82 Der Obstbau. 1885.

förmig, wollig; Holzaugen spitz, anliegend; Blatt klein, länglicht eiförmig, kurz zugespitzt, scharf gezähnt; Blattstiel lang und dick, wollig; Neben­blätter linienförmig.

Kegels Winterbutterbirne.

Diel I. 8. 3; Lncas I. 1a; Jahn VI. 3.

**!K Winter.

Heimat u. Vorkommen: ihr Ursprung ist nicht genau bekannt, denn die Einen behaupten, sie stamme aus Böhmen und sei schon 1782 in dem böhmischen Dorfe Kopertsch vorgekommcn, während andere vorgeben, sie sei 1788 vom Grafen Coloma in Belgien aus Samen gezogen worden. Diel erhielt sie 1825 unter dem Namen Preoiense dhiver de Coloma von Van Mons. Ans der ersten Versammlung deutscher Pomologen in Naum­burg 1853 wurde sie zur allgemeinen Anpflanzung empfohlen, ist aber vorwiegend in Böhmen und in einzelnen Teilen von Österreich und Süd- dcutschland verbreitet, während sie in der That die allgemeinste Verbreitung verdient. Ans der achten Pomologen-Versammlung zu Potsdam im Jahre 1877 wurde sie besonders zur Anpflanzung als Pyramide empfohlen.

Literatur u. Synonyme: 1. Coloma's köstliche Winterbirne (Diel III. neuestes Heft S. 131). 2. Liegel's Winterbutterbirne (Ober- dieck, Anleitung zur Kenntnis rc., 1852, S. 301). 3. Liegel's Winterbntterbirne (Jahn, Jllustr. Handbuch der Obstkunde, Nr. 74). 4. Lnprerne

Coloma (Andre Leroy, Dictionnaire de Po- mologie, Nr. 865). 5. Liegel's Winterbutter­

birne (Lauche, Deutsche Pomologie, II. 13).

Gestalt: mittelgroß, oval oder eirund, unge­fähr 65 mm breit und 70 mm hoch, sich nach

der Basis hin verjüngend; mitunter mit flachen Rippen, die sich über die Mitte der Frucht hin­ziehen.

Kelch: offen; Blättchen klein, sternförmig, braun; Kelchcinsenkung sehr flach, glatt.

Stiel: stark, mitunter etwas fleischig, ge­wöhnlich aus einer leichten Vertiefung hervor- tretcnd.

Schale: fein, glatt, anfangs grasgrün, später gelblich-grün, gewöhnlich ohne alle Röte, aber an der Sonnenseite bräunlich angcflogcn und mit zahlreichen braunen Punkten, welche zuweilen in kaum bemerkbaren Rost übergehen.

Fleisch: gelblich weiß, fein, schmelzend, von angenehmem, etwas würzigem Geschmack.

Kernhaus: mittelgroß, oft nur vicrkam- merig; Fächer muschclförmig, mit hellbraunen, langgespitzten Samen, welche am Grunde mit einem seitlichen Zahn versehen sind; Granula­tionen unbedeutend, kaum wahrnehmbar.

Reife n. Nutzung: November bis Januar; eine delikate Tafelbirne, welche in Masse ans Böhmen ausgeführt wird. Für uns Süddeutsche als vorzügliche Marktfrncht sehr zu empfehlen.

Eigenschaften des Baumes: er wächst kräftig, selbst auf Quitten-Unterlage, bildet schöne Pyraniiden, trägt äußerst reich, ist nicht empfind­lich und gedeiht in jedem Boden, wenn derselbe nicht zu trocken ist; Sommertriebe grünlich braun, mittelmäßig stark und lang, stark punktiert; Blütenknospen länglicht kegelförmig, zugespitzt; Blattknospen zugespitzt kegelförmig, abstehend; Blätter eilanzettlich oder elliptisch, glatt, fein gezähnt, glänzend dunkelgrün, beim Austreiben im Frühjahr durch ihre brannrötliche Farbe leicht kenntlich; Blattstiele lang und dünn.

Vertrauliche Unterhaltungen über Dbstbaunyncht.

(Fortsetzung.)

Da die Schneidwerkzeuge immer im schärfsten Zustande erhalten werden müssen, so braucht man 6. einen Abziehstein.

Außerdem bedarf man bei der Veredelung auch verschiedener Verbandmittcl, deren beste diejenigen sind, welche sich unter.dem steten Wechsel von Kälte und Wärme, Feuchtigkeit und Trocken­heit in der Witterung weder zu sehr verlängern noch zu sehr verkürzen, denn im ersteren Fall würde der Verband zu locker, im letzteren würde

II. Praktischer Obstbau