J)er Abstbcru.

Monatsschrift für Pomologie und Obstkultur,

Srgan des Württembergischen Llbsthau-Vereins.

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in ganz Deutschland 6 <M.

JV§. 3 . Stuttgart, März. 1883 .

I. Pomologie.

Grstrciftcr Herbllcalmll.

Diel I. 1; Lucas I. 3 b; Hogg II. 2 B. **ff Oktober Deccmbcr.

Heimath und Vorkommen: Er ist eine unserer alten, seitJahrhnnderten bekannten Sorten, über deren Ursprung nichts Genaues ermittelt ist, als daß er wahrscheinlich ans Holland stammt. In Nord- und Mitteldeutschland und am Rhein in er ziemlich verbreitet und verdient alle Em­pfehlung und Verbreitung.

Literatur und Synonyme: 1. Calville dautomne rayee (Knoop, Pomologie, 1771, Tafel II). 2. Gestreifter Herbstcalvill (Diel, Versuch einer systematischen Beschreibung der Kernobstsorten, I. S. 69). 3. Früher Hain- butterapfel (Diel AB. V. S. 8). 4. Rothcr Herbst-Aniscalvill (Diel III. S. 14). 5. Frarn- boise dOberland (Sickler, Deutscher Obstgarten, 1804, XXII. S. 101). 6. Gestreifter Herbst­calvill (Oberdieck, Jllustr. Handbuch der Obst­kunde, Nr. 177). 7. Pomme Framboise (Andre Leroy, Dictionnaire de pomologie, 1873, Nr. 171). 8. Gestreifter Herbstcalvill (Lauche, Deutsche Pomologie I. S. 54.

Gestalt: flach-kugelförmig, manchmal auch hochgebaut, ungefähr 80 mm breit und 70 mm hoch; der Bauch sitzt ziemlich in der Mitte; die Frucht verjüngt sich nach Stiel und Kelch gleich­mäßig, bei hochgebanten etwas stärker nach dem Kelche hin.

Kelch: geschlossen oder halb offen; Blättchen kurz zugespitzt, nach außen gebogen, oft verstüm­melt, graufilzig; Kelcheinsenkung sehr eng und seicht, von feinen Rippen umgeben, welche mehr oder weniger stark über die ganze Frucht hiu- lanfen.

Stiel: dünn, holzig, braun; Stielcinsenknng weit und mäßig tief, mit feinein, bräunlich grünem Rost bekleidet.

Schale: glatt, nicht fettig, grünlich gelb, später gelb, allseitig mit unregelmäßigen oft ge­flammten rothen Streifen gezeichnet und zwischen denselben noch mit einem trüben Roth verwaschen; Punkte fein, zerstreut, gelblich roth; Geruch schwach.

Fleisch: grünlich weiß, später etwas röthlich, fein, saftig, von himbcerartigem, süßweinigem, etwas zimmetartig gewürztem Geschmack.

Kernhaus: hohlachsig, Fächer weit, offen und sehr geräumig, mit großen lang zngespitzten Samen. Kröbs oft röthlich, zwiebclförmig, sticl- wärts breit herzförmig, abgerundet, kelchwärts lang zugespitzt. Kelchröhre weit, offen, tief, trichterförmig; Staubfäden randständig.

Reifezeit und Nutzung: Oktober bis De- cember; für die Tafel und Wirthschaft gleich brauchbar, vorzüglich zum Dörren, gesuchte Markt­frucht.

Eigenschaften des Baums: er wächst kräftig, macht langes feines Holz mit etwas hängenden Aesten, ist ungemein tragbar, leidet nicht vom Krebs und kommt auch in magerem