste, Tempel und Ruinen auf dem Papier prachtvoll entwerfen, ausge­zeichnete Entwürfe und Zeichnungen, sondern die Aus­führung ihrer Werke zeigte hinlänglich, daß sie ihrem Fache völlig gewachsen waren. Zur Anlage englischer Gärten gehört nicht allein, daß man hübsche Figuren auf einem Blatt Papier zeichnet, was hierbei Nebensache ist, sondern daß man beim Entwurf eines englischen Gartens in großartigem Styl sich zuvor mit Entwicklung der Bäume, Gesträuche und Pflanzen hinlänglich vertraut macht, d. h. man muß die Pflanzen nicht nur dem Namen nach kennen, sondern auch genau und bestimmt wissen, welche Höhe, welchen Umfang der Baum, wenn er voll­kommen ausgewachsen, erreicht, man muß die Form jedes einzelnen Baumes kennen, ob er sich oval, pyramidal-

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