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Dr. Graf von Schwerin: Mitteilungen über Dahlien.

1913.

wendig gewordene Aushilfe geworden sind, die um so lieber in Anspruch ge­nommen wird, als man mit einer solchen Benennung dem damit Beehrten in der Regel eine große Freude bereitet. Sicher wird dadurch eine solche Neuzüchtung vor dem Untergang bewahrt, denn wenn schönere und vollkommenere Neu­züchtungen die damalige Blumenschönheit allmählich überholen und somit aus den Handelslisten verdrängen, der Pate oder die Patin des Namens werden sie ganz sicher lange Jahrzehnte weiter kultivieren und sie ihrem Bekanntenkreis immer wieder als »meine Dahlie« vorzuführen. Schließlich sind die Namen »Scheiff«, »Waldersee«, »Weber«, »Nagels«, genau so leicht zu merken wie »Schneeball«, »Türkenbund« oder »Leuchtfeuer«.

Was aber entschieden zu tadeln ist, das ist das Geben allzu langer Namen. In den meisten Fällen geschieht dies durch Hinzufügung sämtlicher Würden, die auf das Haupt der zu ehrenden Persönlichkeit gehäuft sind. Da gibt es ähnliche Bezeichnungen wie »Frau Landesökonomierat JosefaX«, »Oberpräsidialrat Freiherr Anton von Y.« und ähnliche Namen-Monstra, die an die berüchtigte Berliner Straßenbezeichnung »Prinz August von Württemberg-Straße« erinnern. Besonders in Süddeutschland sind solche Seeschlangen noch überaus beliebt, da dort die Freude am Titel eine viel ausgeprägtere ist, als im Norden. Selbst Damen möchten die Titel »Hauptsteueramtsassistentensgattin« oder »Oberappellationsgerichtsdiätars- tochter« nicht missen, wie man sich in den Annoncen süddeutscher Zeitungen täglich überzeugen kann. Solche langen Sprüche als Pflanzennamen haben aber die zwei großen Fehler, daß sie schwer zu behalten sind, und daß die üblichen Etiketts sie nicht fassen können.

Daß aber Personennamen ein willkommener Ersatz sind, beweist der Umstand, daß zahlreiche andere Namen leider schon doppelt, selbst dreifach vorkommen, z. B. »Dainty«, »Schneekönigin«, »Edelweiß« u. a., so daß der Käufer nie mehr sicher ist, welche »Dainty« usw. er erhält. Das muß unter allen Umständen ver­mieden werden. Selbst diese vorgekommenen Fehler könnte man beseitigen, wenn man den nun einmal doppelt benannten Blumen Zahlen beigibt, also »Dainty I«, »Dainty II«. Dies Verfahren wird auch in Pferde- und Hundestammbüchern mit Erfolg angewendet, wodurch jede Verwechslung gleichnamiger Individuen aus­geschlossen ist. In meiner Husarenschwadron hatten wir sogar einen Meier VII, und wehe dem Vorgesetzten, der bei einer Besichtigung die sieben Meiers nicht genau unterscheiden oder mit der richtigen Nummer anrufen konnte. Ich schlug diese praktische Numerung gleichnamiger Pflanzen bei der diesjährigen Haupt­versammlung der »Deutschen Dahlien - Oesellschaft« in Breslau vor, doch kam es zu keinem Beschluß darüber.