Der Obstbau. 1885.
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er allzu sehr einschueiden und einschnüren. Jedes gute Verbandmittel muß hinreichend elastisch sein, um dem Anschwellen oder Wachstum der Unterlage einigermaßen nachzngeben. Als Verband- mittel bedient man sich der Wolle, des Banm- wollengarns, des aufgedrehten Bindfadens, des Linden- und Raffia-Basts, des Schilfs oder Lieschs rc. Der Raffia-Bast gilt neuerdings für das beste und begncmstc Verbandmittel, nach ihm kommt das Wollgarn Non aufgezogenen alten Strümpfen rc.; man nimmt die Wolle und auch die Baumwolle je nach der Stärke der Unterlage zwei-, drei- oder vierfach, muß aber Sorge tragen, den Verband alsbald zu lockern, sobald er die Rinde einschnürt. Bei sehr starken Unterlagen reicht aber die Wolle zum Verband nicht mehr hin, sondern man muß sich zu demselben des Hanfs, sei es in Schnüren oder den Strängen aufgedrehter Stricke, bedienen. Da diese aber noch mehr als die Wolle die Unbequemlichkeit haben, in die Rinde cinznschneiden, sobald die Unterlage sich entwickelt, so muß man sie noch genauer überwachen.
Bei den meisten Veredelungen und besonders bei denjenigen mit Holzteilcn und Zweigen, ist es nötig, die Vcredelnngsstclle mit einer Baumsalbe oder einer firnißartigen Mischung zu bedecken, um sie von Luft und Feuchtigkeit abzn- schließen. Früher bediente man sich und ans dem Lande bedient man sich hiezu noch des sog. Banmmörtels oder Baumkitts, der ans einem Gemisch von Lehm und Kuhfladen besteht und notdürftig den erforderlichen Dienst thut, aber schwer anfzntragen und mehrfach zu erneuern ist. Der rationelle Baumzüchter aber bedient sich heutzutage des Baum Wachses, welches die Operation des Veredelns beschleunigt und sicherer macht. Man hat kaltflüssiges und warm- flüssiges Baumwachs, das man sich mit wenig Kosten selbst verfertigen kann und wozu wir nachstehend zwei erprobte Rezepte geben.
K a l t f l ü s s i g e s B a n m w a ch s. Man läßt 850 Gramm gewöhnliches Harz in einem irdenen Tiegel oder Topf auf einem Ofen oder einer Herdplatte (womöglich nicht ans dem freien Feuer) zerschmelzen, bis cs Syrupsdickc erlangt hat, und rührt dann 300 Gramm starken Weingeist
(Alkohol von 850 Trallcs) hinein, bis das Schäumen anfgehört hat; dann gießt man die Mischung so schnell wie möglich in ein sog. Zncker- glas, welches man mit einem Stück Kork verschließen kann, oder in ein verschließbares zylindrisches Blechgefäß. Dieses Banmwachs kann zu jeder Zeit angewendet werden; es trocknet rasch und bildet eine dünne Haut, welche nicht abspringt und sich nicht abschuppt; es dringt nicht in die Spalten ein und beschädigt weder die Rinde noch die jungen Triebe. Eine einzige Lage oder ein einziger Anstrich genügen, um die Veredelungsstellen zu schützen, die Wunden am jungen Holze zu bedecken und alle Schnittwunden zu verschließen, so daß man bei seiner Anwendung selbst im Sommer Äste und Zweige abnehmen kann. — Viele gießen nach dem Einrühren des Weingeists der Mischung noch einen Eßlöffel voll Mohnöl hinzu, um das Baumwachs geschmeidiger zu machen. Man kalm dieses kaltflüssige Banmwachs Jahre lang anfbewahrcn; wenn dasselbe zu hart geworden ist, genügt es, das Gefäß in heißes Wasser zu stellen, bis die Mischung schmilzt, lind dann etwas Weingeist und einige Tropfen Terpentinöl hineinzurühreu.
Warmflüssiges Baumwachs besteht ans 3 Teilen (sagen wir 300 Gramm) weißes Pech, 3 Teilen schwarzes Pech,
2 Teilen gelbes Wachs,
1 Teil Talg,
1 Teil gelben Ocker.
Man schinilzt zuerst in einem irdenen Topf oder Tiegel ans dem Ofen oder der Herdplatte das Pech, bis es ganz flüssig ist, rührt dann zuerst das Wachs hinein, bis dieses ganz zergangen ist, hierauf ebenso den Talg und endlich den Ocker. Ist alles wohl vermengt, so nilnmt man den Tiegel oder Topf vom Feuer, gießt die Mischung allmählich langsam in ein Gefäß mit kaltem Wasser, damit sie fest wird, und bildet ans der erkalteten Masse wallnußgroße Kugeln oder kleine Tafeln, welche man Jahre lang anf- bewahren kann und nach Bedarf in der mit Ol oder Weingeist erwärmten Pfropfmaschinc schmilzt. Dieses Banmwachs darf aber nicht zu heiß ans die Veredelnngsstellc gebracht werden, weil es sonst die Rinde der Unterlage und die Angen

