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sich befinden, pelzen kann, versteht sich aber nurmitRei- fern von ein und derselben Gattung, weil es kein Vor­theil ist, mehre Torten aus ein und denselben Baum zu pelzen. Dies Lcrsabren kostet allerdings mehr Arbeit und Mühe, sieht man dann aber diese Prachtexemplare, wie sie sich in so unbegreiflich kurzer Zeit zu solcher, Be- wundrung und Tlauuen erregender, Schönheit und Vol­lendung emporgeschwungen, indem der alte Baum in neuem, besserem Kleide mit zahllos herrlichen Früchten geschmückt ist, wird man sich für alle Mühe und Arbeit reich belohnt sehn; ich nenne dies Verfahren wohl mit Recht nicht mehr pelzen, sondern neu bekleiden. Ge­wiß werden nach einigen Jahren, wenn diese Bekleidungs- Manier allgemein eingeführt, daraus die größten Vor­theile gezogen und zahllose Bäume von schlechter Qualität mit edlern Früchten prangen, so daß auch^die Obstcultur in Österreich schneller gehoben und einem bessern, edlern Ziele zugesührt sei» wird.

Ta auch Hrn. R a u ch's Bruder sich längere Zeit in England und Frankreich aufgehalten, in der Obstcultur mit vielen Erfahrungen sich bereichert und die werthvoll- steu und auserlesensten Sorten und Reiser hierher gesandt, so werden wir in kurzer Zeit den Nutzen und großen Werth dieser Sendungen zu schätzen vermögen. Auch das Zurückbinden solch veredelter Triebe, um die Cirkulation der Säfte zu hemmen und die Triebe schneller zum Obst- tragen zu zwingen, verfolgt Hr. Rauch mit eben so glück­lichem als reichem Erfolg. Ich werde später eine aus­führliche Beschreibung jener in Österreich neu eingeführten Obstgattungen mitkbellen, insbesondere derer, welche be­reits Früchte getragen und deren Qualität, Geschmack rrud Aroma ausgezeichnet genannt zu werden verdienen. Bei einem Qbstbaum, den man heut der Erde übergiebt, auf den man alle Mühe und Aufmerksamkeit verwendet, kann man sich nicht schon im nächsten Jahre von der Tüch­tigkeit und Tragbarkeit, von der Auserlesenheit seiner Früchte wie bei der Pflanze überzeugen. Diese kann ich, weim sie mir nicht gefällt, ihre Blattform, ihre Blüthe meinen Wünschen nicht entspricht, bei Seite legen oder wegwersen; einen Qbstbaum hingegen, der Jahre lang Aufmerksamkeit erfordert, bis er berangebildet und zum Fruchttragen tauglich, kann man, selbst wenn mau sich rücksickrlich der Qualität seiner Früchte enttäuscht sieht, statt guter nur mittelmäßige Sorten erhält, nicht wie eine Pflanze wegwerren und in diesem Fall sich nur mit Um- pfropsen, Bekleiden solcher Bäume helfen, weil Jahre er­forderlich und, ehe ein andrer Baum seine Stelle ersetzt.

Die Hauptsache bei der Qbftcultur, in Masse ver­mehrt, ist» nur Lorten erster Qualität, welche reichhaltig tragen und üppig gedeihn, anzupflanzen; man wird mir gewiß beistimmen, daß es französische Fruchtbäume in Hülle und Fülle mit ausgezeichneten, pompösen Namen giebt,

deren Früchte aber diesen weder entsprechen, noch ihn rechtfertige», oder andre, welche nach Verlauf von sechs Jahren unter vielen grünen Blättern nur wenige hoff­nungslose Früchte blicken lassen. Ferner giebt es viel französische Varietäten, die den Fehler haben, daß sie in vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs nur sehr selten vollständig reif werden, auch einige Fruchtarten, welche eine rauhe Haut haben, deren Rinde nach Regen und Sonnenschein berstet und daher zum Aufbewahren nicht tauglich sind. Es werden auch noch viele ausge­zeichnete Äpfel, Birnen und andre Obstsorten in Holland cultivirt, die bei uns fast noch gar nicht bekannt sind; daß alle diese, so wie die alten ausgezeichneten Frucht- Arten hier sehr gut gedeihn würden, beweisen alle die bessern Sorten, welche im k. k. Lustschlosse zu Schönbrunn schon unter der großen Kaiserin Maria Theresia aus Hol­land eingeführt und dort verpflanzt wurden.

Daß die Obstcultur in Österreich noch jetzt auf einer sehr niedern Stufe steht, daß wir nicht längst gleich an­dern Ländern die ausgezeichnetsten Obstsorten besitzen, liegt einzig und allein in der Lauheit und Trägheit unsrer Cul- tivateure, welche es wahrlich nicht der Mühe werth hal­ten, sich um eine bessre Sorte umzusehn, sondern sich lie­ber bei etwaigen Anpflanzungen mit einer oder der an­dern Waldsorte begnügen, ja statt aus einer Baumschule die bessern Sorten auszuwählen, Pflanzt man weit eher werthlose, unbedeutende Fruchtarte» auf seine Felder und Wiesen. Warum kann man nicht aus Rosen thal's Baumschule auf der Landstraß schöne, gesunde Obstbäume bessrer Qualität zur Anpflanzung verwenden, um besseres, edleres Obst als bisher zu erhalten? Die meisten Cul- tivateure kümmern sich aber wenig um die Gattung und Qualität ihres Obstes, es genügt ihnen, mit einer bedeu­tenden Quantität ihrer gewonnenen Früchte nach dem Markte zu fahren und diese zu guten Preisen an Mann zu bringen und statt aus einer Baumschule von ehren- werthem Ruf Obstbänme zu beziehn, läßt man sich lieber von Herumläufern hintergehn und um sein Geld bringen.

(Fortsetzung folgt.) D. H.

Cultur des Klees.

Seit einigen Jahren beginnt diese Futterpflanze im Allgemeinen einen bedeutenden Platz in der europäischen Cullur einzunehmen, weil sie bei jetziger schlechter, ver­wahrloster Cultur dennoch beträchtlichen Nutzen als Vieh- Futter abwirft und weit größer,, Nutzen und alle die von der Natur ihr bcstinimten Vvrthcile gewähren würde, wenn alle Kleeäcker-Besitzer der Eultur deö Bodens größere Aufmerksamkeit zuwcndeten, den Grund und Boden besser bearbeiteten, als dies bisher geschehen.