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erhitzen können und in der That so sind, wie der Gebrauch und der Handel es erfordert. Während der Zeit, daß diese Operationen mit den ersten drei Blättern vor sich gehn, haben sich die nächstfolgenden drei Blätter an der Pflanze gleichfalls ausgebildet und vervollkommt, sie werden nun ebenfalls abgelöst und wird mit ihnen in gleicher Weise verfahren. Auf diese Art wird von drei zu drei Blärtern fortgefahren, bis die Pflanze entblättert und leer am Felde stehen bleibt, doch auch dieser schein­bar nutzlose Stengel bleibt nicht unbenutzt, sondern wird, da er viel Salz und Potasche enthält, znsammengebrochen und als Dünger nutzbar verwendet.

Die Cultur der zum Auspflanzen bestimmten jungen Tabakspflanzcn ist folgende: Der Cultivateur schenkt den­jenigen Pflanzen, ans welchen er Saamen gewinnen will, außerordentliche Aufmerksamkeit und Sorgfalt und wählt oft unter drei- bis vierhundert Pflanzen nur zehn oder zwölf Stück aus, weil sein Streben dahin gerichtet ist, Pflanzen und somit Produkte erster Qualität zu erlan­gen. Um guten Saamen zu bekommen, läßt er an der Pflanze nur einige Kapseln reif werden und entfernt zu­vor alle andern. Jeder Cultivateur weiß schon ungefähr die Anzahl der Pflanzen, die er benöthigt, um seinen Grund damit zu bepflanzen; je nach der Größe seiner Felder richtet er seine Mistbeete ein, die Ausdehnung seiner Pflanzung bestimmt die Zahl der Mistbeetfenster. Im Februar fängt der Tabaksbaner an, seine Mistbeete einzurichten, welche völlig unfern Salat- und andern Pflanzenbeeten gleichen, daher ganz auf gleiche Weise her­gerichtet werden. Will er ungefähr vierhundert Fenster für seine Beete verwenden, so beginnt er im Februar vier oder fünf Fenster zu legen und darunter Saamen anzu­pflanzen; die Pflänzchen bleiben so lange in diesem Be- hältniß, bis die ersten zwei oder drei kleinen Blätter sich zu entwickeln beginnen, was ungefähr zwei oder drei Wochen währen kann. Haben dann die Pflanzen jene Größe erreicht, in welcher sie ohne Schaden zu leiden verfingen, d. i. versetzt werden können, so stellt er mit einemmal hundert Mistbeetfenster in Bereitschaft. Er be­ginnt dann die kleinen Pflänzchen auszupflanzen und in das neue Behältniß auf 6 Zoll Distanz zu versetzen; unter ein Mistbeetfenster von 4 Fuß Breite und 6 Fuß Länge können eine große Menge kleiner Pflänzchen verpflanzt werden; sobald sich allmählig die kleinen Pflänzchen kräf­tigen, entwickeln und gedeih«, werden alle übrigen Fenster in Thätigkeil gesetzt. Man vcrfingert oder versetzt dann die kleinen Pflänzchen in die neuen Behältnisse und be­stimmt nach ibrer Größe die nötbige Distanz, damit die Pflanzen im Stande sind, sich gehörig zu entwickeln. Im April, wenn sich die Pflanzen schon stark und kräftig ge­nug zeigen, fängt man an, Luft zu geben, damit sie stockig und fest bleiben und nicht zu schnell empvrwachsen. Wenn

nun die Pflanzen sich kraftvoll genug fühlen und das Wetter günstig, werden alle Fenster von den Beeten weg­genommen und nur zur Nachtzeit benutzt, damit nicht. etwa Frost oder Kälte den Pflanzen schade. Im Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu fürchten, verpflanzt man alle diese Pflanzen auf 2 Fuß Distanz auf die Gründe und verfährt mit ihnen auf beschriebene Art. Die Vor­theile, die daraus erwachsen, wenn man so starke Exem­plare schon im Mai an Ort und Stelle auspflanzen kann, sind ungemein groß, denn, wenn in diesem Monat die Natur mit voller Kraft ins Leben tritt und die, für die Vegetation so günstige Zeit beginnt, kann die Tabaks- Pflanze mit voller Thätigkeit ihre von der Natur ange- bornc Kraft entfalten und durch die Glnth der Sonne in den Monaten Juni und Juli vollkommen reifen und hat zum Trocknen die noch günstige Jahreszeit vor sich.

Jeder Tabakscultivateur hat Leute, die in den Städ­ten und Dörfern von ganz Holland herumfahren und um theures Geld sich die Erlaubniß erwirken, den Hühner- und Taubenmist den ganzen Sommer hindurch sammeln und wegführen zu dürfen, denn nur auf diese Art ist es möglich, das ungeheure Quantum Mist zu Düngung der Felder zusammen zu bringen. Wegen Schaafmist schließt jeder Pflanzer mit einem Schaaszüchter in der Nähe einen Contract ab. In der Nähe seiner TabakScultur wird je nach der Größe der Pflanzung ein Fleck eingezäunt und mit Stroh gedeckt, in welchem sich ungefähr 1000 bis 2000 Schaase bequem bewegen können. Ein solcher Raum wird gewöhnlich 2, auch 3' tief ausgcgraben, der Boden und die Wände mit feinem Lehm überzogen und darüber aus hydraulischem Kalk eine förmliche Haut gemacht, so daß die Jauche des Mistes sich nicht in die Erde binein- ziehn kann. Sodann wird der Boden ungefähr 6" hoch mit Erde überstreut und dann in dies Behältniß die er­forderliche Anzahl von Schaafen eingetricben. Der Züch­ter überläßt dem Tabakscultivateur nun hier die zur Fett- Mästung auserlesenen und für den Markt in England bestimmten Schaase so lange, bis sie vollkommen fcttge- mästet sind. Es wird nun täglich genau nachgesehn und sobald die ersten 6" Erde mit dem Unrath der Schaase bedeckt und durchdrungen, werden abermals 6" Erde in den Raum gebracht und somit beiläufig drei Monate lang fortgefahren, bis bas Behältniß vollkommen angefüllt ist. Zur Streu für die Schaase verwendet man einzig und allein Erde, keineswegs Stroh und Heu, damit ja keine Gährung entstehe. Sobald man bemerkt, daß die Erde warm zu werden beginnt, läßt man sie auögraben und auf die, für die TabakScultur bestimmten, Felder fahren, damit durch den Gährnngsprozeß Potasche und Salz nicht verloren gehn, denn jeder Mist, der zu dunsten be­ginnt und ans dem die Salze verfliegen, hat auf die Ve­getation der Gewächse keinen Einfluß mehr. Jeder Ta-