Ter Obstbau. 1883.

III. Monats-Kalender.

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Hktober.

In der ersten Hälfte dieses Monats nimmt die Obsternte den Gartenbesitzer vorzugsweise in Anspruch, denn gerade die späteren Obstsorten wie Reinetten und feine Winterbirnen wollen so lange wie möglich am Baum hängen und müssen mit besonderer Sorgfalt gepflückt werden. Da­neben ist ein nochmaliges Jäten und Behacken des Obstgartens dringend nothwendig, um das Unkraut vor Eintritt des Winters so gut wie möglich zu beseitigen. Behufs der Aussaat der Obstkcrne, welche am besten vor Ende dieses Monats gelegt werden, sind alle Beete schon im Voraus zuzubereiten. Die Keimfähigkeit der Samen erprobt man dadurch, daß man sie in Wasser einlegt, wobei die guten Samen bald untersinken, die tauben dagegen oben schwimmen, welche dann wcggeworfen werden. Mit der Reinigung der Bäume von todter Borke, Moos und Flechten beeilt man sich nun und verbrennt alles Abgeschälte außerhalb des Gartens, wobei man noch viel Insektenbrut tobtet. Sobald das Laub gelb wird und abzufallen beginnt, kann man mit dem Verpflanzen der Bäume beginnen, die man nur etwas an der Wurzel, aber nicht an der Krone beschneidet und auf ihrem neuen Standorte einschlämmt. Kranke und abständige Bäume werden nun ausgegraben, die Gruben offen gelassen und mit frischer guter Erde gefüllt, um neue junge Bäume anfnehmen zu können. Mit dem Düngen der Obstbäume, besonders der ans Grasboden stehenden, wird fortgefahren. Ebenso werden alte Bäume nun ausgeputzt und ihnen alles dürre und überflüssige Holz wegge­schnitten. Das geerntete Wirthschaftsobst kann bis zum Verbrauch auf Haufen geschüttet werden, das gute Winter- und Tafelobst aber muß man dünn ansbreiten. Will man Zwetschen länger frisch erhalten, so legt man sic schichtenweise in Steinkrüge oder Zuckergläser ein, verschließt die­selben fest mit Pergament- oder Wachspapier, kann sie sogar noch versiegeln; die Gefässe stellt man in den Keller und kann so die Früchte noch 610 Wochen lang frisch erhalten. Obstsamen,

welche man jetzt noch nicht aussäen kann, werden stratificirt, d. h. mit Sand oder Erde in Kist- chen oder Töpfe eingeschichtet und in die Erde gegraben, bis man sie im Frühjahr zur Aus­saat verwendet. Junge Bäume, welche dem Hasenfraß ausgesetzt sind, werden mit Dornen eingebunden oder mittelst einiger Striche am Stamm mit etwas Thran oder Speck geschmiert; der Geruch des thierischen Fettes hält die Nage- thiere ab.

Aovetnöer.

Das Hauptgeschäft des Baumzüchters in die­sem Monat beschränkt sich auf die Aussaat der Obstsamen, um Unterlagen zum Veredeln zu ge­winnen, auf das Sammeln dieser Obstsamen, auf das Jäten und Behacken des Bodens, um das Unkraut zu beseitigen, auf die Verpflanzung der Bäume und auf das Umgraben und Düngen des Bodens unter den älteren Bäumen. Die Wallnußbänme werden nun ausgeputzt; bei gün­stiger Witterung kann man mit dem Beschneiden der Spaliere und Zwergbäume, der Johannis­und Stachelbeeren und mit dem Verjüngen der alten Obstbäume (Kirschbäume ausgenommen) beginnen. Alle noch gesammelten Obstsamen werden in Sand oder Erde eingeschichtet, falls man sie nicht sogleich aussäen kann. Die feine­ren Steinobstbäume am Spalier, wie Pfirsiche und Aprikosen, werden, wo eS erforderlich ist, mit Fichtenreis oder alten Strohdecken über­hängt, sobald der Boden durch Frost geschlossen ist. Zur Düngung der Hochstämme ist nun die beste Zeit, um denselben Reservestoff züzuführen und die Umbildung der Holzaugen in Frucht­augen zu befördern. Die jungen Stämme und Zwergbäume sind gegen Hasenfraß zu schützen. Auch geht man nun den Mäusen zu Leibe, in­dem man ihnen schmale Streifen von Speck­schwarte, welche man mit Phosphorpaste oder Krähenaugen (Nux vomica) vergiftet hat, in die Löcher legt. Von Johannis- und Stachel­beeren, Quitten, Paradiesäpfeln und Doucins werden nun Stecklinge geschnitten, in Bündel