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Wirthschaftsgebäude zu, verbunden mit einer stark besuchten Molkenkuranstalt, um da meinen leiblichen Bedürfnissen endlich auch Rechnung zu tragen.

Ich war Willens gewesen, heute nach Werenwag zu gehen. Als aber der freundliche Gastgeber, Herr Z u d r e 11 i, mich fragte, ob ich auch die Androsace lactea gefunden? und nicht weit von da, auf dem ersten Tunnel weiter unten stehe Stipa pennata, da brach­ten diese unerwarteten Eröffnungen eine Aenderung in meinen Entschluss, und jetzt hiess es Halt an! Androsace lactea habe ich nur in den Kalkalpen und selten im Jura gesehen, dass die hier im Donauthale vorkomme, war mir völlig neu. Jedes Jahr, sagte Zudrelli, kommen Botaniker dieser Pflanze wegen, und erst vor 14 Tagen sei desshalb einer da gewesen. Der Standort derselben sei dem Schlösschen Bronnen gegenüber, auf dem linken Donauufer im s. g. Ramsdal. Durch den Jäger des Schlösschens, dessen Woh­nung in einem der beiden oben erwähnten Häuser an der Donau sei, könne man übergefahren werden, und der kenne auch die Stelle des Vorkommens. Somit beschloss ich heute hier zu bleiben und morgen früh zurückzugehen und Androsace zu suchen. Den Rest des Nachmittags verwendete ich zu einem Spaziergang nach der nur eine Viertelstunde entfernten FelsengrottePetershöhle" wohin ein Pussweg durch den Wald geleitet. Um aber in die Höhle selbst zu gelangen, muss man zuletzt noch eine Leiter hinansteigen. Von dieser hellen, geräumigen, mit Ruhebänken versehenen Grotte erfreut man sich einer herrlichen Aussicht. Ein Geländer auf dem äussersten Vorsprung des Felsens schützt vor Unglück, und gerade diese Stelle bewohnt Sisymbrium austriacum. Dass diese bei uns sehr seltene Pflanze hier noch nicht ausgerottet worden, wundert mich, denn die muss Jeder sehen, der da hinaufkommt. Die Felsen in nächster Umgebung sind mit Saxifraga Aizoon, Valeriana tripteris, Thlaspi montanum, Dianthus caesius, Draba aizoides, Hieracium Jacquini, Anemone hepatica, Melica uniflora, Bellidiastrum montanun versehen. Abends ins Wirthshaus zurück, wo ich mich bei guter Bedienung unter freundlichen Leuten ganz wohl und heimisch fühlte.

(Sohluss folgt.)