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facher Weise dadurch, dass dieser Stoff den Knöllchen von den Pflanzen stete entzogen wird, also weniger die weitere Entwickelung der bereits vorhandenen Knöllchen beeinträchtigt, als die Neuanlage von solchen.
Von besonderem Interesse sind schliesslich die Entleerungserscheinungen der Knöllchen. Aus der Beobachtung, dass die Knöllchen einjähriger Pflanzen zur Zeit der beginnenden Fruchtreife sich entleeren, hat man bekanntlich geschlossen, es fände schliesslich eine Resorption der von den Pflanzen herangezüchteten Bakterien statt und es fehlte nicht an Stimmen, welche auf diese angebliche Resorption die ganze Wirkung der Knöllchen zurückführten. Nobbe und ich haben aber nachgewiesen, dass die Knöllchen gerade zur Zeit thätig sind, zu welcher von derartigen Entleerungs- oder Resorptionserscheinungen noch nicht das Geringste wahrzunehmen ist und dass die von den Knöllchen einer Pflanze im Laufe einer Vegetationsperiode assimilirte Stickstoffmenge die Gesammtmasse und umsomehr die gesammte in den Knöllchen enthaltene Stickstoffmenge um das mehr als Hundertfache übertreffen kann, sodass die Annahme, die Stickstoff bereicherung der Leguminosen sei auf die schliessliche Resorption der Bakteroiden zurückzuführen, ganz ausgeschlossen ist.
Es wäre auch ganz unverständlich, wenn die Pflanze, die während ihrer lebhaften Vegetationsthätigkeit nicht im Stande ist, die Bakteroiden zu resorbiren, hierzu plötzlich die Fähigkeit erlangen sollte, wenn ihre Lebensenergie abnimmt und wenn sich damit die Verhältnisse in den Wurzelzellen so gestalten, dass auch nicht voll angepasste Bakterien in dieselben einzudringen vermögen.
Die Entleerung der Knöllchen einjähriger Leguminosen zur Zeit der Fruchtreife und das theilweise Verschwinden der Bakteroiden aus Knöllchen mehrjähriger Pflanzen im Herbst ist ganz im Gegentheil zu der noch heute vielfach geltenden Anschauung von der schliesslichen Resorption der Bakteroiden, lediglich darauf zurückzuführen, dass mit dem allmählichen Verschwinden jener Eigenschaften des Wurzelsaftes, welche die Bakteroidenbildung bedingten, die Bakteroiden wieder in normale Bakterien sich umwandeln. Nur solche Bakteroiden, welche durch die noch sehr lebensthätige Pflanze bereite in so hohem Grade beeinflusst wurden, dass sie vollständig den Charakter von entwickelungsunfähigen Involutionsformen annahmen, vermögen nicht mehr normale Bakterien zu bilden und sie allein verfallen der vollständigen Degeneration und Auflösung. Die Entleerung der Knöllchen stellt also in dem Kampfe zwischen Pflanze und Bakterien nicht einen schliesslichen Sieg der ersteren, sondern vielmehr die Befreiung der Bakterien aus einem Gefängniss dar, das die Knöllchen für sie während der ganzen Vegetationsdauer bildeten.
Figurenerklärung zu Tafel III.
Figur 1. Kobinia-Wurzel in Wasserkultur: Die obere, über der Nährlösung befindliche Wurzelpartie ist mit ausserordentlich kräftigen, wirksamen Knöllchen besetzt, während der in das Wasser eintauchende Theil der Wurzel fast vollständig frei von Knöllchen geblieben ist.
„ 2. Dsgl.: Die von Anfang an stets in Wasser gewachsene Wurzel hat durch die Impfung in allen Höhenschichten zahlreiche, gleich grosse, aber nahezu unwirksam bleibende Knöllchen gebildet.
