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Monatsschrift für Pomologie und Obstkultuy
Srgan des Württembergischen MDail-Vmins.
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in ganz Deutschland « JC
J\[§. 9 . Stuttgart, September. 1888 .
I. Pomologie.
Die Frrsquin-Apfelsorten.
Es wird wohl keine Baumschule im deutschen Reiche mehr zu finden sein, in welcher diese aus der Normandie eingeführten bittersüßen Apfelsorten nicht vermehrt werden. In der That zeichnen sie sich alle durch einen prächtigen Wuchs aus und dieser Umstand ist doch gar zu verführerisch, wenn man bedenkt, daß daS große, Obstbäume pflanzende Publikum leider mehr auf sehr starke Baumware, als auf gute Sortenauswahl sein Augenmerk richtet. Der Baumzüchter, welcher der starken Konkurrenz gegenüber, seinen Vorteil darin findet, in möglichst kurzer Zeit recht starke Bäume zu ziehen, vermehrt mit Vorliebe diese Sorten und vernachlässigt dabei unsere alten, bewährten Sorten, die meist schwachen Wuchs in der Baumschule zeigen. Unserem Obstbau ist dadurch schlecht gedient. Aber wer will's wenden?
Die bekannteste dieser Sorten ist der bittersüße Cyderapfel oder Normännischer Cyderapfel, von dem Landmann oft kurzweg „Franzosenapfel" genannt. Der Baum treibt sehr üppig, blüht sehr spät und ist enorm fruchtbar. Während er als Unterlage verwendet den Luikenapfel nicht annimmt, gedeiht die Goldparmäne ganz vortrefflich auf ihm und erreicht bei sehr reicher Tragbarkeit ein hohes Alter. Ein auffallendes Beispiel für diese Thatsache finden wir in der schönen Allee von lauter Goldparmänen, welche
auf der ganzen Südfront des Schloßgartens in Hohenheim stehen und welche Anfang der fünfziger Jahre auf normännische Cyderäpfel in die Krone veredelt wurden. Früher glaubte man vielfach, es könnte der sehr gut in der Baumschule wachsende Stamm als passende Zwischenunterlage für den langsam wachsenden Luikenapfel verwendet werden, aber alle Versuche haben fehlgeschlagen.
Erst in späterer Zeit, vor etwa 25 Jahren, wurden weitere Sorten dieser bittersüßen Äpfel und zwar aus den Baumschulen im Elsaß bei uns eingeführt. Seltsamerweise finden wir in keinem pomologischen Werke die Beschreibung auch nur einer dieser Sorten; es ist, als ob sich die Autoren geschämt hätten, diese für die Mostbereituug so minderwerten und für den Rohgenuß gar nicht brauchbaren Sorten, auch nur zu nennen. Nur im Guide pratique finden wir auf Seite 148 die beiden Sorten: Normand ordinaire und Normand legros, mit dem Beisatz: A cidre, aber ohne jede weitere Bemerkung.
Die in unseren Baumschulen in oft riesigen Mengen gezogenen Sorten sind folgende: Fres- quin gros courtois, Fresquin rouge amere, Noir de Vitry, Belle kille de Normandie.
Um es hier gleich zu sagen, die beiden letzteren Sorten taugen zur Mostbereitung so viel wie gar nichts. Sie sind ganz trockene, elende Süßäpfel, die nur ganz wenig Gerbsäure, aber gar
