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Der Obstbau. 1885.

V. Miszellen und Notizen.

Lin neues ^erfahren, um Stecklinge zn machen, empfiehlt der bekannte amerikanische Gärtner Peter Henderson. Es besteht darin, daß er die Zweige, die er zu Stecklingen ver­wenden will, 10 21 Tage vorher derart ein­knickt oder durchschneidet, daß sie auf einer Seite nur durch die Rinde oder durch einen Teil der Fasern mit der Mutterpflanze zusammenhängen. Diese schwache Verbindung genügt, um dem Steck­ling die nöthige Nahrung zuznführen, während sich am durchschnittenen Teile so viel Callns bildet, daß, wenn er dann in das Vermchrungs- bcet kommt, die Bewnrzelnng rascher und sicherer vor sich geht, als es außerdem der Fall sein würde. Henderson behauptet, daß er auf diese Weise z. B. 10 000 Stück Stecklinge von Pe­largonien mit dreifarbigen Blättern vermehrt habe, mit nur 1 Prozent Verlust, während er nach seinen früheren Erfahrungen einen Verlust 50 Prozent erwarten mußte. Derartige Steck­linge schlagen, etwas weniger begossen und etwas mehr der Sonne ausgesetzt, in 8 12 Tagen Wurzeln. Dieses Verfahren läßt sich auf eine Menge Gewächse von halbholziger oder saftiger Beschaffenheit in Anwendung bringen, wenn man dazu die jungen unreifen Triebe answählt. H. führt namentlich Begonien, Nelken, Heliotrop, Petunien, alle Arten Kaktus, Kroton, Oleander, Pelargonien und Geranien an. Ein anderer Vortheil ist, daß die Mutterpflanze weniger ge­schwächt wird und unterhalb des gebrochenen Zweiges neue Triebe macht, die später ebenfalls als Stecklinge benützt werden können. Ob der zum Steckling bestimmte Trieb bloß geknickt oder zu durchschnitten werden soll, kommt auf die Beschaffenheit desselben an.

(Wir zweifeln nicht, daß auch bei Quitten, Paradiesäpfeln, Johannis- und Stachelbeeren und besonders bei Ribss arrrsuiir sich dieses Ver­fahren mit Nutzen anwenden läßt.)

Gin neues Wittel gegen die ZLkntlaus. Bekanntlich ist die Blutlaus ein sehr gefährliches Insekt, welches speziell die Apfelbäume schwer schädigt, indem es deren Saft bis auf den Splint der jungen Zweige und diese wie die junge Rinde aussaugt. In Folge davon sterben die betroffenen Gewebe ab, wodurch krebsartige An­schwellungen und tiefe Wunden an den Zweigen entstehen. Gegen einen so verderblichen Feind ist natürlich mit allen Mitteln vorzugehen, und in der letzten Zeit hat man bereits gute Erfolge

zu verzeichnen gehabt. So wird die von Dr. Neßler in Karlsruhe erfundene, zunächst gegen den Sauerwnrm des Wcinstocks mit bestem Resul­tat gebrauchte Flüssigkeit als ein vorzügliches Mittel auch gegen die Blutlaus (und die Blatt­läuse) empfohlen. Über ihre Zusammensetzung sind Leser unsere bereits aus früheren Mittei­lungen unterrichtet: wie bekannt besteht sie ans einem Gemisch von Schmierseife, Tabaksextrakt, Fuselöl und Weingeist. Ein anderes, nach seinen Erfahrungen nicht minder sicher wirkendes Mittel giebt Dr. Emil Kalender, geschäftsführender Sekretär des Obstbauvereins für den Stadt- und Landkreis in Köln, in seinem jüngst erschienenen trefflichen MerkchenDer rationelle Obstbau auf dem Lande und im Garten" an, über welch letzteres selbst wir an anderer Stelle referieren. Er schreibt: Heureka! möchte ich ausrnfen ich hab's gefunden! Ein bewährtes Mittel gegen die Blut­laus besteht darin, daß man ein Pfund zerquetsch­ten schwarzen Senfsamen mit einem Liter ge­wöhnlichem Spiritus übergießt und das Ganze acht Tage lang unter mehrfachem Umschütteln an einem warmen Orte ziehen läßt. Dann bringt man die erhaltene Lösung von Senföl in Wein­geist mittels einer kleinen Ballonspritze an die befallenen Stellen. Die Blutlaus verschwindet sofort und kömmt auch nicht mehr wieder, denn die schnellflüssige Lösung dringt in alle Rinden­risse und tötet die Thiere mit unfehlbarer Si­cherheit. Doch sind wiederholte Revisionen not­wendig." Wir können unsern Lesern nur raten, Versuche mit diesem Extrakt anzustellen.

chmtlen-Warmelade. Reife Quitten wer­den geschält, vom Kernhaus befreit, in Schnitze geschnitten, mit etwas Wasser ganz weich gesotten und dann durch ein Sieb getrieben. Zu drei Pfund solches steifen Quittenmuses nimmt man dann ein Pfund geläuterten Zuckers, welcher spinnen muß, und kocht beide zusammen, bis sie innig gemengt sind. Wird die Marmelade so­dann in Konservengläser oder Steintöpfe gefüllt, so genügt es, unter die Tierblase oder das Papier­pergament, womit die Gefässe verbunden werden, ein Blatt Salicylpapier zu binden, das man sich selbst bereiten kann, indem man 23 Gramm Salicylsäure in 1 js Liter Weingeist anflöst, dann in einen flachen Teller schüttet und reines weißes Fließpapier damit tränkt und wieder trocknet. Die Salicyllösung kann man lange aufbewahren.

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