MITTEILUNGEN

des

Botanischen Vereins

für den

Wmlbmm mctd) Lintel ©adisti.

Unsere Liebe zu den Blumen hat eine ähnliche Entwickelung erlebt, wie die Mode in den übrigen Gegenständen des täglichen Lebens. Wollte man sie geschichtlich bis in das kleinste verfolgen, würde man nicht nur ein ordentliches Stück Kulturgeschichte durch­laufen müssen, sondern auch erkennen, dass dieselbe mit der sonstigen Entwickelung des Geschmacks auf das innigste zusammen­hängt. Betrachten wir z. B. die Kleidermode der Gegenwart, so finden wir allerdings eine Gattung von Mode darin, allein diese Gattung hat viele Arten; mit anderen "Worten: jeder kleidet sich, wie er mag, weil die Auswahl in der Mode eine ausserordentliche ist.

Wenden wir es auf die Blumen an, so haben wir auch hier auf die Nationaltracht zurück zu gehen. [nstinktmässig greift der Alpenbewohner zu den Blumen seines Hochlandes, zu Edelweiss, Alpenrose, Brunelle u. s. w., wenn es gilt, seinen Hut zu schmücken. Die älteren Zeitgenossen unseres Jahrhunderts, die noch unter ihrem Quermaster" im langen Rockohne Taille" einherschreiten, um mit ihrem langenspanischen Rohre" ä la Bürgermeister von Saardam in die Kirche zn gehen, sind gar nicht anders zu denken, als mit einem Rosmarinstengel, den sie sich von einem sorgfältig im Kübel gepflegten Stocke schnitten und in das Knopfloch steckten. Sie würden uns lächerlich erscheinen, wenn ihnen ein Maler statt des Rosmarins z. B. eine Orchis der Neuzeit dafür unterschöbe. Zu jener Tracht d. h. zu jenen Menschen passten nur ganz bestimmte Blumen, und deren Zahl war gerade so gering, wie die Bedürfnisse

«1 41 & 42.

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1881.

Die Flora in der Mode.

K. B ii h r in St. Leon.