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bakscultivateur verfährt nach seinen Mitteln; während der Eine magre Schaafe kauft und sie für den Markt in Eng­land auf obige Weise fett mästet, kontrahirt der Andre mit den Züchtern dahin, ihm eine bestimmte Anzahl Schaafe so lange in jenem Raum zu mästen, bis sie zum Verkauf tauglich geworden, wogegen ihm der Mist so lange als Entschädigung verbleibt. Viele, die sich in Deutschland und Ungarn mit Tabakscultur befassen, werden lachen und die Frage aufstelleii, ob bei so kostspieligem Verfahren die Tabakscultur so einträglich ist, daß für so kleinen Raum so großartige Auslagen gedeckt und noch ein bedeutender Gewinn erzielt werden könne. Der sprechendste Beweis hiefür ist. daß Alle, die sich in Holland mit der Tabaks- Cultur befassen, wohlhabend sind und sich in zehn bis fünfzehn Jahren ein artiges Vermögen erworben haben, daß die Regierung alljährlich eine nicht unbedeutende Summe an Steuern und Abgaben einnimmt und daß die Großhändler in Amsterdam und Rotterdam, welche den Tabakshandel über ganz Holland, ja fast über alle Theile der Erde ausdehnen, sich große Kapitalien erworben, durch welche Thatsacheu obige Verfahrungsart zur Genüge ge­rechtfertigt wirb. Nun stelle ich aber die Frage: Wie sieht es mit der Tabakscultur in Ungarn aus? Ich habe Ungarn nach allen Richtungen bereist und alle Tabaks- Culturen in diesem großartigen Lande in Augenschein ge­nommen , selbst die Tabakspflanzungen in Verbeles, welche eine gewisse Berühmtheit erlangt, muß aber ge­stehn, daß der Tabaksbau sowohl hier, wie durchgehends im ganzen weiten Lande um mehr denn 100 Jahr gegen Holland zurück ist, weil die Pflanzer weder von der Cul- tivirung, noch von der gehörigen Behandlung Kenntniß besitzen, niit einem Wort, von der Pflanzung dieses vor- theilhaften Gewächses gar nichts versteh».

In Ungarn cultivirt man den Tabak, wie man in andern Ländern gewöhnliche Pflanzen behandelt, er wird auf freiem Felde'dem Boden übergeben, gegen keinen Wind, keinen Sturm geschützt und geschirmt; wenn das Blatt dann reif geworden, wird es ohne Vorsicht behan­delt, in Büschel wie Heu oder Klee zusammengebunden und an irgend einem Orte, gleichviel welchem, am Bo­den, unterm Dach oder in der Scheune aufgehangen und so lange dort gelassen, bis die Blätter förmlich trocken zu fein scheinen. Diese werden dann ohne Rücksicht auf's Zerreißen in Pakete zusammengebunden und in diesem erbärmlichen Zustande ihrer Bestimmung zugefuhrt und ^ dennoch findet der Bauer seine Rechnung, denn, wenn er ^ seine Auslagen mit der Einnahme vergleicht, findet er, daß trotz so schlechter, erbärmlicher Behandlung der Ta­bak ihm reichlichen Gewinn für seine wenige Mühe ab­geworfen.

Man kann mit Bestimmtheit behaupten, daß in Holland ans einem Raum von zwei Q.-Meilen grade so viel Ta- 1

bak als in Ungarn auf zwanzig Q.-Meilen gebaut wird. Welchen Nutzen bringt demnach der Boden dem kleinen Lande Holland, da Fleiß und Thätigkeit ihn zu behandeln wissen. Aus dem Gesagten ersieht man, welche Aufmerk­samkeit der Tabakspflanze gezollt, wie ihre Blätter behan­delt werden, die in Betreff ihres Schnittes und so auch Preises verschieden sind, da der erste Schnitt stets 15 pCt. theurer als der zweite und dritte verkauft wird. Wenn das kleine Holland nicht nur den eignen Bedarf decken, sondern noch durch Ausfuhr bedeutende Vortheile erlan­gen kann, welch unendlich größern Nutzen kann da das schöne Ungarn ziehn, wenn der Cultur des Bodens in jeder Beziehung größere Sorgfalt und Aufmerksamkeit ge­widmet würde. Welche namenlose Vortheile bietet nicht der Boden ohne alle Behandlung in diesem gesegneten Lande, während nur Fleiß und Mühe in Holland dem Boden Bortheile abzwingen müssen. Wie reich ist Ungarn an Schaasen, Hühnern und an Flächenraum. Würden all diese Vortheile für die Tabakscultur benutzt, könnte Österreich Millionen erübrigen, welche es für Deckblätter ins Ausland zu senden genöthigt ist, welche Ersparnis für das ganze Land vom größten Nutzen wäre und ver­steht es sich nicht von selbst, daß, was man durch Thä- tigkcit dem eignen Boden entlocken kann, nicht erst aus dem Auslande bezogen werden darf? Welche Vortbeile bietet ferner die Mästung der Schaafe. Durch das Füt­tern der zu Erzeugung dcS Mistes bestimmten Schaafe mit Pferdbohnen, Hafer und andern Hülsenfrüchten wer­den sic in kurzem Zeitraum nicht nur fetter und ergie­biger, sondern auch der Mist wird an und für sich viel kräftiger, denn je hitziger das Futter, desto stärker ist auch der Mist. Heu und andres Futter ist an und für sich minder kräftig und nahrhaft, daher auch der Dünger da­von dem Boden nicht die gehörige Stärke zu geben vermag.

Da man in Holland auf Gewinnung des Schaaf- Misteö so großen Werth legt, so wird den Schaafen, die nicht zur Mästung bestimmt sind, am Hintertheil ein Sack befestigt, der den täglichen Unrath aufnimmt und dieser Abends sorgfältig gesammelt und anfbewahrt. Wenn nun in Ungarn auf den Pusten, wo oft zahllose Schaafheer- den weiden, der Mist gleichfalls gesammelt und zweckmä­ßig verwendet würde, ließe er sich aufs Beste verwerthen. Wollte man die Tabakscultur heben und in kurzer Zeit mit den holländischen Produkten concurriren, so wäre es ralhsam, einige erfahrne Leute, die sich mit Tabaksbau beschäftigen, die richtige Behandlung verstehn, die Blätter ihrer Reife nach erkennen und bestimmen, jede Art der Zubereitung für den Handel kennen und dem Blatte nach Belieben die erforderliche Farbe zu geben wissen, aus Holland kommen zu lassen; denn es genügt keineswegs, einen Gegenstand genau zu beschreiben, mag die Schil­derung auch noch so genau sein, es entgehn immerhin