Die Rubusflora des Elzthaies.
Von A. Götz, Hauptlehrer in Siegelau.
Fortsetzung von Nro. 105.
„Die Natur scheint nun einmal nicht für die Bequemlichkeit der Systematiker geschaffen zu sein!" sagt schon unser grosser Linne. Wenn nun irgendwie diese Worte auf eine Pflanzengattung angewendet werden müssen, so ist dies bei der Gattung Rubus im höchsten Maasse der Fall. Badens Cariceen, Saliceeu, Cirsien, Hieracien und Rosaceen sind mit Eifer und Erfolg durchforscht worden, und jedem unserer verehrten Vereinsmitglieder sind die Männer bekannt, denen jene Verdienste zuerkannt werden müssen.
Aber wie ist es noch mit der Erforschung der Genus Rubus bestellt! Da findet man beinahe jeden Autor beim Durchblättern seines Florenwerkes mit einer Zähigkeit am Althergebrachten festhängen, als halte er es für eine Gewissenssache, den Linne'sehen Standpunkt als ein heiliges Vermächtnis rein und unverletzt zu erhalten; obwohl es jedem, der sich auch nur einigermassen mit dieser Gattung beschäftigt hat, als unbegreiflich erscheinen muss, einen R. suberectus, plicatus, candicans, Radula, oder gar noch einen aus der Gruppe der Hystrices oder Glandulosen mit einem der Vorigen als identisch zu betrachten.
Der Verfasser besitzt in seinem Herbar den R. suberectus Anders, R. plicatus Wh. et N., R. macrostemon Focke, R. vestitus Wh. et N., R. Radula Wh. und R, Bellardi Wh. et N. aus Norddeutschland und Schweden neben den gleichen Arten aus dem Elz- thale; aber man wird kaum eine merkliche Abweichung in dem Typus der so weit getrennt wachsenden gleichen Arten wahrnehmen können.
Hieraus folgt: Jede durch constante Merkmale ausgezeichnete, also auch auf weite Strecken ihrem Haupttypus sich treu bleibende Rubuspflanze muss als eine besondere Art gelten. Ein paar Härchen oder Drüsen mehr oder weniger auf den Blättern oder am Stengel, länger gestreckte oder mehr abgerundete Blätter, etwas intensiver gefärbte Blüten kann dabei meist nicht in Betracht gezogen werden. Lnd warum sollte es nicht möglich sein, diese oder jene Art aus naturgetreuen Beschreibungen, wie z. B. das vortreffliche Rubus-

