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hinaus werden beanspruchen können. Noch heute wie zu Dierbachs Zeit umrankt Lathyrus hirsutus L. die Halme des Wintergetreides beim obern Wald, und auf den Triften der Hessel streckt Orchis hircina Scop. wie ehedem ihr zierlich gezöpftes Haupt empor, strahlt noch immer das köstliche Blau von Gentiana eiliata L. dem auf herbstlichem Gefilde suchenden Botaniker entgegen.

Dagegen ist seit Doli und Schmidt manch liebliches Kind der Flur des Heimatsrechtes im Gebiete verlustig gegangen oder ist durch grausame Hand eines herzlosen Pflanzenjägers dem Begräbnis» im Herbar anheim gefallen. So scheint Orchis sambucina L. für die Wiesloch-Walldorfer Gegend längst verloren zu sein, und Aceras anthropophora R. Br. im Vogelherd bei Schatthausen hat sich wohl für immer den Blicken knollenstechender Verfolger entwunden. Des weitern muss das Vorkommen von Lathyrus Nissolia L. im Schlangengrund bei Altwiesloch, von Veronica spicata L.in der Hessel bei Wiesloch und gegen Rauenberg," von Barbarea stricta Andrz. bei Rauenberg als fraglich bezeichnet werden.

Ueber all' die bedauernswerten Verluste weiss sich jedoch der Pflanzenfreund zu trösten in der freudigen Aussicht auf Ersatz, den die rastlos schaffende Natur teils durch Begünstigung der Ansiedelung eines Fremdlings, teils durch Vergrösserung des Verbreitungsgebietes heimischer Gewächse darzureichen vermag.

Wie sich diese Hoffnung auf befriedigende Entschädigung für schmerzlich Vermisstes bezüglich der Wieslocher Flora bewährt hat, das mögen nachstehende Zeilen darthun, in welchen die Er­gebnisse meiner während mehrerer Jahre vorgenommenen Beobach­tungen niedergelegt sind. Die Entscheidung darüber, welche der ange­führten Standorte alsneu für das Pfälzer Gebiet" charak­terisiert zu werden verdienen, wird dem Kundigen nicht schwer fallen. Uebrigens bemerke ich, dass mir bei den folgenden Mit­teilungen keineswegs die Absicht vorschwebt, neue Standorte nam­haft zu machen, dass ich vielmehr vom Bestreben geleitet werde, ergänzend an die Veröffentlichungen von Doli und Schmidt an­zuknüpfen und auf diese Weise zur sichern Orientierung in einem der reichhaltigsten Bezirke der badischen Flora erwünschtes Material zu liefern.